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Tierwelt : Eulen fühlen sich auf Eiderstedt wohl

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Armin Jess, ehrenamtlicher Betreuer für die Halbinsel, berichtet über die vorkommenden Arten und ihre Schutzbedürftigkeit.

Für Eiderstedts Schleiereulen (Foto: Armin Jess) ist 2017 ein gutes Jahr. Es gibt viele Mäuse, der Tisch ist für Eltern- und Jungvögel also reichlich gedeckt. Und so sind so viele Jungvögel wie noch nie aufgezogen worden, nämlich 140, wie Armin Jess, ehrenamtlicher Eulenbetreuer für die Halbinsel, berichtet. Er hat 27 Brutpaare gezählt. Und möglicherweise gibt es noch mehr Jungvögel, denn eine zweite Brut ist durchaus möglich bei dem guten Nahrungsangebot. Eine Rekordbrut hat er in einem Gehöft in Kirchspiel Garding registriert: Dort hat ein Paar neun Küken aufgezogen. Normal sind es drei bis fünf pro Brut.

Und das ist auch gut so, denn in dem schneereichen Winter 2010/11 sind viele Schleiereulen in dem Gebiet zwischen Hever und Eider eingegangen. „2011 hatten wir nur noch fünf Brutpaare“, so Jess. Bei Schnee kann die Schleiereule nicht gut jagen, denn sie ortet die Mäuse mit dem Gehör, bei hohen Schneelagen ist das schwierig. Zum Verhängnis wird ihr in solchen Wintern ihre große Standorttreue: Sie verhungert eher, als dass sie in schneefreie Reviere abwandert.

Armin Jess kümmert sich für den Landesverband für Eulenschutz um die nachtaktiven Jäger auf Eiderstedt. Die Halbinsel ist für die Schleiereule ein ideales Terrain. „Es gibt hier viel Grün-, aber auch Ackerland, eine gute Mischung, in der sich Mäuse wohlfühlen.“ Zudem bieten die Bauernhöfe mit ihren Scheunen den Eulen einen guten Unterschlupf. Gerne nehmen sie Brutkästen an. Dabei muss es nicht unbedingt ein altes Gebäude sein. „Die gehen auch in eine Maschinenhalle. Der Lärm stört sie nicht“, so Jess. Was sie nicht mögen, ist, wenn sie täglich in ihrem Brutkasten gestört werden. Der ist eine Zweizimmer-Wohnung, im hinteren Teil werden die Jungen aufgezogen. Vorne zieht manchmal ein Turmfalke ein. Allerdings fressen sie sich gegenseitig die Jungvögel auf. So hängt Jess noch einen zweiten Kasten auf. Auf Eiderstedt gibt es 50 dieser Kästen, davon sind zwei Drittel besetzt.

Da können auch gern noch einige hinzu kommen. Denn wenn die Jungvögel flügge sind, suchen sie sich ihr eigenes Revier. Sie bleiben nicht am Geburtsort, berichtet Jess. Also muss er neue Nistkästen anbringen. Wer also noch keine Schleiereule in seiner Scheune, seinem Stall oder im Dachboden hat, kann sich gerne an ihn wenden. Die Schleiereule ist in ihrem Bestand in Deutschland zwar nicht gefährdet, dennoch nimmt ihre Zahl ab. Sie kann Unterstützung also gut gebrauchen. In Schleswig-Holstein sind der westliche Landesteil und die Flussniederung dort mit ihrem Grünland das bevorzugte Revier der Schleiereule. Fünf bis zehn Prozent der Bruten im Land werden in Eiderstedt registriert.

Auf der Halbinsel gibt es außerdem noch die Waldohreule, die gern in hohen Bäumen brütet, wie beispielsweise im Tönninger Schlossgarten. Gerne bezieht sie alte Krähennester. „Früher hat es auch Steinkäuze gegeben. Doch ist der Vogel, Sinnbild der Göttin Athene, in Europa sehr selten geworden. Er benötigt eine offene Landschaft mit ganzjährig niedriger Vegetation, Kopfweiden und Obstgärten. Früher wurde er rund um Witzwort nachgewiesen, so Jess, aber seit den 1990er Jahren nicht mehr. Da Eiderstedt ein geeigneter Lebensraum für ihn ist, hat man Steinkäuze, die als Opfer von Verkehrsunfällen im Wildpark Eekholt aufgezogen worden sind, in Poppenbüll und Witzwort ausgewildert. „Im vergangenen und in diesem Jahr gab es einen Brutversuch in Poppenbüll“, berichtet Jess. Das Projekt soll fortgeführt werden.

Außerdem gibt es auf Eiderstedt noch einen ganz seltenen Vogel: die Sumpfohreule. Sie brüten als einzige Eulenart Mitteleuropas auf dem Boden. Ein beliebtes Habitat sind die Dünen und Salzwiesen von St. Peter-Ording für sie, so Jess. Außerdem wurde sie in Tetenbüll entdeckt.

Wer den Eulen auf Eiderstedt mit Brutkästen helfen möchte, kann sich an Armin Jess unter Telefon 04864/2718849 wenden.

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