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Husumer Nachrichten

17. Dezember 2017 | 00:01 Uhr

Husum : Es soll ein würdiger Gebetsort werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jammat plant in Husum den Bau einer Moschee und lädt im Mai zu einem Informationsabend ein.

„Niemand ist anbetungswürdig außer Allah, Mohammed ist Gesandter Allahs“ steht auf dem Banner an der schmucklosen Wand geschrieben. Dort wurde noch vor einiger Zeit dem schnöden Mammon gehuldigt. Doch „Schlecker“ ist nicht mehr, und seither dient das Gebäude der Ahmadiyya Muslim Jammat (AMJ) als Gebets- und Versammlungsraum. Neben dem Eingang steht ein in die Jahre gekommenes Blech-Regal. Dort deponieren die Gläubigen ihre Schuhe, bevor sie zum Gebet schreiten. Draußen vor der Tür ist das Klappern von Glasflaschen zu hören. Der benachbarte Getränkemarkt bekommt neue Ware. Aus dem Nebenraum dringt Kaffee-Geruch herüber. Der Kieler Imam hat sich angekündigt.

Möbel und Teppiche des Gebetsraumes erinnern an das, was manch einer als Gelsenkirchener Barock bezeichnet. Aber es geht nicht um Schein, sondern um Sein, alles dient nur dem einen heiligen Zweck des Gebetes. Der L-förmige Raum ist zweigeteilt. Hinter einem schweren Vorhang vermutet der Gast mit Recht den Gebetsraum der weiblichen Gemeinde-Mitglieder, die über einen separaten Eingang verfügen. Dennoch macht Adeel Ahmad Shad, der Imam, kein Hehl daraus, wie froh er ist, dass dieses Provisorium bald ein Ende haben wird. Der Antrag für den Bau einer eigenen Moschee im Gewerbegebiet ist gestellt. Es wäre nach Kiel, Lübeck und Nahe die vierte von AMJ in Schleswig-Holstein.

Wo genau die Moschee hinkommt, darüber möchte das geistliche Oberhaupt der Gemeinde allerdings erst in ein paar Wochen sprechen – wenn alles unter Dach und Fach ist. Er wisse natürlich, dass so ein Vorhaben mit gemischten Gefühlen betrachtet werde, räumt der Imam ein und stellt sich umso bereitwilliger unseren Fragen. Richtig, aus eigener Tasche könnte die hiesige Gemeinde mit ihren 100 Mitgliedern den Bau nicht realisieren. Doch weltweit hat AMJ mehr als zehn Millionen Mitglieder in 207 Ländern – und so eine Moschee werde nie nur von der örtlichen Gemeinde finanziert.

Wie den Christen gehe es auch den Muslimen darum, den Schöpfer zu erkennen und ihm zu huldigen, erklärt Adeel Ahmad Shad den Wunsch der Gemeinde nach einem würdigen Gebetsort als dem im Treibweg 6. Und ja, das neue Gebäude solle auch ein Minarett erhalten. Allerdings sei der Ruf des Muezzin nur nach innen zu hören. „Das gebietet die Loyalität gegenüber dem Land, in dem wir leben“, sagt der Imam. „Deswegen sollen auch Nachbarn und alle, die an unserem Vorhaben interessiert sind, schon vorab über den Bau und alles, was damit im Zusammenhang steht, umfassend informiert werden. Deshalb laden wir für Mittwoch, 17. Mai, ab 18 Uhr zu einem Informationsabend ein“, erklärt der örtliche Sprecher der Gemeinde, Ghasan Hamit Virk. Auf diesem Gebiet ist AMJ ohnehin sehr aktiv und will seine Öffentlichkeitsarbeit nach Fertigstellung der Moschee noch weiter ausbauen.

Es gibt Muslime in Deutschland, die sagen, das oberste Gebot allen Handelns müsse das Grundgesetz sein. Erst danach kämen Bibel und Koran. Wie steht der Imam zu dieser Aussage? „Das sehen wir auch so“, sagt er. Der Glaube sei eine Sache, das Gesetz eine andere. Und wenn sich beide in gegenseitigem Respekt begegneten, dann funktioniere das auch in der Praxis. „Der Islam ist einfach“, sagt Adeel Ahmad Shad: „Du sollst andere nicht verletzen – auf keiner Ebene.“ Deshalb müssten auch die Gesetze anerkannt werden, weil ansonsten alles ins Chaos führe und die Gesellschaft zerstöre.

„Unser Weg ist der Weg des Friedens“, sagt der Imam und erteilt radikalen Tendenzen innerhalb des Islam eine klare Absage: Man könne Menschen nicht zur Religiosität zwingen. „Es geht um Wahrhaftigkeit.“ Aber Wahrhaftigkeit sei im Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ja derzeit nicht das höchste Gebot: Er sei kein Politiker, sagt Adeel Ahmad Shad nach einer Pause. „Die Menschen sollen sanftmütig miteinander umgehen, einander nicht verletzen.“ So wolle es der Koran. Wer sich anders verhalte, den werde Gott zur Rechenschaft ziehen – besonders, wenn er Muslim sei. Und noch etwas: „Ein Land, dass sich von der Religion entfernt, schadet sich selbst“, sagt der Imam. Ahmadiyya Muslim Jamaat wolle das nicht, sondern in Frieden mit den Menschen, auch Menschen anderen Glaubens zusammenleben“, versichert er. Es gehe eben um Inhalte, nicht um den schönen Schein.

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