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Zäsur bei der Bundeswehr : Es lebe das Regiment „Nordfriesland“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Spezialpionierbataillon 164 gehört der Vergangenheit an: Der Husumer Bundeswehr-Verband ist aufgestockt und getauft worden.

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erstellt am 11.Jan.2016 | 19:58 Uhr

Um 14.48 Uhr war das Spezialpionierbataillon 164 am Montag (11. Januar) Geschichte. 13 Jahre nach der Aufstellung des Verbandes in der Husumer Julius-Leber-Kaserne rollte der Kommandeur des Erfurter Logistikkommandos, Generalmajor Hans-Erich Antoni, an gleicher Stelle die Bataillonsfahne ein. Für Oberstleutnant Björn Panzer, dem damit gleichzeitig das Kommando entzogen wurde, ein wehmütiger Moment der ganz kurzen Art. Denn nur wenige Augenblicke später erschien das Spezialpionierregiment 164 auf der Bildfläche – „dem Phoenix aus der Asche gleich“, wie Panzer es zuvor in seiner Rede vor den zahlreichen geladenen Gästen aus den Bereichen Bundeswehr, Politik, Verwaltung und öffentliches Leben formuliert hatte: „Also alles andere als ein Grund zur Traurigkeit – ein Grund zur Freude. Und einer, stolz darauf zu sein, diesem einzigartigen Verband anzugehören.“

Einem Verband, über den der 45-jährige Ratzeburger zwei Jahre lang die Befehlsgewalt hatte und dessen „Korsettstangen“, wie sein Vorgesetzter Antoni bemerkte, er indirekt verbunden bleibt: Panzer ist künftig im Amt fürs Personalmanagement der Bundeswehr in Köln als Referatsleiter und Personalstabsoffizier für die Unteroffiziere der Pioniertruppe verantwortlich.

Sein Nachfolger als Chef des neuen Regimentes ist am Standort ein alter Bekannter: Oberst Thomas Groeters (48) führte die Husumer Spezialpioniere bereits von 2008 bis 2010, seinerzeit noch als Oberstleutnant. Für den künftigen Kommandeur bedeute die Übernahme des Verbandes, sich neuen Bewährungsproben mit besonderer Verantwortung zu stellen, erklärte Antoni. „Mit dem Aufwuchs zum Regiment steigt gleichzeitig die Bedeutung unserer Spezialpioniere“, sagte der Generalmajor. „Und es wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen, dass diese Bedeutung eingefordert wird und die vielfältigen Fähigkeiten dieses einmaligen Verbandes abgerufen werden – ich nenne hier nur das Stichwort Mali!“ Überhaupt müsse man sich in Zukunft grundverschiedenen Herausforderungen stellen, so der Chef des Logistikkommandos: „Die Sicherheit Europas und damit auch Deutschlands ist wieder mehr in den Mittelpunkt unserer Überlegungen gerückt – und das nicht nur aufgrund der Beschlüsse des Nato-Gipfels von Wales unter dem Eindruck der Ukraine-Krise und der verheerenden Aktivitäten des sogenannten IS in Syrien und im Irak.“ Die jüngsten Anschläge von Paris unterstrichen die Richtigkeit einer Anpassung, so Antoni: „Wir beginnen, uns wieder ausgewogener am gesamten Aufgabenspektrum – einschließlich der Landes- und Bündnisverteidigung – auszurichten.“

Ausrichten mussten sich an diesem Nachmittag auch mehrfach die angetretenen Fahnenzüge jener acht Kompanien, die zum Regiment gehören. Begleitet wurde der Einmarsch der Soldaten von den schmissigen Klängen des Marinemusikkorps’ „Ostsee“, das sich unter der Leitung von Kapitänleutnant Andreas Siry auch zwischendurch immer wieder ins Zeug legte.

Verbunden war der doppelte Appell – erst Auflösung, dann Aufstellung – auch mit einer Taufe. Das neue Spezialpionierregiment 164 trägt den Namen Nordfriesland. Um diesem Manifest der Verbundenheit einen offiziellen Charakter zu verleihen, versah der Landrat das Truppenbanner mit einem entsprechenden Fahnenband. „Es ist eine große Ehre und auch ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit über all die Jahre“, erklärte Dieter Harrsen. Husum sei nach Kiel der zweitgrößte Bundeswehr-Standort in Schleswig-Holstein – auf die Einwohnerzahl umgerechnet sogar spitze. Und Nordfriesland sei der Kreis mit dem höchsten Bundeswehr-Anteil. „Seien Sie sich der Unterstützung des Kreises und der Kommunen stets bewusst“, gab er dem Regiment mit auf den Weg. „Wir stehen zur Bundeswehr, die wir in diesen Zeiten dringender denn je benötigen“ – und das nicht nur für den Küstenschutz.

Am Ende der militärisch durchorganisierten Zeremonien auf dem Appellplatz verlegte sich die Festgesellschaft ins Offizierskasino der Kaserne. Schließlich hatten die Gäste auch lange genug in dem eigens aufgebauten offenen Zelt ausgeharrt, in dem auf jedem Stuhl eine wärmende Decke bereitlag. Bei dem Empfang gab es noch einen weiteren feierlichen Akt, der die besondere Beziehung der Region zu ihren Soldaten ausdrückt: Per Urkunde wurde die Patenschaft des Spezialpionierbataillons 164 „Nordfriesland“ mit der Garnisionsstadt Husum besiegelt.

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