Gefährliche Keime : „Es kommt auf die Hygiene an“

Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel: Das Klinikum Nordfriesland gewährleistet hohe Hygienestandards.
Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel: Das Klinikum Nordfriesland gewährleistet hohe Hygienestandards.

Die an der Kieler Uni-Klinik nachgewiesenen Keime veranlassen auch das Personal des Klinikums Nordfriesland zur Wachsamkeit. In dessen vier Häusern ist Hygiene oberstes Gebot.

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27. Januar 2015, 07:00 Uhr

Die Verunsicherung ist groß. Die multiresistenten Keime, die am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel nachgewiesen worden sind, sorgen auch an den Standorten der Kliniken Nordfriesland für erhöhte Wachsamkeit. „Es ist Vorsicht geboten“, sagt Dr. Alfonso Grande. Der Ärztliche Direktor der Klinik Tönning ist hygieneverantwortlicher Arzt im Klinikum Nordfriesland. Er betont aber, dass kein Grund zur Panik besteht.

Grande leitet die Hygiene-Kommission der Kliniken in Husum, Niebüll, Tönning und Wyk und arbeitet eng mit dem Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland und mit einem Kieler Labor für Mikrobiologie zusammen. Die vom Berliner Robert-Koch-Institut empfohlenen Richtlinien werden in den vier Häusern des Klinikums bereits seit einigen Jahren umgesetzt. Deshalb wird jeder Patient schon vor der eigentlichen Behandlung eingehend untersucht. Denn eines ist gewiss: Die Mehrzahl von multiresistenten Erregern wird in die Kliniken hineingetragen. „Die Keime entstehen nicht bei uns, sondern werden erst von uns nachgewiesen“, betont deshalb Michael Mittendorf mit Nachdruck. „Der Name ,Krankenhaus-Keim‘ ist daher völlig irreführend und falsch“, so der Pressesprecher des Klinikums weiter.

Anhand von festgelegten Kriterien werden Risiko-Patienten bei der Aufnahme in das Klinikum auf Erreger getestet – bei sogenannten Screenings nehmen Klinikmitarbeiter umgehend Abstriche von Wunden und Schleimhäuten der Patienten. „Sollten wir Keime entdecken, werden die Patienten sofort in einem gesonderten Raum isoliert“, sagt Grande. „Es kommt immer auf die Hygiene an“, betont der Arzt. Nicht zuletzt deshalb würden sich an sämtlichen Ein- und Ausgängen der nordfriesischen Kliniken kleine Spender mit Desinfektionsmittel und auch spezielle Automaten auf den Fluren befinden. „Die meisten Keime werden über Hautkontakt übertragen“, weiß Grande, der nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Besucher der Kliniken in die Pflicht nimmt, sich stets die Hände zu desinfizieren. Eine Ansteckung ist ebenfalls über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken oder OP-Material möglich – die Erreger haften nämlich gut an Plastik und Edelstahl.

„Bei bis zu fünf Prozent unserer Patienten weisen wir gefährliche Keime nach“, erklärt Alfonso Grande. „Dieser Wert ist aber normal“, sagt der Hygieneverantwortliche, der die in Kiel nachgewiesenen Keime als außerordentlich gefährlich einstuft – zumal diese gegen fast alle Antibiotika resistent seien. Der Grund für die Resistenz: Seines Erachtens würden Antibiotika zu leichtfertig eingesetzt. „Es möchte kein Patient mehr sieben Tage lang mit Schnupfen herumlaufen“, sagt Grande, der in jüngster Zeit aber ein Einlenken vieler Kollegen registriert hat. Viel verheerender sei aber der Einsatz dieses Arzneimittels in der Landwirtschaft. Dort findet eine horrende Verwendung statt, kritisiert Grande. „Auf diesem Weg gelangen viele Keime in den Kreislauf.“

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