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Husumer Nachrichten

19. Oktober 2017 | 20:10 Uhr

Wohnungslos: : Es kann jeden treffen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Zahl der wohnungslosen Menschen steigt in der Stadt Husum. Erk Paulsen und Jürgen Laage sind wichtige Ansprechpartner für Betroffene.

von
erstellt am 17.Dez.2016 | 12:00 Uhr

Ein sozialer Abstieg muss keine Schussfahrt sein. Bei Heinrich B. (Name ist der Redaktion bekannt) entwickelte sich alles ganz langsam. Der Meister im Heizungs- und Sanitär-Handwerk hatte einen eigenen Betrieb, zeitweise zwei Angestellte, genug Aufträge und bildete sogar aus. Dann überwiesen immer mehr Kunden nur einen Teil ihrer Rechnungen – oder sie zahlten gar nicht. Seine tiefe Überzeugung wird es immer bleiben, dass damit der Weg in die Schuldenfalle bereitet war – und aus dieser kam er eines Tages nicht mehr heraus.

Es folgten viele Jahre, in denen er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser hielt. Die Scham war es, die ihn davon abhielt, um Hilfe zu bitten. Er konnte doch etwas, hatte Jahrzehnte gearbeitet – und auf einmal sollte er nicht mehr dazugehören.

Mehr als zehn Jahre hielt sich Heinrich B. „ irgendwie“ über Wasser: Vom Handwerksmeister zum Taxifahrer – auch das war sein Weg. Letztlich zwangen ihn Gesundheits-Probleme, den Gang zum Sozialamt nicht länger hinauszuzögern. Als Selbstständiger hatte er freiwillig in die Pflichtversicherung eingezahlt: Deshalb steht dem heute 62-Jährigen wenigstens eine Erwerbsminderungsrente zu. Da die für seinen Lebensunterhalt nicht ausreicht, ist er auf Grundsicherung angewiesen. Damit kommt Heinrich B. zurecht – er ist ein bescheidener Mann.

Jetzt hat der Wahl-Husumer ein weiteres Mal den Boden unter den Füßen verloren: Er musste seine Wohnung verlassen. Mit seinen geringen monatlichen Bezügen gehört er zu der wachsenden Gruppe von Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht ist. Und als das Haus, in dem Heinrich B. bisher lebte, verkauft worden ist, erhielt er prompt die Kündigung: Seine Wohnung solle renoviert – und dann die Miete angehoben werden, bekam er zu hören. Der Rentner stand draußen.

Erk Paulsen sind solche Schicksale nicht unbekannt. Der Diakon und Diplom-Sozialpädagoge betreut neben der Bahnhofsmission – ein niedrigschwelliges Angebot für Obdachlose mit Möglichkeiten, zu übernachten, Wäsche zu reinigen, zu duschen und dem Angebot von drei Mahlzeiten am Tag – auch die für ganz Nordfriesland zuständige Beratungsstelle für Wohnungslose in der Poggenburgstraße am Bahnhof. Beides sind Einrichtungen des Diakonischen Werkes. Wohnungslos durch eine Mieterhöhung oder die Zwangsräumung aufgrund von Mietschulden – die Menschen dahinter kommen zu Erk Paulsen. Er hilft bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Oder, um vielleicht das Schlimmste noch zu verhindern, bei Gesprächen mit dem Vermieter.

Durch die räumliche Nähe der beiden Angebote in einem Gebäude und auf einem Flur wird ebenfalls deutlich, dass beide Themen miteinander zu tun haben: Denn von der Wohnungs- in die Obdachlosigkeit abzurutschen, bleibt immer eine latente Gefahr.

Das Hauptproblem: In Husum ist günstiger Wohnraum Mangelware. Keiner weiß das besser als Jürgen Laage vom Sozialzentrum Husum und Umland. 2015 kümmerte er sich um rund 280 von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Für dieses Jahr rechnet der Fallmanager damit, dass diese Zahl noch um bis zu 20 Prozent ansteigen wird. „Und das Angebot an Wohnungen wächst ja nicht mit.“ So muss die Stadt Notunterkünfte vorhalten – etwa zwölf dieser Schlichtwohnungen in der Richard-von-Hagn-Straße und rund zehn in der Mommsenstraße –, in denen dann auch mehrere Betroffene, darunter Heinrich B., zusammenleben müssen. „Alles ist belegt“, berichtet Jürgen Laage.

Mit Sorge beobachte er, dass immer mehr junge Leute zu seiner Klientel gehören. Diese Entwicklung bestätigt Marcel Balke vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein und meldet rund 1500 wohnungs- und obdachlose unter 25-Jährige für das nördlichste Bundesland. Neben Handy-Schulden tragen auch Leistungskürzungen über das Job-Center zu dieser Entwicklung bei: Denn bei dieser Altersgruppe ist es erlaubt, die Zuwendungen bei mangelnder Kooperation im schlimmsten Fall ganz zu streichen.

„Wohnungslosigkeit kann jeden treffen“, betont Erk Paulsen. Nach seiner Erfahrung wird die „Spirale nach unten“ durch verschiedene Faktoren ausgelöst, die aber miteinander zusammenhängen – Arbeitslosigkeit, Stress in der Familie, Schulden oder Suchtprobleme.

 

Wer eine Wohnung zu vermieten hat oder Hilfe benötigt, darf sich gern mit Erk Paulsen (Telefon 04841/668045) in Verbindung setzen.

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