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Meeresspiegel-Anstieg : „Es ist mehr Wasser in der Badewanne“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der bekannte Küstenforscher Professor Hans von Storch referierte zu den Konsequenzen für die Küstenbewohner. Der Druck auf die deutsche Nordseeküste werde sehr viel stärker zunehmen als beispielsweise auf die englische.

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erstellt am 06.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Ja, es ist mehr Wasser in der Badewanne, und nein, das Kind ist nicht lebhafter geworden. Auf sehr prägnante und unterhaltsame Weise erläuterte der bekannte Küstenforscher Professor Dr. Hans von Storch seine Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg. Mit der Badewanne sind die Nordsee und die Meere weltweit gemeint, mit dem Kind der Wind. Auf Einladung des Eiderstedter Forums referierte der Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht über den Meeresspiegelanstieg und seine Folgen für die Küstenbewohner.

Am Beispiel des Pegels Cuxhaven machte der gebürtige Föhrer deutlich, dass der Meeresspiegel kontinuierlich angestiegen ist. „Um und bei 20 Zentimeter. Es ist also mehr Wasser in der Badewanne.“ Er könne aber nicht sagen, was den Anstieg im einzelnen verursache. Global gesehen habe er sich beschleunigt, nicht jedoch in der Deutschen Bucht. „Das kann aber noch kommen, vielleicht in fünf Jahren.“

Eine Zunahme der Stürme an Häufigkeit und Heftigkeit, wie viele Menschen sie empfinden, konnte er nicht bestätigen. „Windmessungen sind problematisch, weil sie nicht wirklich vergleichbar sind. Da reicht es schon, dass ein Baum neben der Messstelle wächst oder diese verlegt wird.“ Auch die Aussage von Kapitänen, dass es noch nie solche riesigen Wellen gegeben habe wie heute, zog er auf humorvolle Art in Zweifel: „Vielleicht liegt das daran, dass diese Kapitäne 1910 noch nicht auf See waren.“ Auch die nach der Dichte der Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) berechneten Windstärken zeigten keine zunehmende Tendenz.

Eindeutig ist für ihn der Zusammenhang zwischen Emissionen und dem Meeresspiegelanstieg – je stärker, desto mehr. Und auch der Zustand der Eisschilde werde dabei eine Rolle spielen. „Es ist aber schwierig vorauszusehen, was genau passiert, es gibt verschiedene Szenarien.“ Man könne davon ausgehen, dass der Meeresspiegel im Jahr 2040 um maximal 20 Zentimeter höher sei als im Jahr 2000. Und 2100 werde der Anstieg auch noch nicht beendet sein.

Seine Empfehlung an die Küstenbewohner: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Küstenschutz in Ordnung ist, dass die Deiche erhöht werden können.“ Insbesondere, weil laut verschiedenen Berechnungen der Druck auf die deutsche Nordseeküste sehr viel stärker zunehmen wird, als beispielsweise auf die englische. „Es wird höhere Sturmfluten bis zum Ende des Jahrhunderts geben.“ Das Kind werde also lebhafter in einer stärker gefüllten Badewanne.

Was könne man noch tun? Eine Möglichkeit wäre es, die Deiche so zu bauen, dass Wasser überlaufen könne, ohne dass der Deich aufweicht. Bei einem Versuch in den Niederlanden habe man festgestellt, dass 50 Liter pro Meter und Sekunde möglich wären. Der deutsche Generalplan Küstenschutz lege dagegen zwei Liter pro Meter und Sekunde zugrunde. Eine weitere Möglichkeit wäre eine zweite Deichlinie. Und Häuser könne man so konstruieren, dass sie in der Höhe verstellbar seien. „Wir müssen nachdenken, ob wir noch ganz andere Möglichkeiten haben. Und wir müssen alle darüber diskutieren“, plädierte er für einen demokratischen Ansatz.

Dem Vortrag schloss sich eine einstündige Diskussion an. Dabei ging es auch um die Einhaltung der Zwei-Grad-Grenze bis 2100. Konsens ist, dass die Folgen für die Menschheit unabsehbar sind, sollte die globale Temperatur im Mittel darüber hinaus ansteigen. Storch ist pessimistisch: „Ich glaube nicht, dass wir sie einhalten werden.“ Und auch wenn Deutschland aufhörte, klimaschädliche Gase zu emittieren, wäre die Wirkung auf das Weltklima sehr gering. „Aber wir haben eine Vorbildfunktion. Wenn wir in Deutschland neue technische Methoden entwickeln, so dass eine Verringerung des Ausstoßes wirtschaftlich wäre, das wäre gut. Denn nur wirtschaftliche Argumente ziehen für neue Technologien.“

Informationen unter www.norddeutsches-klimabuero.de.

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