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Orkan wird nicht vergessen : Es heulte, dann war das Dach weg

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Morgen vor einem Jahr tobte der Orkan „Christian“ über Norddeutschland. Auf Nordstrand und im Sönke-Nissen-Koog zerstörte er ganze Häuser. Heute sind dort Neubauten errichtet, denn es war nichts mehr zu retten.

Morgen ist es ein Jahr her, dass Orkan „Christian“ eine Schneise der Verwüstung durch den Norden zog. Reinhard Brauer aus dem Nordstrander Neukoog wird diesen Tag nicht vergessen. „Nur wenige Minuten hat der Spuk gedauert. Ein Aufheulen und Zischen und plötzlich war das Dach weg“, fasst der im Ruhestand lebende Landwirt zusammen. 100 Meter war es durch die Luft geflogen und direkt hinter der Scheune auf dem Dach des Schuppens hinter dem ehemaligen Hofgebäude gelandet. Der Schaden war so groß, dass das Anwesen aus der Mitte der 1880-er Jahre komplett abgerissen werden musste. Das Gebäude gehörte, so Bürgermeister Werner-Peter Paulsen, zu den am schlimmsten betroffenen auf der Halbinsel. „Wir haben großes Glück gehabt. Niemand ist zu Schaden gekommen“, resümiert Ehefrau Jurate Brauer. Ehemann Reinhard, gebürtiger Nordstrander, sagt: „So heftig war es in meinen 40 Berufsjahren noch nie.“ Er erinnere sich, wie er am Unglückstag gegen 13 Uhr das Gewächshaus seiner Frau gesichert habe. Auch die Scheunentore habe er weit aufgemacht, um den Böen den Druck zu nehmen. Kurz danach hätten sie in der Küche gegessen. „Vielleicht hat mir die Pause das Leben gerettet. Auf einmal klirrten die Gläser in den Schränken und die Wände wackelten“, beschreibt Brauer die Situation. Wenige Sekunden später sei das Dach weg gewesen und viele Sachen, wie beispielsweise seine auf dem Boden untergebrachten LP-Sammlungen, seien durch die Luft in den Garten gewirbelt. Nur wenige Minuten habe der Spuk gedauert. Gegen 17 Uhr war fast Ruhe. „Wir blieben sicherheitshalber im Wohnzimmer. Für die Nacht richteten wir uns dort ein“, so Ehefrau Jurate weiter. Doch im Laufe des Abends setzte starker Regen ein. Decken und Wände wurden durchnässt und es tropfte überall. Die Eheleute mussten das Haus verlassen. Ihr Glück, ihr Ferienhaus, wenige Meter weiter auf dem Grundstück, hatte keinen Schaden genommen. Seit einem Jahr leben sie nun dort, bis der Neubau fertig ist.

Großes Lob erteilt Brauer den Handwerkern sowie dem örtlichen Versicherungsvertreter. Anfang des neuen Jahres soll das neue Haus fertrig sein. Er hoffe, ein solches Ereignis nicht wieder erleben zu müssen. „Bei Naturgewalten werden wir Menschen ganz klein. Die können wir nicht beeinflussen“, sagt er. Vermissen werde insbesondere seine Frau Hof und Scheune in ursprünglicher Form.

Auch für Nordstrands Bürgermeister war „Christian“ der schlimmste Orkan. Die Telefone seien heiß gelaufen. Die Blaujacken, Gemeindearbeiter und Freiwillige hätten Höchstleistungen vollbracht.

Nicht minder hart war es Paul-Friedrich Paulsen aus dem Sönke-Nissen-Koog gegangen. Der seit zwei Jahren auf dem ehemaligen Hof seiner Eltern lebende Landwirt, er betreibt Ackerbau und Schweinezucht, stand nach Minuten vor dem Nichts. Sowohl am Gebäude, als auch an der Scheune ließ „Christian“ nichts mehr heil. Das Scheunendach war während des Orkans 500 Meter weiter auf der gegenüber liegenden Straßenseite im Feld gelandet, Scheune und Wohnhaus waren in sich zusammengesackt. Paulsen selbst hielt sich zum Zeitpunkt des Geschehens nebenan auf dem Altenteil seiner Eltern auf. „Es ging alles so schnell. Nur ein lautes Zischen und Heulen war zu hören und da war es schon geschehen“, berichtet er. Noch Minuten vorher habe er den Eindruck gehabt, der Orkan flaue ab. Im Nachhinein könne er sagen, dass er Glück im Unglück gehabt habe. Dank Hilfe von Freunden und Nachbarn konnten die Aufräumarbeiten danach relativ zügig beginnen. Auch Versicherung und Unternehmer hätten schnell gearbeitet. Gerade vor drei Wochen konnte er nun sein neues Wohnhaus beziehen und die Scheune steht auch wieder. Der Landwirt macht keinen Hehl daraus, dass ihn damals viele Schaulustige genervt hätten. Sie schauten sich ohne zu fragen einfach überall um. Aus der ganzen Region seien sie angereist. „Katastrophen-Tourismus“ sei das schon gewesen. Hätte jeder von ihnen nur ein Teil weggeräumt, wäre er viel früher fertig geworden.

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erstellt am 27.Okt.2014 | 19:45 Uhr

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