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Husumer Nachrichten

24. August 2017 | 09:37 Uhr

Übungsturm : Es hat sich ausgespargelt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der als „Belker-Spargel“ verpönte Übungsturm für Windkraftanlagen-Techniker der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein auf dem Gelände des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes in Husum soll zurückgebaut werden.

Die Entscheidung „fiel“, wenn man das denn so sagen kann oder will, in die Amtszeit von Bürgermeisterin Ursula Belker. Und jetzt fällt sie wieder und das nicht nur im übertragenen Wortsinn. Gemeint ist ein städtebaulicher Fremdkörper, der an dieser Stelle wohl nur errichtet werden konnte, weil Husum damals Welthauptstadt des Windes war und die erneuerbaren Energien einen beispiellosen Aufwind erlebten. Doch jetzt ist die Zeit des als „Belker-Spargel“ verschrieenen Übungsturms für Windenergieanlagen-Techniker auf dem Gelände des Theodor-Schäfer-Berufsbildunswerkes gekommen. Die amputierte Anlage, die dort 2005 von der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein (WAK) errichtet worden war, soll zurückgebaut und in Lübeck einer neuen Verwendung zugeführt werden.

Wie dieses „sehr schlanke Gebäude“ (über diesen Rechtsbegriff wird noch zu reden sein) überhaupt auf das TSBW-Gelände gelangen konnte, erklärt der Leiter für Unternehmenskommunikation bei der WAK in Kiel, Sven Donat, mit der damaligen „windbezogenen Aufbruchstimmung im Lande“. Es sei durchaus ein Novum gewesen, so einen Turm mitten im Stadtgebiet zu bauen, räumt der WAK-Presseprecher ein. Doch im Zuge jener „Aufbruchstimmung“ hatte sich das Land entschlossen, Aus- und Fortbildung in der Windbranche zu fördern. Und damals sei Husum eben am Puls der Zeit gewesen. Tatsächlich stand hier damals sogar der Bau eines Offhore-Hafens zur Debatte.

Wie auch immer: Die Wirtschaftsakademie stellte beim Land einen Förderantrag, um den „Standort zum Trainingsort für Windkraftanlagen-Techniker auszubauen“. Genehmigt wurde ein „umfangreiches Förderpaket“, das laut Donat unter anderem Lehrpläne für On- und Offshore-Trainingseinheiten beinhalte.

Darüber hinaus gab es eine Sachmittelförderung, die neben der Einrichtung von Werkstätten, etwa für die Reparatur von Rotorblättern, auch einen Turm für Sicherheitstrainings umfasste. Die Besonderheit des 65 Meter hohen Turms „besteht darin, dass er dank fehlender Flügel baurechtlich als Gebäude ausgewiesen wurde“. Und auch wenn es in den zurückliegenden Jahren von außen kaum noch zu erkennen war, „wurde die Übungsanlage bis zuletzt benutzt“, versichert Donat.

So hätten die Werkstätten der Ausbildung zum Servicetechniker gedient, und am Turm selbst Frauen und Männer aus der Windbranche üben können, wie man sich im Ernstfall von einer brennenden Anlage abseilt. Zu Anfang habe dieses Konzept auch ganz gut funktioniert, doch mit der zunehmenden Zahl von firmeneigenen Anlagen seien viele Unternehmen dazu übergegangen, eigene Ausbildungsstätten zu schaffen, die direkt auf ihre Rahmenbedingungen und Bedürfnisse zugeschnitten seien.

Zudem habe sich der technische Standard rasant verändert. „Das können Sie allein schon daran festmachen, dass die meisten Anlagen heute doppelt so hoch sind wie der Husumer Übungsturm“, sagt Donat. Und auch der Rückgang von Onshore- im Vergleich zu Offshore-Anlagen hat seinen Teil dazu beigetragen, dass der „Spargel“ nicht mehr benötigt wird.

Wegen der Förderung durch das Land „mussten wir aber zunächst mit dem Wirtschaftsministerium sprechen, wann der Turm aus der Zweckbindung genommen werden kann“, fährt Donat fort. Die laufe nämlich noch 28 Monate. Mit dem Transfer zur Seemannsschule Lübeck scheint sich da jetzt jedoch eine Lösung abzuzeichnen. Die Genehmigung zum Rückbau wurde laut WAK erteilt, und ein entsprechender Bauantrag an die Stadt Husum sei bereits rausgegangen, liegt dieser allerdings noch nicht vor. Mit dem Rückbau könne begonnen werden, sobald „wir eine entsprechende Rückmeldung aus dem Rathaus haben“, so Donat.

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erstellt am 28.Jul.2017 | 10:00 Uhr

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