Mediziner pendeln nach Hooge : Es gibt wieder Ärzte auf der Hallig

So idyllisch Hooge auch sein mag – kranke Bewohner müssen einen langen Weg zurücklegen, um auf dem Festland einen Arzt aufzusuchen. Jetzt kommen jeden zweiten Dienstag Ärzte auf die Hallig, um eine Sprechstunde anzubieten.
Foto:
1 von 2
So idyllisch Hooge auch sein mag – kranke Bewohner müssen einen langen Weg zurücklegen, um auf dem Festland einen Arzt aufzusuchen. Jetzt kommen jeden zweiten Dienstag Ärzte auf die Hallig, um eine Sprechstunde anzubieten.

Auf Hooge bieten zwei pensionierte Mediziner jetzt alle zwei Wochen eine Sprechstunde und Hausbesuche an. Eine Erleichterung nicht nur für die 100 Halligbewohner.

shz.de von
28. Juli 2015, 16:00 Uhr

Krank sein ist nicht schön – und auf Hooge ist es auch noch kompliziert. Denn wer zum nächsten Arzt gelangen möchte, muss aufs Festland. Das bedeutet eine Stunde Fährfahrt – mindestens. Um den Halligbewohnern das Leben etwas zu erleichtern, gibt es jetzt ein Pilotprojekt: Seit Anfang diesen Monats fährt Dr. Gerhard Steinort per Schiff auf die Hallig und bietet eine Sprechstunde an. Alle 14-Tage – jeden zweiten Dienstag – öffnet der pensionierte Allgemeinmediziner die Türen einer Praxis im Hallighuus. Dabei wechselt er sich mit seinem Kollegen Dr. Heinz Götzel, der ebenfalls pensioniert ist, ab.

Mobile Mediziner, die von Haus zu Haus fahren, gibt es bereits in Niedersachsen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein geht nun mit den beiden per Schiff anreisenden Ärzten noch einen Schritt weiter. Für Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras ist so ein weiteres Etappenziel im Kapitel Daseinsvorsorge auf den Halligen erreicht. „50 Einsätze fliegt der Rettungshubschrauber pro Jahr: 25 nach Langeneß, 25 nach Hooge“, berichtet der 60-Jährige. Etwas mehr als 100 Einwohner hat die Hallig Hooge. Dauerhaft leben dort über das gesamte Jahr etwa die Hälfte. „Heute sind aber 600 Tagesgäste dort“, gibt Piepgras zu bedenken. Natürlich kann das neue Sprechstunden-Angebot kaum den Rettungshubschrauber-Einsatz ersetzen, doch zumindest zeitweise medizinisches Fachpersonal vor Ort zu haben, ist Steinort zufolge eine große Erleichterung. Vier Patienten untersuchte der gebürtige Hooger, der dort bis zu seinem zweiten Lebensjahr aufwuchs, an seinem ersten Vormittag. Zudem musste der Wahl-Langenhorner gemeinsam mit der Krankenpflegerin Barbara Kirschbaum-Schwalm auch schon zu Hausbesuchen ausrücken.

Immerhin gibt es auf Hooge seit mehreren Jahren einen sogenannten vorgelagerten Rettungsdienst. Zwei Krankenpfleger kümmern sich auf der Hallig um das Nötigste. Im zweiwöchigen Rhythmus besetzen sie jeweils eine 75-Prozent-Stelle. „Eine Idee, die Frank Timrott eingeführt hat“, sagt Piepgras. Der Krankenpfleger sei allerdings kürzlich ausgeschieden. Seine Nachfolge hat nun Thomas Frank angetreten. Der 50-Jährige wohnt normalerweise in Frankfurt. Der Rettungsdienst-Assistent und Krankenpfleger ist verheiratet und hat eine Tochter. Als Hobby-Ornithologe weiß er auch seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Denn in der Winterzeit, wo weniger Touristen auf der Hallig sind, wird der Tag lang. Seine Kollegin Barbara Kirschbaum-Schwalm kommt aus Düsseldorf. Beide fahren nach zwei Wochen Arbeit wieder zurück in die Heimatstädte.

Steinort hingegen muss nicht ganz so weit pendeln. Er kommt aus Langenhorn, um im 14-Tage-Rhythmus die nächste Sprechstunde anzubieten. Zwei Jahre läuft die Vereinbarung, die mit der KV geschlossen wurde. Danach wird neu verhandelt. Steinort und auch Götzel sichert ein pauschaler Sockelbeitrag der KV die Möglichkeit, wenigstens die Spesen abdecken zu können. Zusätzlich rechnen die Mediziner dann mit den jeweiligen Krankenkassen der Patienten ab, die in der Sprechstunde, beim Hausbesuch oder im Notfall versorgt wurden. „Wir versuchen aber immer, einen engen Kontakt zu den Hausärzten zu halten“, betont der 69-jährige Steinort.

Sein Kollege ist zwei Jahre älter. Kurioser Zufall: Sowohl der Allgemeinmediziner Gerhard Steinort als auch Heinz Götzel als Arzt für Innere Medizin hatten in Langenhorn 22 Jahre lang ihre Praxen auf gegenüberliegenden Straßenseiten. Sozusagen eine Gemeinschaftspraxis, die sie nun auf Hooge tatsächlich praktizieren. „Mit zwei sehr kompetenten Pflegern“, lobt Steinort seine Unterstützer und steigt aufs Schiff. Die nächsten Patienten warten schon.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen