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Geschlossenheit in der Stadtvertretung : „Es gibt nur einen Bürgermeister“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Stadtvertreter waren sich einig: Mit seiner Kritik an der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH ist Peter Cohrs zu weit gegangen. Horst Bauer wies die Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück.

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erstellt am 22.Jul.2017 | 08:00 Uhr

„Nach Vorlage“ – das hätte das Motto der letzten Stadtvertretersitzung vor der Sommerpause werden können. Sämtliche Tagesordnungspunkte waren bestens vorbereitet und in den zuständigen Ausschüssen x-fach diskutiert worden. Doch dann kam alles ganz anders. Grund war eine Forderung, die Peter Cohrs in der jüngsten Sitzung des Commerziums gestellt hatte: Der Vereinsvorsitzende wünscht sich im Rathaus einen eigenen Ansprechpartner für die Wirtschaft (wir berichteten). Doch die Art und Weise, wie er dabei vorgegangen war, brachte den ersten Senator Horst Bauer schon ziemlich auf die Palme. In ungewohnt deutlichen Worten echauffierte sich der SPD-Politiker darüber, dass hier einmal mehr die Ergebnisse vertraulicher Gespräche ausposaunt worden seien. Tatsächlich hatten die Fraktionsspitzen am 27. Juni ein Gespräch mit dem Vorstand des Commerziums geführt und genau diese Frage erörtert. Und noch während Cohrs die Forderung öffentlich machte, hatte Bürgermeister Uwe Schmitz nach Abstimmung mit dem Hauptausschuss ein Schreiben an das Commerzium formuliert, in dem der Wirtschaft ein solcher Ansprechpartner im Rathaus zugestanden werden soll.

Umso höher schlugen jetzt die Wellen in der Stadtvertretersitzung. „Wir haben uns daran gewöhnt, dass Herr Cohrs uns regelmäßig die Welt erklärt“, wetterte Bauer, aber das hier sei ein ganz schlechter Stil, „den ich ausdrücklich kritisiere“. Es sei nicht akzeptabel, dass jemand in dieser Weise von der Treppe herab Forderungen stelle. Erwartungen könnten auch begrenzt werden, meinte der SPD-Fraktions-Chef und machte deutlich: „Diese ewige Schulmeisterei geht mir langsam ganz schön auf die Nerven.“

Mit dieser Sicht der Dinge stand Bauer nicht allein. Auch Helmut Stemke von der Wählergemeinschaft Husum (WGH) fand Cohrs’ Auftritt vor dem Commerzium ungehörig, insbesondere dessen Kritik an der Arbeit der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH. Cohrs hatte die Trennung von Stadtmarketing und Tourismusmarketing gefordert und auf eine Studie verwiesen, wonach die Zufriedenheit mit dem derzeitigen touristischen Engagement sowohl in der Verwaltungsspitze als auch in der Wirtschaft nicht sonderlich hoch sei. „Da wird mir leicht übel“, nahm Stemke den Ball auf und versetzte sich in die Mitarbeiter der TSMH hinein: „An deren Stelle wäre ich stocksauer.“ Cohrs’ Kritik an der Einrichtung wies er mit aller Entschiedenheit zurück.

Christian Czock (CDU) stellte sich in einer Sitzungspause ausdrücklich an Bauers Seite. „Dessen deutlichen Worten habe ich nichts hinzuzufügen“, erklärte der CDU-Fraktions-Chef. Und ein anderer Stadtvertreter frotzelte unverhohlen: „Wozu braucht die Wirtschaft im Rathaus einen eigenen Ansprechpartner. Wenn Herr Cohrs etwas will, wird er sich ohnehin direkt an Uwe Schmitz wenden.“

Unter dem Beifall des Stadtverordnetenkollegium setzte Helmut Stemke den Schlusspunkt unter diesen Teil der Sitzung. „Wir haben nur einen Bürgermeister, und der sitzt im Rathaus. Und dessen Vertreter sitzt ebenfalls im Rathaus – und nicht in der Wirtschaft.“

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