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Nach dem Orkan "Christian" : Es gibt noch jede Menge zu tun

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Sturm ist vorüber, doch seine Folgen werden Privatpersonen und öffentliche Hand wohl noch viele Wochen beschäftigen. Vor allem in Schobüll richtete er immense Schäden an. Auch der Hafen bekam einiges ab. Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange.

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erstellt am 31.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Der Sturm ist vorüber, aber bis seine Folgen beseitigt sind und besonders im arg gebeutelten Ortsteil Schobüll wieder Normalität einkehrt, dürften noch einige Tage, wenn nicht Wochen ins Land gehen. Nicht nur am Montag stellte Sturmtief „Christian“ die Einsatzkräfte in Stadt und Landkreis vor enorme Herausforderungen. Auch Tage später sind die Schäden, die er anrichtet hat, noch überall sichtbar.

„An manchen Stellen sind Einsätze schlichtweg unmöglich“, fasste Border Hansen von der Freiwilligen Feuerwehr Husum die Lage bei einem Ortstermin in Schobüll zusammen. Bürgermeister Uwe Schmitz, Ordnungsamtsleiter Günter Zumach sowie Wehrführer Jürgen Jensen und Thomas Leißner, Teamleiter des Kommunalen Servicebetriebs Husum (KSH), machten sich dort gemeinsam ein Bild von den Zerstörungen. Was sie zu sehen bekamen, war schockierend. Tonnenschwere Bäume wurden umgeknickt und übereinander geworfen wie verstreute Mikado-Stäbe. Und die Infrastruktur vollständig wieder herzustellen, dürfte noch eine Weile dauern. Tannen bedecken ganze Ferienhäuser, und wie groß der Schaden am Ende sein wird, ist noch überhaupt nicht absehbar. „Jetzt muss erst einmal abgeklärt werden, in welcher Reihenfolge wir die Schadensbeseitigung angehen“, sagt Hansen achselzuckend.

Sehr schnell wurde allerdings klar, dass einigen von „Christians“ Hinterlassenschaften mit dem vorhandenen Gerät gar nicht beizukommen ist. „Da haben wir bereits Kontakt zu Spezialfirmen aufgenommen.“ Aber Husum steht mit seinen Problemen natürlich nicht allein da. Auch in den Nachbarkreisen hat der Orkan gewütet.

Derzeit sind Feuerwehr und KSH damit beschäftigt, die Straßen und Zufahrtswege zu den Einsatzstellen passierbar zu machen. Dafür wird auch die Mithilfe der Gartenbaubetriebe benötigt. Deren Auftragsbücher sind übervoll. „Wir nehmen nur noch ganz dringende Fälle an“, erklärt Margret Elsholz vom Gartenbaubetrieb Elsholz. Das gilt auch für KW Klinge: „Wir sind durch den Sturm völlig überfahren worden“, berichtet Sarah Klinge-Santelmann auf Anfrage, „und vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl im Einsatz“ – soweit sich die überhaupt blicken lässt.

Auch im Husumer Hafen hat das Sturmtief am Montag mächtig Randale gemacht. Blechverkleidungen flogen wie riesige Frisbee-Scheiben durch die Luft. Lebensgefährlich für jeden, der sich während des Sturms nach draußen gewagt hätte. Aber auch Dächer und Hallentore hielten dem Druck des Sturms nicht stand und segelten unter anderem in zahlreiche Autos. In der Husumer Dock- und Reparatur GmbH und Co. KG (HDR) stürzten gleich mehrere acht Meter hohe Gerüste um und fanden sich auf dem Boden des Trockendocks wieder.

„Gott sei dank hat keiner der Kräne Schaden genommen“, sagte Kapitän Michael Hinz von ATR Landhandel, „denn die brauchten wir dringend, um sie wieder herauszuholen.“ Oder um zu bergen, was von Dächern und Wänden direkt in den Hafen geschleudert wurde – darunter die fünf Tonnen schwere Abdeckung eines Trichters für Massengut, die sich aus der Verankerung gerissen, den Sicherheitszaun durchschlagen hatte und dann im aufgewühlten Wasser des Hafenbeckens versunken war. Hinz, der nicht nur Kapitän, sondern auch ausgebildeter Taucher ist, ließ sich anderntags mit einem Schlauchboot dorthin fahren, wo sie zuletzt gesehen worden war. Unter Wasser tastete er sich dann in fast vollständiger Dunkelheit zu der Abdeckung vor und nahm sie an den Haken eines Kranes, der sie wieder an Land beförderte. „Das war der reinste Blindflug“, sagt Hinz, der erst in dreieinhalb Metern Tiefe den Grund erreichte, „obgleich Ebbe war.“ Eine Folge des stetigen Westwinds, der auch am Tag nach dem Sturm noch reichlich Wasser in den Hafen drückte.

Mit ungehemmter Wucht wütete Christian auch auf dem Gelände von Repower, wo er tonnenschwere Komponenten von Windkraftanlagen zusammenschob wie leere Streichholzschachteln. Noch gestern waren Mitarbeiter damit beschäftigt, alles wieder an seinen Platz zu rücken. Ans Verladen war am Tag nach dem Sturm daher auch gar nicht zu denken.

„Solche schweren Sturmschäden hatten wir noch nie“, fasst Michael Hinz die Situation zusammen. Der Schaden dürfte zusammen mehrere 100 000 Euro betragen, und es wird gewiss noch einige Tage dauern, bis auf Rödemishallig wieder alles an seinem Platz ist.

Dafür soll der Busverkehr in der Innenstadt ab heute wieder normal laufen. Das kündigte Ordnungsamtsleiter Zumach an. „Die Haupthaltestelle ist wieder in der Großstraße, und auch die Langenharmstraße wird wieder befahren“, teilte er gestern mit. Weiterhin gesperrt bleiben allerdings der Schlosspark sowie der Au- und der Lämmerfennenweg: „Die Schäden dort werden wir erst im Verlauf der nächsten Tage abarbeiten können“, so Zumach.

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