Lob für neues Denkmalschutzgesetz : „Es gibt immer einen Kompromiss“

Nordfrieslands Kreisstadt hat noch einiges an historischer Bausubstanz zu bieten: wie in der Straße  „Westerende“.
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Nordfrieslands Kreisstadt hat noch einiges an historischer Bausubstanz zu bieten: wie in der Straße „Westerende“.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland sieht das kulturelle Erbe der Region durch das neue Denkmalschutzgesetz in Zukunft besser bewahrt und beruhigt Hauseigentümer.

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30. Januar 2015, 15:00 Uhr

Hans-Georg Hostrup ist zufrieden. Schleswig-Holsteins neues Denkmalschutzgesetz, das heute in Kraft tritt, stärkt das kulturelle Erbe, denn die „rein wirtschaftliche Ausrichtung ist raus“, lobt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Baupflege (IGB) Nordfriesland & Dithmarschen. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert er seine Argumente – und versucht Hauseigentümern, die in Denkmälern leben, die Sorge zu nehmen, dass sie bei baulichen Veränderungswünschen Probleme und Nachteile in Kauf nehmen müssen.

So verweist der IGB-Chef auf kostenfreie Beratungen durch die Untere Denkmalbehörde beim Kreis – zwei Fachkräfte teilen sich die Betreuung des nördlichen und südlichen Nordfriesland. Hostrup: „Denkmalschutz ist Interessenausgleich – es gibt immer einen Kompromiss.“ Er hofft, dass Hausbewohner nach einem solchen Gespräch eine ganz andere Sicht auf ihr Zuhause bekommen. Auch in Bezug auf geplante Umnutzungen ist er optimistisch, dass es in jedem Fall eine Lösung geben wird: Wichtig sei nur, dass das besondere Erscheinungsbild eines denkmalgeschützten Hauses erkennbar bleibe. Und: „Was oft vergessen wird: Es sind steuerliche Abschreibungen möglich.“ Werde ein Haus unter Schutz gestellt, bedeute dies nicht, dass „etwas gemacht“ werden müsse. Dass Behörden und Hauseigentümer gut zusammenarbeiten, sei oberstes Ziel – daran müsse sich das Gesetz messen lassen.

Zum ersten Mal ist im schleswig-holsteinischen Denkmalschutz der Begriff der „Kulturlandschaften“ zu finden. Über diesen ist Hans-Georg Hostrup äußerst erfreut. Denn nun besteht die Möglichkeit, sogar Häuserensembles – zum Beispiel zwei Haubarge – als „zusammenhängende Landschaft“ zu definieren und unter Schutz zu stellen. Dies gelte auch für Friedrichstadt, dessen historische Innenstadt dann als Kulturlandschaft geschützt ist – denn: „Stadtdenkmale gibt es nicht“, klärt Hostrup auf. Seine Enttäuschung verbirgt der IGB-Vorsitzende mit Blick auf Nordfrieslands Kreisstadt nicht: „So viel ist verschwunden – einfach abreißen ist einfacher, da muss man nicht so viel nachdenken.“ Er warnt vor einem solchen nachlässigen Umgang mit historischer Bausubstanz mit Blick auf Nordfrieslands wichtigste Einnahmequelle: den Tourismus. „Schauen wir uns etwa im Urlaub Neubaugebiete an?“ Der Gast, der vierzehn Tage bleibe, erwarte eine „einigermaßen intakte Landschaft“, wozu auch schöne alte Häuser gehörten. „Auf touristischen Hochglanzbroschüren werben wir doch damit.“

Hostrup begrüßt, dass es nicht mehr zwei Kategorien (besondere und einfache) für Denkmäler gibt, sondern nur eine „Denkmalklasse“; damit ist Schleswig-Holstein dem Vorbild von 13 anderen Bundesländern, darunter Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gefolgt. „Wir haben in unserem Land mit rund 16  000 eine große Zahl von einfachen Kulturdenkmälern. Mit rund 1000 ist Nordfriesland der Kreis mit den meisten. Das Problem ist, dass seit mehr als 30 Jahren die Listen nicht aktualisiert worden sind. Es kann sein, dass viele Denkmäler gar nicht mehr existieren oder umgebaut worden sind“, erklärt Hostrup. Die Inventarisierung laufe zurzeit. Für Husum sei sie abgeschlossen. Hauseigentümer, die in einem Denkmal leben, werden schriftlich benachrichtigt.

Endlich ist die Zeit der „unklaren Rechtsbegriffe“ zum Umgebungsschutz vorbei, merkt der IGB-Chef weiter an. Genehmigungspflichtig sind jetzt laut Gesetz Anlagen in der unmittelbaren Umgebung und innerhalb „wesentlicher Sichtachsen“ eines Kulturdenkmales.

Für Mitbestimmung von unten ist ebenfalls gesorgt, findet Hans-Georg Hostrup. So hat die IG Baupflege zusammen mit der IG Bauernhaus einen Sitz im Denkmalbeirat Schleswig-Holstein – einem Gremium mit unabhängigen Fachleuten. „Auf freiwilliger Basis dürfen Kommunen ebenfalls Denkmalbeiräte einrichten“, ergänzt er.

Die 1980 gegründete IG Baupflege hat ihren Sitz mit Büro und Archiv im NF-Institut in Bredstedt.

Was ist ein Denkmal?

Ganz allgemein ist ein Denkmal ein Objekt, das über die Vergangenheit des Menschen Zeugnis ablegt. Es kann ein Gebäude, ein Grabhügel, ein Landschaftpark, ein Faustkeil, ein Kran oder ein Gemälde sein.

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