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Kreisbauernverband Husum-Eiderstedt : Es geht um die Zukunft der Höfe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt wurde Klartext gesprochen: Die Landwirte und ihre Gäste aus Politik und Wirtschaft diskutierten über schwerwiegende Probleme.

Wenn Landwirte die Chance bekommen, mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu sprechen, dann bleibt es nicht beim Smallltalk – dann fallen klare Worte. So auch beim traditionellen Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes (KBV) Husum-Eiderstedt im Hotel Osterkrug, der erste unter der Federführung des neuen Vorsitzenden Melf Melfsen.

Sorgte im vergangenen Jahr die relativ problemlose Ernte noch für zufriedene Gesichter bei den Teilnehmern, so ging es diesmal in den zahlreichen Ansprachen der Gäste um tiefgreifende Probleme der Landwirtschaft, um das beschädigte Image der Bauern und um die Zukunft ihrer Höfe. Zur Sprache kamen aber auch jene Sorgen, die alle Nordfriesen umtreiben, wie etwa die Flüchtlingswelle, die Folgen klammer öffentlicher Kassen, der Ruf nach dem Erhalt der Kliniken und die Gefahren der EEG-Novelle für die hiesigen Bürgerwindparks.

„Wir haben uns stets gegenseitig gesagt, wo der Schuh drückt“, läutete der stellvertretende KBV-Vorsitzende Thomas Kühl die mehrstündige Gesprächsrunde ein. Dass die Landwirtschaft, und hier insbesondere die Veredelung von Milch und Schweinefleisch, in einer schweren Krise stecke, sei bekannt. Mit einem „Faktencheck“ fasste er die Tatsachen zusammen: „Die Rohstoffpreise an den Weltmärkten sind abgestürzt. Die dadurch sinkende Kaufkraft drückt die Nachfrage nach den hochwertigen Nahrungsmitteln, die wir erzeugen. Für einzelne Meiereien ist das Russland-Embargo gravierend. Bedingt durch die Weltmarktlage herrscht auf dem EU- und Inlandsmarkt Preis- und Mengendruck.“ Dennoch sei er zuversichtlich: „Wir schaffen das“, so Kühl. „Aber wir können es nicht allein schaffen“, wandte sich der Landwirt an die Vertreter der anderen Branchen. „Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir die marktwirtschaftlichen Gegebenheiten als Unternehmer in erster Linie selbst schultern müssen. Trotzdem brauchen wir Sie als verlässliche Partner im vor- und nachgelagerten Bereich. Auch Sie spüren doch sicher schon Auswirkungen der Agrarkrise, sehen Umsatzrückgänge und offene Rechnungen.“ Insbesondere die Hausbanken müssten in dieser schwierigen Zeit zur Landwirtschaft stehen, bat Kühl.

Diesen Faden griff Eckhard Rave von der Husumer Volksbank auf, der in seiner Ansprache diverse Parallelen zwischen Landwirtschaft und Bankenwesen fand: Beide stünden derzeit im Fokus der Öffentlichkeit und würden keine angemessene Bepreisung ihrer Produkte erfahren. Rave verglich die Milchpreise mit der Niedrigzinspolitik, die strengen Vorgaben in der Agrarwirtschaft mit der Bankenaufsicht und nannte mit den landwirtschaftlichen Formalitäten und dem Meldewesen der Banken weitere „externe Veränderungstreiber“, die für beide Branchen zusammen mit einem veränderten Kundenverhalten eine enorme Herausforderung darstellten. „Wenn die Erträge wegbrechen und die Kosten steigen, müssen neue Geschäftsmodelle her“, sagte er. Das sei auf den Höfen oft nicht einfach, jedoch: „Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir stehen zu Euch. Gemeinsam werden wir Lösungen finden“, zeigte Rave optimistisch gestimmt Gesprächsbereitschaft.

„Wir wissen, was wir an Euch haben“, fasste auch Kreispräsident Heinz Maurus seine Wertschätzung für die Landwirtschaft als nicht wegzudenkenden Wirtschaftsfaktor in Worte, bevor er zu den allgemeinen Themen überging. „Wir haben das bisher gut geschafft“, sagte der CDU-Politiker zur Flüchtlingspolitik und lobte die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in diesem Bereich. Zur Frage nach dem Erhalt der Kliniken in Nordfriesland sicherte er für die Region eine „gute, nachhaltige Klinik-Versorgung“ zu, allerdings sei 2002 die Chance auf eine Neuformierung der Krankenhäuser verpasst beziehungsweise durch einen Bürgerentscheid gekippt worden. „Wenn wir da jetzt nicht rangehen, können wir bald schwarze statt rote Kreuze aufstellen“, sagte er mit Blick auf die vielen roten X-Symbole mit der Aufschrift „S.O.S – Klinik in Not“, die derzeit eine Bürgerinitiative an den Straßen aufstellt. „Niebüll muss bleiben“, so lautet eine ihrer Forderungen. Mit den Worten „Niebüll wird bleiben“ schloss Maurus seine Rede.

Zu diesen und anderen Themen nahm auch Husums Bürgervorsteher Peter Empen Stellung, ebenso Magret Albrecht als Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Nordfriesland, der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen, der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Jensen, Peter Schröder vom Kreisvorstand der Grünen und einige weitere Gäste. Humorvoll zeigte sich am Ende Uli Kropp, Leiter der polizeilichen Verkehrsüberwachung, der zugeben musste, die Maisernte im vergangenen Jahr „verpasst“ zu haben – sie fand zwei Wochen früher statt als geplant. Er verkündete daher eine „neue Strategie“ der Polizei: „Wi hebb Se dat ganze Johr up de Luer!“ versprach er augenzwinkernd.

Gute Nachrichten gab es von Melf Melfsen, der verkündete, dass sich sein Vorgänger Hans Friedrichsen weiter für das Tierwohl einsetzen wolle, in dem er dem Kieler Landestierschutzbeauftragten Professor Edgar Schallenberger als Ombudsmann für die Region zur Verfügung stehe. Außerdem wusste der Kreisvorsitzende des KBV Südtondern zu berichten, dass künftig jedes Grundschulkind die Chance haben wird, einen Bauernhof kennenzulernen. Die Höfe sollen als außerschulische Lernorte ein Stück weiter im Bildungssystem verankert werden, diesbezüglich biete die Landwirtschaftskammer auch entsprechende Fortbildungen an, so Wolfgang Stapelfeldt.

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