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Hundetrainer im Interview : Es geht um das andere Ende der Leine

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Hans-Christian Lorenzen ist ein erfahrener Hundetrainer – und betont, dass er nicht die Vier-, sondern die Zweibeiner ausbildet.

Hans-Christian Lorenzen kann es: denken wie ein Hund. Nach Jahrzehnten kann ihm beim Thema Hund keiner mehr etwas vormachen. Der 70-Jährige ist Ehrenvorsitzender des Schäferhundevereins, nachdem er mehr als 20 Jahre Vereinschef war. Lorenzen ist mit Schäferhunden – „sie sind am hübschesten“ – aufgewachsen: „Es gibt ein Foto von mir, als ich etwa drei Jahre alt war, auf dem ich in beiden Armen Schäferhundwelpen halte. Meinen ersten eigenen Hund hatte ich mit 16 Jahren.“ Sein Einsatz auf dem Hundeplatz ist immer noch hoch geschätzt. Für den Husumer sind diese Termine wichtig, denn so hat er regelmäßig Begegnungen mit den geliebten Hunden. Aus Altersgründen hat sich Lorenzen nach dem Tod seiner Iska gegen ein neues Tier entscheiden müssen. Im Gespräch gibt er Tipps aus seinem reichen Erfahrungsschatz.

Machen sich viele die Entscheidung für einen Hund zu einfach?

Viele wissen gar nicht, was es bedeutet, mit einem Hund zu leben und damit eine Verpflichtung von mehr als zehn Jahren einzugehen, und sie unterschätzen das Thema Erziehung: Die ist wichtig, damit wir unseren Hund sicher durch eine Welt begleiten, deren Gefahren ja nur wir einschätzen können. Wir müssen lernen, als Führungspersönlichkeit aufzutreten – womit ich Konsequenz meine, nicht Gewalt. Konsequent zu sein heißt auch, eine Übung muss mindestens 30 bis 40 Mal wiederholt werden. Schlimm ist es, wenn jemand Angst vor einem Einwirken auf den eigenen Hund entwickelt oder Angst vor Begegnungen mit anderen Hunden hat. Diese Unsicherheit überträgt sich auf das Tier, das dann zeigen könnte, wie stark es ist und die Rolle des Beschützers übernimmt, die ihm nicht zusteht oder ebenfalls unsicher macht. Für mich sorgt der Zweibeiner, also das andere Ende der Leine, für die Probleme – auch, wenn es zu Beißvorfällen kommt. Jeder Fall muss natürlich einzeln betrachtet werden. Grundsätzlich ist der Hund ein Fluchttier. Fühlt er sich in die Enge getrieben, also ohne Ausweichmöglichkeit, dann kann es gefährlich werden, wobei es oft eher ein Schnappen ist, mit dem Hunde reagieren.

Auch in der Hundewelt scheint es heute „Hubschrauber-Eltern“ zu geben?

Man sollte nie versuchen, einen Hund zu überfordern. Wichtig ist immer eine lockere Leinenhaltung. Nur ein Hund, der Fehler machen kann, ist korrigierbar. Im Welpenalter geht es darum, ihn an möglichst viele Umweltsituationen heranzuführen sowie eine enge und gute Beziehung zu ihm aufzubauen. Frauchen und Herrchen sollten lernen, glaubhaft, verständlich und berechenbar für ihren Hund zu werden. Das bedeutet auch, die Stimme varieren zu können, damit der Hund „gut“ und „böse“ unterscheidet.

Auf manchen Hundeplätzen herrscht beinahe ein Kasernenton. Brauchen Hunde eine solche Ansprache?

Sie brauchen kurze Kommandos wie „Sitz“ und „Hier“, bloß keine Vorträge. Aber Arbeit, Spiel und Pausen sollten sich abwechseln, damit die Hunde motiviert bleiben. Eine volle Ausbildung auf dem Hundeplatz sollte frühestens ab einem dreiviertel Jahr beginnen. Mit einem Welpen kann ich aber schon im freien Gelände spielerisch üben, dass er zurückkommt. Ich mache es so, dass ich mich verstecke und der Hund mich suchen muss – beim dritten oder vierten Mal hat er oft schon begriffen, dass es besser ist, mich nicht aus den Augen zu lassen. Möchte ich dem Welpen spielerisch etwas beibringen – etwa „Sitz“ – so halte ich ein Leckerli oder Spielzeug über seinen Kopf, bis er sich hinsetzt. Dann sage ich mehrfach „Sitz“, lobe ihn und gebe ihm das Dargebotene. Macht er etwas richtig, immer loben!

Mimik und Körpersprache sollte ein Hundebesitzer lesen können .  .  .

Ja! Hunde haben eine ausgefeilte Art, miteinander zu kommunizieren, angefangen bei der Haltung der Rute, der Ohren und der Lefzen. Gähnen und über die eigene Schnauze lecken gehören zu den Beschwichtigungs-Signalen. Jeder sollte seinen Vierbeiner genau kennen und sich bei Begegnungen mit anderen Hunden nur um sein Tier kümmern.

Was sind drei klassische Fehler von Hundemenschen?

Wenn mein Hund sich – ob bei Mensch oder Tier – daneben benimmt, wäre es verkehrt, ihn zu streicheln und „Ist ja gut“ zu sagen. Beim Hund kommt so nur an, dass sein Verhalten richtig ist. Besser ist es, ihn mit einem „Pfui“ oder „Nein“ zurechtzuweisen. Er kann uns richtig einschätzen. Eine zweite Sache funktioniert auch nicht: Im Welpenalter etwas erlauben, was ich dem erwachsenen Hund nicht gestatten will: beispielsweise mit auf dem Sofa zu liegen. Also besser den Kleinen nicht auf das Möbelstück lassen. Drittens: Nicht immer an strammer Leine gehen – sie sollte durchhängen und nur, wenn es erforderlich ist, kann ein kurzer Ruck erfolgen. Bei einem Herumgezerre ist der Lernerfolg gleich Null.

Und was wäre ein Fehler, der einen schlechten Hundetrainer entlarvt?

Wenn ein Ausbilder versucht, den Hund zu erziehen, anstatt dem Hundehalter beizubringen, wie er sich seinem Hund gegenüber verhalten soll.

Was raten Sie Menschen ohne Hundeerfahrung?

Sie sollten immer zuerst den Besitzer fragen, ob sie seinen Hund anfassen dürfen. Der Vierbeiner sollte außerdem zuerst Gelegenheit haben, an dem Menschen zu riechen. Das Beste ist sowieso, wenn der Hund von sich aus Kontakt aufnimmt. Am Brustkorb und unter der Schnauze gestreichelt zu werden, empfindet der Hund im Gegensatz zum Berühren des Kopfes weniger als Bedrohung.



Beim Schäferhundeverein wird auch eine Gebrauchshundeausbildung angeboten. Näheres ist unter Telefon 04841/81304 oder 0170/1442941 an den Übungstagen zu erfahren – diese finden mittwochs von 17 Uhr an, sonnabends von 14 Uhr an, und sonntags von 10 Uhr an statt. Näheres steht auf der Internetseite www.og-husum.net.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 14:30 Uhr

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