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Klinikum Nordfriesland : „Es darf keine Denkverbote geben“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die SPD Nordfriesland hat sich bei ihrem Parteitag in Bredstedt positioniert für die anstehende Kreistags-Entscheidung zur Zukunft des defizitären Klinikums NF. Die Standort-Diskussion wurde weitgehend ausgeklammert.

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erstellt am 21.Mär.2016 | 12:00 Uhr

Die Richtung ist vorgegeben, aber die Leitplanken sind großzügig gesetzt: Bei seinem außerordentlichen Kreisparteitag im „Bredstedter Sool“ positionierte sich der SPD-Kreisverband zwar in der Frage, wie das defizitäre Klinikum Nordfriesland gerettet werden könnte. Der vom Kreisvorstand vorgelegte und von 66 Delegierten bei nur einer Enthaltung verabschiedete Leitantrag umschifft jedoch konkrete Aussagen zum künftigen Schicksal der vier Klinik-Standorte in Tönning, Husum, Niebüll und Wyk. Auf diese Weise soll der SPD-Fraktion im Vorfeld der Kreistags-Entscheidung am Mittwoch (23. März) Spielraum gelassen werden, um politisch Einfluss zu nehmen.

Die Fraktion wurde aufgefordert, alles in ihren Möglichkeiten liegende zu unternehmen, um flächendeckend im Kreis Nordfriesland eine stationäre Krankenhausversorgung einschließlich der Notfallversorgung sicherzustellen – soweit sie denn „bedarfsnotwendig“ ist. Mit dieser Formulierung schließen die Sozialdemokraten im Umkehrschluss eine Schließung von Standorten oder den Abbau von Leistungen nicht per se aus.

Generell heißt hingegen die Devise: „Die medizinische Daseinsvorsorge in Nordfriesland muss gewährleistet bleiben.“ Daher werden von den Kassen Sicherstellungszuschläge, vom Land ausreichende Investitionsförderung, vom Bund eine Vereinheitlichung der Basisfallwerte und von der Kassenärztlichen Vereinigung eine bessere ambulante Versorgung gefordert. Entsprechendes gilt für den vom Kreis betriebenen Rettungsdienst.

Um die „bestmögliche Patientenversorgung“ zu erreichen schließt die SPD eine Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Kliniken in Heide und Flensburg oder mit der Kooperation kommunaler Kliniken in Schleswig-Holstein, dem „6-K-Verbund“, nicht aus. Sie erteilt jedoch einer Privatisierung eine klare Absage.

Der im BDO-Gutachten skizzierte zentrale Klinik-Neubau für ganz Nordfriesland wird nur indirekt thematisiert. „Mit Blick auf die mittel- und langfristigen Perspektiven von fünf bis 15 Jahren sind alle sich zusätzlich ergebenden Möglichkeiten sorgfältig und ergebnisoffen auf ihre Machbarkeit zu prüfen“, heißt es dazu. Aber: „Es darf keine Denkverbote geben“, erklärte der stellvertretende SPD-Kreis- und Fraktionsvorsitzende Carsten F. Sörensen.

Dass nach wie vor enormer Handlungsdruck besteht, hatte eingangs SPD-Fraktions-Chef Thomas Nissen vor Augen geführt: Bis zum Jahr 2015 seien im Klinikum Verluste in Höhe von 14 Millionen Euro aufgelaufen. Die drohende Insovenz habe der Kreis nur durch eine Kapitalaufstockung von 4,5 Millionen, eine Bürgerschaft über acht Millionen und einen 10,5 Millionen-Euro-Kredit der Hausbank abwenden können, der aber an ein tragfähiges Zukunftskonzept geknüpft ist. Wird das Klinikum nicht neu aufgestellt, so Nissen, „droht Ende 2017 erneut die Illiquidität“. Da der Kreis selbst rote Zahlen schreibt und erhöhte Kassen-Zuweisungen fraglich sind, müsse jetzt selbst gehandelt werden, so seine Botschaft.

„Die Schließung der Klinik in Tönning wird das Bauernopfer sein, um einzelnen Leuten den Kopf zu retten“, befürchtet der Tönninger Stefan Runge. Wie die Eiderstedter Peter Hansen, Jörn Tiedemann und Werner Bruhn vermisste er ein deutliches Votum für den Erhalt des Standortes, während andere Redner auch eine Wiederbelebung der Geburts-Station in Wyk forderten. Im Beschluss ist lediglich die Rede davon, mit allen Beteiligten und Betroffenen weiter an einer Lösung für die Geburtshilfe auf den Inseln und Halligen arbeiten zu wollen.

„Tönning ist der Casus Knaxus“, räumte der SPD-Kreisvorsitzende Matthias Ilgen (MdB) ein. Alle schweren Fälle würden bereits heute nach Husum oder Heide gebracht. „Das gehört zur Ehrlichkeit in der Debatte dazu“, so Ilgen.

In welche Richtung die SPD-Überlegungen gehen, machte Nico Hamkens deutlich: Der dauerhafte Weiterbetrieb des Medizinischen Versorgungszentrums in Tönning müsse vor einer Schließung der stationären Versorgung auf jeden Fall sichergestellt werden. Und: Angestrebt werden Notfallambulanzen in Tönning und St. Peter-Ording – 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche besetzt.

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