Bredstedt : „Es darf kein Tabu-Thema bleiben“

50 Gäste besuchten die Vernissage zu „Max ist Marie“ im Amt – und waren beeindruckt.
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50 Gäste besuchten die Vernissage zu „Max ist Marie“ im Amt – und waren beeindruckt.

Die Hamburger Fotografin Kathrin Stahl präsentiert bis zum 28. Februar im Amt Bilder und Geschichten zur Geschlechter-Identität.

shz.de von
15. Februar 2018, 15:00 Uhr

Die neue Ausstellung mit dem Titel „Max ist Marie – Bilder und Geschichten transidenter Menschen“ ist schon einige Tage im Amt Mittleres Nordfriesland zu sehen. Doch zu der bewegenden Bilderschau war es angemessen, sie noch einmal offiziell zu eröffnen. Das fand auch Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen. Es die erste Vernissage seit Gründung des Amtes vor zehn Jahren. „Max ist Marie“ ist zudem die erste Ausstellung in Bredstedt, die auch in ganz Schleswig-Holstein gezeigt werden wird. Großes Lob zollte Paulsen der Gleichstellungsbeauftragten Christine Friedrichsen, dass es ihr gelungen war, sie nach Bredstedt zu holen.

Gezeigt werden Schwarz-Weiß-Fotos der international anerkannten Hamburger Fotografin Kathrin Stahl. Sie setzte nicht nur verschiedene transidente Frauen und Männer in Szene, sondern ließ sie auch persönlich durch prägnante in Druckform festgehaltene Aussagen zu Wort kommen, insbesondere darüber, wie sie ihr Leben vor und nach dem operativen Eingriff erlebten.

Unterstützt wird die Ausstellung durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes, und sie findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Initiative „Westküste denkt Queer“ statt.

„Viele meinen, das Thema ist weit weg“, erklärte der Amtsvorsteher in seinen Grußworten. „Ich habe es in meiner eigenen Familie erlebt und in Nachbardörfern. Ich weiß, dass diese Menschen unter großem psychischen Druck stehen, den wir nicht ermessen können. Oft werden sie gemieden, schief angesehen und nicht akzeptiert. Deshalb finde ich die Ausstellung wichtig.“ Er hoffe durch sie auf mehr Verständnis und mehr Achtung „vor den etwas anderen Mitbürgern“.

Andreas Witolla als Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes Landesverband Schleswig-Holstein dankte auch im Namen der nicht anwesenden Künstlerin dafür, dass das Amt sich darauf eingelassen habe, die Ausstellung für einige Tage zu beherbergen. „Das Thema darf kein Tabu-Thema bleiben. Überhaupt sollte jeder Mensch so genommen werden, wie er ist und nicht nur toleriert, sondern akzeptiert werden“, so Witolla. Offensichtlich sei das in Nordfriesland eher unproblematisch, denn in manchen Regionen begegne man anders gearteten Menschen mit Hass und sogar Gewalt. Er freue sich in diesem Zusammenhang, dass der Kreis Nordfriesland dem Bündnis für Akzeptanz und Respekt in Schleswig-Holstein beigetreten sei (wir berichteten), das ein Zeichen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt setzt.

Für den würdigen musikalischen Rahmen sorgten übrigens Marie und Anna-Lena Carstensen. Durchweg beeindruckt zeigten sich die 50 erschienenen Gäste im Rahmen der anschließenden Betrachtung der Bilder und Erläuterung durch den Verbandsvertreter. Die Fotografin, so informierte er, habe selbst den Prozess direkt miterlebt, als aus ihrem Sohn Max Tochter Marie geworden sei. Daher seien die Fotos auch so authentisch, denn sie habe ihr Kind von Anfang bis zum Ende mit der Kamera begleitet. Daraus sei dann die Idee entstanden, auch andere Menschen in ähnlicher Situation zu interviewen und ihren Weg in Fotos zu zeigen. Zehn Personen hätten sich dazu bereit erklärt. Sie alle sind in der Ausstellung mit je drei Bildern und jeweils einem markanten Satz vertreten.

Alles in allem zeugten die Fotos von Mut und Stärke der Betroffenen. Bewusst seien, so habe das die Künstlerin selbst erläutert, die Fotos in Schwarz-Weiß gehalten. Sie spiegelten 1 : 1 das Schwarz-Weiß-Denken der Menschen wider, wenn es um das Anders-Sein gehe. Während die Bilder die Normalität beleuchten, sind die Texte auf die individuelle Geschichte hinter jedem Porträt abgestimmt, erzählen aber auch vom jetzigen kleinen Glück im Alltag und von Menschen, die für sie da sind.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 28. Februar im Amtsgebäude, Theodor-Storm-Straße 2 in Bredstedt, jeweils während der Öffnungszeiten von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 12 Uhr sowie zusätzlich Dienstag 13.30 bis 15.30 Uhr und Donnerstag 14 bis 18 Uhr. Info: www.maxistmarie.kathrinstahl.com oder www.amnf.de.

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