Aus den Gemeinden : Erzieherin aus Leidenschaft

Dorothea Wiechert  fühlt sich am wohlsten, wenn sie Kinder um sich hat.
Dorothea Wiechert fühlt sich am wohlsten, wenn sie Kinder um sich hat.

Die Viöler Kita-Leiterin Dorothea Wiechert wird in den Ruhestand verabschiedet – und wirft einen Blick zurück auf mehr als dreißig ereignisreiche Jahre.

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17. April 2018, 12:00 Uhr

In Viöl ist sie bekannt wie ein bunter Hund. Kein Wunder: Wenn Dorothea Wiechert am Sonntag (22.), 10 Uhr, im Rahmen eines öffentlichen Gottesdienstes in der Kirche feierlich verabschiedet wird, dann blickt die engagierte Erzieherin auf fast 32 Jahre zurück. Jahre, in denen sie als Leiterin der Viöler Kindertagesstätte bis zu drei Generationen groß werden sehen konnte. „Erzieherin ist mehr denn je ein toller Beruf“, ist sie überzeugt.

Als sie 1986 die Leitung des Kindergartens übernahm, bestand dieser noch aus zwei Gruppen mit bis zu 50 Kindern. Zusätzlich wurde ihr die Leitung der Einrichtungen in Haselund und Behrendorf übertragen. Doch mit den Jahren begann der Bedarf an Kita-Plätzen immer weiter zu wachsen. Mit der Einrichtung von Krippengruppen wurden die Kinder immer jünger und blieben zudem auch deutlich länger, weil heute oft genug beide Eltern berufstätig sind. All das stellte das Team vor völlig neue Herausforderungen.

Nach zwei Anbauten hat sich die Kinderzahl bis heute verdreifacht. Aktuell werden in Viöl von dem Team aus 21 pädagogischen und acht anderweitigen Mitarbeitern bald neun Gruppen betreut. 136 Kinder – Tendenz steigend. Auch deshalb plant die Gemeinde nun einen Neubau. Bevor die Trägerschaft vor einigen Jahren an das Kita-Werk Nordfriesland überging, waren die Viöler Pastoren für Dorothea Wiechert die wichtigsten Ansprechpartner. „Die Nähe zur Kirchengemeinde ist geblieben, nur fachlich hat sich durch die Zusammenarbeit mit dem Kita-Werk einiges verändert. Vieles auch zum Positiven“ sagt sie mit Blick auf das anspruchsvolle Qualitätsmanagement und den neuen pädagogischen Ansatz, der aktuell die Erziehungsarbeit bestimmt. „Kinder von heute wachsen in erster Linie an ihrem eigenen Tun. Sie lernen zu 80 Prozent durch sich selbst und andere Kinder und nur zu 20 Prozent von uns Erwachsenen.“ Diese Erkenntnis sei anfangs etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, gesteht die Kita-Leiterin. Längst aber ist das gesamte Team davon überzeugt, dass der neue Weg der richtige ist, „weil die Kinder nicht mehr nur dort abgeholt werden, wo sie gerade sind, sondern sich in ihrem Tempo weiterentwickeln dürfen“.

„Natürlich ist die Arbeit insgesamt auch schwieriger und aufwendiger geworden“, räumt Dorothea Wiechert ein, die eine Vielzahl gesetzlicher Vorgaben zu berücksichtigen hatte und umfangreiche Statistiken führen musste. Auch die Dokumentation der Kita-Mitarbeiter und für jedes einzelnen Kindes hat sie in den letzten Jahren viel Zeit gekostet. „Dabei wollte ich nie einen Beruf haben, in dem ich nur im Büro sitze“, gibt sie zu. „Aber ich musste ja nur die Bürotür einen Spalt öffnen, dann war ich immer sofort mittendrin im Trubel“, erklärt sie lächelnd. „Es war wie ein zweites Zuhause“, sagt sie mit ein klein wenig Wehmut. Sie sei dankbar dafür, dass sie ihr ganzes Berufsleben lang immer wieder von den Kinder lernen durfte. Als besonders schön beschreibt sie dabei die Erfahrungen, die mit der Flüchtlingswelle einhergingen. „Alle hier im Team haben sich für die Flüchtlingsfamilien und speziell für die Kinder sehr ins Zeug gelegt. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht“, berichtet sie von der gelungenen Integration in Viöl. „Das war und ist mir auch eine echte Herzensangelegenheit“, betont sie.

Für die nahe Zukunft hat sich Dorothea Wiechert einige Reisen vorgenommen, nach Amrum und Mallorca, wo sie „endlich einmal wieder im warmen Wasser schnorcheln möchte.“ Außerdem will sie in Bayern ihre Tochter und die Enkelkinder besuchen. Langeweile fürchte sie nicht: „Ich bin froh, dass ich die Verantwortung und den Verwaltungskram endlich loslassen und mich meinen Hobbys widmen kann. Ich spiele Gitarre, singe dazu gerne zusammen mit Freunden, und ich lese viel – am liebsten Krimis und Autobiografien“, sagt sie. Und weil man sich hier auf dem Land ständig irgendwo trifft, freut sie sich auch weiterhin auf viele zufällige Begegnungen mit „ihren“ Kindern.

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