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Meierei Witzwort : Erweiterungspläne stoßen auf Kritik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Meierei in Witzwort will langfristig ihre Anlagen vergrößern und stellte den Antrag auf Änderung des Bebauungsplans. Die Gemeindevertretung stimmte mehrheitlich dafür, aber etliche Bürger haben Bedenken.

Nicht alle Bürger Witzworts fanden den Antrag der Osterhusumer Meierei gut, den Flächennutzungs- sowie den Bebauungs-Plan Nr. 6 zu ändern und zu erweitern. Wenn auch nicht sofort und gleich, so doch in Zukunft, hieß es aus der Runde der zahlreich erschienenen Einwohner, bedeute das irgendwann eine Erweiterung der derzeit schon wuchtig wirkenden Anlagen. Der stellvertretende Bürgermeister Hans-Henning Hennings hatte in der jüngsten Gemeinderats-Sitzung, die er für den erkrankten Gemeinde-Chef Willi Berendt leitete, nicht nur den Antrag noch einmal erläutert, sondern den Bürgern Rederecht eingeräumt sowie die Möglichkeit, Fragen an den Meierei-Geschäftsführer Christoph Bossmann zu stellen.

Im Antrag, so Hennings, sei dargelegt worden, dass das 120 Jahre alte Unternehmen sich stets baulich weiter entwickelt habe, zuletzt 2012 mit der Errichtung eines Hochregallagers. Aufgrund einer langfristigen Betriebsentwicklungsplanung werde es für sinnvoll erachtet, eine mögliche, etwa sechs Hektar große Fläche westlich hinter dem Betrieb planungsrechtlich so einzustufen, dass mit einem weiteren Werksausbau begonnen werden könnte. Die Fläche gehöre bereits zur Hälfte der Firma. Wegen des Erwerbs des restlichen Landes werde verhandelt.

Allein das vor drei Jahren gebaute Hochregallager sei, gab eine Einwohnerin zu bedenken, als weithin sichtbares Objekt zu sehen. Sie empfinde es als Eingriff in den Landschaftsraum und des Dorfbildes. Wohin solle, so die Frage einer weiteren Bürgerin, die Reise noch gehen? Sie befürchte den Bau einer großen Industrieanlage mitten im dörflichen Raum. Sehr nahe dran lägen auch Wohnhäuser. Das Verkehrsaufkommen für die Anlieferung und Abholung von Produkten durch Lastkraftwagen sei schon jetzt erheblich und werde sich mit einer Expansion noch steigern.

„Wir haben noch keine konkreten Pläne. Aber wenn wir das Unternehmen wachsen lassen wollen, dann möchten wir keine Zeit verlieren. Im Moment sind die Voraussetzungen noch nicht da“, so der Geschäftsführer. Nach dem Brand sei viel Zeit verloren gegangen, bevor die Anlage überhaupt aufgestockt werden konnte. „Wir müssen uns fragen, ob so ein großes Unternehmen überhaupt verträglich ist für unser Dorf“, entgegnete eine Anliegerin. „Die Gemeinde braucht Gewerbe, aber die Bürger sollten bei solchen wichtigen Entscheidungen mitgenommen werden“, so eine weitere Stimme. Die Lage des Betriebes am Ortsrand sei doch gut, meinte ein anderer, und eigne sich somit auch für eine Erweiterung.

Bossmann wies darauf hin, dass bis 1996 die zu verarbeitende Menge etwa 30 Millionen Kilogramm Rohmilch betrug. 2001 waren es bereits 75 Millionen Kilogramm. Bis heute habe sich die Menge auf 180 Millionen Kilogramm erhöht. Rein rechnerisch werden in Witzwort zehn Prozent der in Deutschland verzehrten Frischmilch produziert. Der Marktanteil in Norddeutschland liegt bei mehr als 50 Prozent. „Durch den hohen Veredelungsgrad benötigen wir relativ viel Platz für Produktion und Logistik“, so Bossmann. Kurzfristig müsse über den Ausbau der Frischeproduktion sowie der Babymilchkonzentrate nachgedacht werden. Das fordere auch die Modernisierung der Kläranlage. Die solle künftig am westlichen Rand des neuen Gebietes entstehen, also weiter ab von der Bebauung im Umfeld. Bossmann prognostizierte angesichts des Wegfalls der Milchquote noch in diesem Jahr weiter ansteigende Mengen. Der boomende Biomarkt stehe erst am Anfang. Sämtliche Produktionsbereiche würden Absatzzuwächse verzeichnen: Langfristig rechne er mit bis zu 500 Millionen Kilogramm Milch.

Gemeindevertreterin Gaby Lönne gab zu bedenken, dass erst konkrete Pläne auf den Tisch des Hauses kommen sollten. „Ich fände eine Entscheidung jetzt auf blauen Dunst getroffen“, so ihr Statement. „Wir können die Entwicklung nicht verhindern. Wir sollten auch bedenken, dass Arbeitsplätze dranhängen, derzeit mehr als 70. Viele Arbeitnehmer haben sich in Witzwort niedergelassen“, so der stellvertretende Bürgermeister. Mit zwei Gegenstimmen segnete das Gremium schließlich den Antrag ab und beauftragte Diplom-Ingenieur Reimer Ivers mit der Überplanung.

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