Nordfriesland : Erster Predigt-Slam begeistert

Im Kreis seiner Mitstreiter (von links) Pastor Ingo Pohl, Vikarin Gesche Schaar, Hilde Zeriadtke und Pastor Philipp Busch freute sich der Schwabstedter Pastor Michael Goltz (2. v. r.) über seinen Sieg beim ersten nordfriesischen Predigt-Slam in der Husumer Marienkirche.
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Im Kreis seiner Mitstreiter (von links) Pastor Ingo Pohl, Vikarin Gesche Schaar, Hilde Zeriadtke und Pastor Philipp Busch freute sich der Schwabstedter Pastor Michael Goltz (2. v. r.) über seinen Sieg beim ersten nordfriesischen Predigt-Slam in der Husumer Marienkirche.

300 Gottesdienst-Besucher in der Husumer Marienkirche: Riesen-Applaus für Beiträge von fünf mutigen Theologen.

shz.de von
11. Februar 2018, 20:00 Uhr

Über ein volles Haus und lautstarken Applaus können sich Pastoren heute in der Regel nur selten freuen. Doch am Sonntag herrschte unter den rund 300 Gottesdienst-Besuchern, die sich trotz heftigen Schneefalls in der Husumer St. Marienkirche eingefunden hatten, zunächst erwartungsvolle Vorfreude – und am Ende schiere Begeisterung. Grund für die fröhlich-aufgekratzte Stimmung war der erste nordfriesische Predigt-Slam, bei dem fünf Theologinnen und Theologen aus der Region um den Publikumspreis wetteiferten.

Entgegen der sonst üblichen Stille wurde in den dicht besetzten Bänken denn auch eifrig geflüstert und gewispert. Denn die Pastoren Ingo Pohl (St. Severin, Sylt), Michael Goltz (Kirchengemeinde Schwabstedt), Philipp Busch (St. Johannis, Föhr), die Prädikantin Hilde Zeriadtke (Kreis Schleswig-Flensburg) sowie die Vikarin Gesche Schaar (Friedenskirche, Husum) hatten natürlich zahlreiche Anhänger aus ihren Heimatgemeinden mitgebracht.

„Wir haben so etwas noch nicht erlebt. Aber wenn er nicht gewinnt, wer dann“, waren sich etwa der Ehemann von Ingo Pohl, Manfred Krause-Pohl, Christine Suhl und Helga Glöden, die extra von Sylt angereist waren, sicher. Siegessicher war allerdings auch die Schwabstedter Riege hinter Michael Goltz sowie die Husumer, die für Gesche Schaar die Daumen drückte.

Alle Teilnehmer hatten die Aufgabe, ihre Auslegung zum Bibeltext „Der äußerliche Gottesdienst tut’s nicht“ aus dem Buch Amos (Kap. 5, 21 - 24) vorzutragen. Dabei war die Redezeit mit jeweils drei Minuten sportlich-knapp bemessen. „Das ist nicht lang, aber das reicht leicht, um sich hier um Kopf und Kragen zu reden“, hatte Friedemann Magaard (Leiter des Christian-Jensen-Kollegs), der den Wettbewerb gemeinsam mit Pastorin Inke Raabe (Evangelisches Regionalzentrum Westküste) vorbereitete, augenzwinkernd vorausgeschickt.

Doch die Kontrahenten schlugen sich mehr als wacker. Ob laut oder leise, anrührend, nachdenklich oder deftig „gepfeffert“ – die Predigten hatten es allesamt in sich und machten die Vielfalt der Lesart biblischer Texte deutlich. Und so hatte es das Publikum, dass zur Bewertung der Beiträge aufgefordert war, je nach Bewertung mehr oder weniger laut zu singen, es nicht leicht den Gewinner zu küren. Das Ergebnis war denn auch denkbar knapp.

Erst nach einem Stechen via Publikumschor zwischen Philipp Busch und Michael Goltz konnte Friedemann Magaard schließlich den strahlenden Schwabstedter zum Sieger ausrufen. Doch der begeisterte Beifall am Ende dieses besonderen Gottesdienstes, der von allen Seiten großes Lob erhielt, gehörte dann wieder allen fünf „Predigt-Slamern“ gemeinsam.

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