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Erfolgsstrategie : Erst kommt der Mensch – dann der Profit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein gefragter Manager im Interview: Bodo Janssen spricht unter anderem über moderne Unternehmensführung und attraktive Hotel-Standorte in Nordfriesland.

Als Inhaber und Geschäftsführer einer erfolgreichen Hotelgruppe hat Bodo Janssen 2010 einen Paradigmenwechsel eingeleitet und sorgt seitdem dafür, dass seine rund 650 Mitarbeiter möglichst zufrieden und glücklich sind. Dieser so genannte Upstalsboom Weg hat in den vergangenen drei Jahren zu einer Verdoppelung des Umsatzes und einer Weiterempfehlungsrate von 98 Prozent geführt. „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ – dieses Credo macht den 42-Jährigen zu einem gefragten Referenten, wie gerade erst beim Husumer Praxistag für Hotel und Gastronomie im Nordsee-Congress-Centrum. Unsere Zeitung sprach mit ihm unter anderem über die Zukunft einer ökologischen, menschlichen Unternehmensführung und attraktive Hotel-Standorte in Nordfriesland.

Herr Janssen, haben Sie den Eindruck, Ihr Leuchtturm-Projekt besitzt mittlerweile so viel Strahlkraft, dass sich immer mehr Unternehmer daran ein Beispiel nehmen?

Wir stoßen auf eine immense Nachfrage. Wir erleben eine große Sehnsucht vieler Menschen in Unternehmen, die etwas ändern wollen und nicht genau wissen, wie. Und dann kommen sie auf uns zu, um sich zu erkundigen, wie so etwas gehen kann.

Haben Firmen, die sich nicht von der althergebrachten und damit allein auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Betriebswirtschaftslehre verabschieden, langfristig überhaupt eine Chance im Wettbewerb? Oder andersherum: Liegt die wirtschaftliche Zukunft nicht generell darin, das Potenzial der Mitarbeiter so weit wie möglich zu entfalten?

Ich glaube, wenn man den Mensch nur als Mittel zum Zweck von Gewinnmaximierung, Macht und Anerkennung missbraucht, wird die Unzufriedenheit in Deutschland oder in deutschen Unternehmen immer größer werden. Und dann kommt es über kurz oder lang zum Knall. Somit bin ich da komplett bei Ihnen: Wenn sich Unternehmen nicht darauf ausrichten, statt die Gewinne den Menschen in den Mittelpunkt ihres Interesses zu stellen, werden sie es in Zukunft schwer haben, überhaupt noch zu existieren.

Sie investieren immer wieder auch in die persönliche Weiterentwicklung Ihres Personals. Als Geschäftsmann, der vorlebt, was er predigt, ist Weiterbildung natürlich auch für Sie selbst ein Dauerthema. Was hat Ihnen der Husumer Praxistag in dieser Hinsicht an neuen Erkenntnissen gebracht?

Dass es noch sehr viele Möglichkeiten gibt, weil längst nicht alle ausgeschöpft sind. Das ist ja das Schöne. Ich hab’ dort Menschen erlebt, die sehr interessiert und neugierig waren, zu erfahren, was denn jeder selbst dazu beitragen kann, dass sich etwas ändert. Etwa, dass Führung als Dienstleistung und nicht als Privileg angesehen wird. Schlimm wäre es ja, wenn wir schon alles ausprobiert hätten und die Situation wäre wie sie ist. Jetzt sehen wir aber, dass eben noch gar nicht so viel unternommen worden ist. Und damit gibt es noch viel Potenzial, das ausgeschöpft und entfaltet werden kann.

Ihren neun Häusern in Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fügen Sie jetzt auch Ihren ersten Standort in Schleswig-Holstein hinzu. Das Resort Südstrand in Wyk auf Föhr mit 144-Zimmer-Hotel, Strandbar, zwei Restaurants und 23 Residenzen soll im Frühjahr 2018 eröffnet werden. Greift Ihre Unternehmens-Philosophie der friesischen Gastlichkeit danach noch weiter Raum in Nordfriesland?

Wir haben uns abgewöhnt, strategisch und auf lange Sicht zu planen, weil wir in komplexen und exponentiellen Zeiten leben. Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf Föhr, weil das eine Insel ist, von der wir glauben, dass sie eine ganz tolle Geschichte hat, eine unglaubliche Präsenz in der Gegenwart und vor allem auch eine ganz tolle Zukunft. Ich persönlich hab’ mich in diese Insel verliebt, weil sie so dermaßen viel Charme hat und nicht zu diesen Inseln gehört, die so einen kommerziellen Tourismus nach sich ziehen, sondern sehr ursprünglich traditionell geprägt ist. Und das ist ja das, was wir wollen: Individualität, Einzigartigkeit – somit ist Föhr für uns wie maßgeschneidert.

Vielleicht ergibt sich darüber hinaus hier oben ja noch etwas ...

Ja, andere Standorte sind im Gespräch: Husum oder auch Amrum. Sylt – da sind wir auch angesprochen worden, aber das ist jetzt nicht so unser Standort, weil die Insel nicht so ganz unserem Image gerecht wird, das wir ganz gerne haben.

Da möchte ich einhaken: Wie attraktiv ist für Sie der Husumer Dockkoog, der in ein paar Jahren – nach einer Deichverstärkung – als Naherholungsgebiet touristisch neu überplant werden soll?

Das Projekt ist uns nicht unbekannt, wir waren ja schon einmal dort involviert. Das ist in der Tat ein attraktiver Standort, weil er eben landgebunden, also unabhängig von Fähren ist. Und wir merken ganz einfach, dass solche Standorte schon auch einen starken Zulauf haben – noch einen stärkeren als zum Teil die Inseln – und natürlich gerade unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung superspannend sind. Husum ist ein schöner Standort, auf den wir vor kurzem wieder angesprochen worden sind und mit dem wir uns näher beschäftigen.

 

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erstellt am 19.Dez.2016 | 06:45 Uhr

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