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Wie gesund essen die Husumer? : Ernährungs-Trends aus dem TV

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ständig gibt es neue Tipps, welches Essen gesund ist und welches nicht – doch wie reagieren die Husumer darauf und was stimmt überhaupt?

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Das Thema Gesunde Ernährung ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden, hat doch das Essen einen entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden. Zusätzlich schrecken immer neue Warnungen von Ernährungsbotschaftern die Menschen auf – auch die Husumer?

Weizenmehl etwa wird zunehmend verteufelt, es soll dick und dumm machen, Krebs begünstigen und das Herz belasten. Vor allem im Kleber-Eiweiß Gluten sieht der US-Arzt und Bestseller-Autor William Davis die Wurzel aller Zivilisations-Übel wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das betrachtet Peter Kreutzfeld, Inhaber der Bäckerei Kreutzfeld, wesentlich differenzierter: „Wir klären unsere Kunden auf, dass es bei den Menschen verschiedene Stoffwechseltypen gibt.“ Was für den einen gut ist, mag für einen anderen ungesund sein. „Ich sage immer: Wenn ihr etwas gut vertragt, dann ist es auch in Ordnung.“ Einen Trend hin zu veränderten Ernährungsgewohnheiten – weg von Weizen-, hin zu Vollkorn-Produkten – vermag er nicht zu erkennen. „Aber die Leute wechseln mehr, essen helle und dunkle Brotsorten durcheinander.“

Und was ist mit Fleisch? Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat vor zwei Jahren verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Unter verarbeitetem Fleisch werden gepökelte, geräucherte oder anders haltbar gemachte oder geschmacklich veränderte Fleischprodukte verstanden, etwa Wurst, Corned Beef oder Kasseler. Sind diese Warnungen für Husumer ein Signal bei der Produktauswahl?

Sabine Schoof von Kinsky-Fleischwaren vermag keine Änderung des Einkaufsverhaltens zu sehen. Was sie jedoch festgestellt hat: „Die jungen Kunden kaufen mehr magere Sachen, während die älteren durchwachsenes Fleisch bevorzugen – wie anno dazumals.“ Sie macht diesen Unterschied allerdings eher an den Kochkünsten der Jüngeren fest: „Die wissen zum Teil gar nicht mehr, wie man Kassler oder Gulasch zubereitet.“ Das sieht Fleischer-Fachgeschäft-Inhaber Thorsten Arndt genau so: „Die älteren Leute kaufen fettere, die jüngeren magerere Produkte. Der Trend geht aber dahin, dass viele gar nicht mehr selber kochen, sondern auf Fertiggerichte aus den Supermärkten zurückgreifen.“

Und dann gibt es noch den neuesten Trend, hin zum sogenannten Superfood: So werden Nahrungsmittel bezeichnet, denen eine besonders hohe gesundheitliche Wirksamkeit zugeschrieben wird. Sogar die Volkshochschule bietet im Januar einen Kurs an, der sich mit dieser Art von Lebensmitteln beschäftigt. Allerdings werden die erst wirksam, wenn sie regelmäßig in großen Mengen gegessen werden.

Hier scheinen die Husumer wechselnden Einflüssen zu unterliegen. „Man merkt schon, dass sie mehr auf ihre Ernährung achten“, sagt Nicole Gauger-Feddersen vom Reformhaus Einhorn. „Viele Dinge wie etwa Teersamen haben wir schon lange im Angebot, aber wenn Produkte plötzlich als besonders gesund in der Berichterstattung gehandelt werden, werden sie auch sofort mehr gekauft – da gibt es einen direkten Zusammenhang.“

So sieht das auch Silja Knudten, Inhaberin des Vivo-Naturkost-Biosupermarktes. „Die Nachfrage kommt schubweise. Was gerade im Fernsehen war, ist gefragt – diese Woche vielleicht Hagebuttenpulver, nächste Woche Hanföl und übernächste Cucumba.“ Aber das seien kurzlebige Trends, die schnell wieder abebbten. „Nichts auf Dauer. Es wird probiert, ob es hilft oder ob es schmeckt – und wenn nicht, wird es nicht mehr gekauft.“ Die allgemeine Hinwendung zu schadstoffarmen, gesunden und naturbelassenen Produkten sei dagegen beständiger.

Dass die Husumer allgemein immer stärker auf ihre Ernährung achten, mag sie dagegen nicht bestätigen. „Auch bei uns gehen immer mehr Fertigprodukte über die Ladentheke, während die Umsätze bei frischem Gemüse nicht gerade steigen – Bio ja, aber ob es immer besonders gesund sein muss, da bin ich skeptisch.“

Tipps von der Expertin


Und was sagt die Ernährungsberaterin? Kristina Williams arbeitet seit 2005 in Husum mit Patienten, die ihr von den Ärzten überstellt werden.

Weizen: „Für gesunde Menschen ist Weizen nicht schädlich. Das ist nur eine Getreide-Art. Die generell zu verteufeln, ist sinnlos, denn durch den Verzicht gehen zugleich wichtige Nährstoffe verloren. Zudem gibt es auch den Vollkorn-Weizen, den wir Ernährungswissenschaftler propagieren, der hat mehr Vitamine und Mineralstoffe. Wer gesund ist, hat keinerlei Vorteile vom Verzicht auf Weizen. Bei Allergikern ist das natürlich etwas Anderes.“

Fleisch: „Wurstwaren sind stark verarbeitet und gesalzen, und ein hoher Kochsalzverzehr ist immer schädlich. Gegen ein gutes Stück Fleisch, das man selbst gewürzt hat, spricht aber nichts als Lebensmittel. Und wie überall gilt: Es ist alles eine Frage der Menge. Eine Portion Fleisch pro Tag ist für einen gesunden Menschen völlig in Ordnung, so lange man zwei Mal pro Woche auf Fisch oder eine vegetarische Hauptmahlzeit ausweicht.“

Superfood: „Damit arbeite ich in der Therapie nicht. Ich setze eher auf die Wirkung einer ausgewogenen Ernährung, zumal bei manchen Inhaltsstoffen eine Überdosierung schädlich ist. Natürlich bieten die pflanzlichen Inhaltsstoffe bestimmter Lebensmittel die Möglichkeit, den Blutfettspiegel positiv zu beeinflussen. Aber zu Otto Normalverbraucher sage ich immer: Essen Sie mehr Obst und Gemüse, dann sind sie auf der sicheren Seite.“

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