Erinnerungen an die Weihnachts-Flut

Matthias Uhing, Raimund Behrend, Jörn Karsten und Friedrich-Wilhelm Timpe (v. l.) erfreuten ihr Publikum in Oldenswort.  Foto: bdk
Matthias Uhing, Raimund Behrend, Jörn Karsten und Friedrich-Wilhelm Timpe (v. l.) erfreuten ihr Publikum in Oldenswort. Foto: bdk

Weihnachtsstimmung verbreiteten der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Timpe und die Gruppe "Jug Water" in der St.-Pankratius-Kirche.

shz.de von
24. Dezember 2008, 07:56 Uhr

Oldenswort | Gespannte Stille herrschte unter den Besuchern einer Lesung in der St.-Pankratius-Kirche, als Friedrich-Wilhelm Timpe eindrucksvoll die Not von Halligbewohnern schilderte, die am Weihnachtsabend des Jahres 1717 wegen einer schweren Sturmflut die Nacht in ihrer Kirche verbringen mussten. Mit gekonnter Stimmmodulation "entführte" der pensionierte NDR-Redakteur und Schauspieler seine Zuhörer in das kleine Gotteshaus weit draußen vor der Küste, wo das "dumpfe Grollen des Meeres" und das "Heulen des Sturmes" die angestimmten Weihnachtslieder übertönte. Wohl jeder konnte sich vorstellen, wie im Schein der Christbaumkerzen die Tränen der verängstigten Menschen flossen.

Das Licht der Kerzen war es, das den Männern den Weg wies, die sich während des Gottesdienstes aufgemacht hatten, gemeinsam ihr Hab und Gut zu sichern. Nach ihrer Rückkehr in die Kirche drehte der Wind und bei sinkendem Wasserstand konnten alle wieder ihre Häuser auf den umliegenden Warften erreichen.

Erleichtert genossen die Zuhörer anschließend die Folkmusik, die die Gruppe "JugWater" intonierte. Mit überwiegend irischen Liedern zogen Raimund Behrend (Mundharmonika), Jörn Karsten und Matthias Uhing (beide Gitarre) das Publikum in den Bann und wurden dafür, wie der Referent, mit anhaltendem Applaus belohnt. Dieser hatte eingangs mit einer Erzählung von Charlotte Liese geschildert, wie sich die Kinder auf Fehmarn die Zeit vor der Bescherung mit "Rummelpott-Laufen" vertrieben. Bevor "JugWater" zum Abschluss "Good Night Irene" spielte, erinnerte Timpe sicher einige Zuhörer an ihre eigene Kindheit, als er das Gedicht über die "Weihnachtsmaus" von James Krüss vortrug.

"Sie haben uns wundervoll auf Weihnachten eingestimmt", stellte Pastorin Sylvia Kilian-Heins abschließend fest und bat die Musiker um einen "Rausschmeißer". Diesen Wunsch erfüllte die Gruppe umgehend mit dem Titel "Leaving of Liverpool", was jedoch zur Folge hatte, dass sich die Kirche erst wesentlich später leerte. "Dieser Abend gehört schon fast zu Weihnachten", bemerkte ein Besucher, denn bereits seit vier Jahren treten die Interpreten alljährlich am vierten Adventssonntag in der St.-Pankratius-Kirche auf.

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