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Husumer Nachrichten

20. August 2017 | 10:23 Uhr

Pellworm : Erinnerung an Katastrophe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Modell des Rettungskreuzers „Adolph Bermpohl“ dem Schifffahrtsmuseum Pellworm gespendet.

Pellworm | Das Schifffahrtsmuseum auf Pellworm ist um eine Attraktion reicher. Ab sofort ist dort ein Modell der "Adolph Bermpohl" zu sehen. Für die Einheimischen besonders deshalb interessant, weil zwei Pellwormer Fischer vor Jahren das Schiff auf der Insel - dem Original täuschend ähnlich - nachgebaut hatten. Hans Balzukat und sein Sohn Stefan haben dafür unzählige Stunden ihrer Freizeit geopfert.

Das Modell ging später in den Besitz von Michael Eggert über, und der hat es jetzt dem Schifffahrtsmuseum Pellworm gestiftet. Die Freude darüber war groß, wie Kapitän Fred Steppat, Leiter der Einrichtung, erzählt. Nur: Es gab ein kleines Problem. Das 1,25 Meter lange Schiff musste natürlich auch staubfrei und gesichert in einer entsprechend großen Glasvitrine untergebracht werden. Ohne lange zu zaudern, übernahm die Neue Pellwormer Dampfschifffahrts GmbH die Kosten, und der Pellwormer Tischlermeister Karl-August Lützen fertigte dazu das notwendige Podest an.

In einer kleinen Feierstunde, zu der auch Rolf Balzukat, ein Nachfahre der Schiffsbauer, eingeladen war, wurde das neue Ausstellungsstück offiziell vorgestellt.

Orkan kostete sieben Menschenleben


Mit von der Partie waren ebenfalls Bürgermeister Jürgen Feddersen und Sven Frener, der Geschäftsführer der Fährgesellschaft. Die "Adolph Bermpohl" wurde nach dem Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) benannt und 1965 für die Station Helgoland in Dienst gestellt. Während eines Orkans über der Nordsee geriet ein holländischer Fischkutter am 23. Februar 1967 mit drei Mann Besatzung in Seenot. Der Rettungskreuzer lief zum Einsatz aus. Es gelang den Rettern zwar unter schwierigsten Bedingungen, die holländische Besatzung mit dem Tochterboot ab zubergen. Doch aufgrund der extremen Wetterverhältnisse war es nicht möglich, das Tochterboot wieder an Bord zu nehmen. Es lief daher in Lee des Kreuzers nebenher. Dann geschah das Unfassbare: Eine schwere See brachte den Rettungskreuzer zum Kentern, und das Tochterboot wurde dabei unter Wasser gedrückt. Alle vier Rettungsmänner und die drei holländischen Fischer kamen in den Fluten um. Der Rettungskreuzer wurde nach einigen Tagen in der See treibend entdeckt.

Er wurde repariert und umgebaut. Er war weiterhin bis 1979 auf der Station Helgoland im Einsatz und wurde dann für weitere zehn Jahre zur Station List/Sylt verlegt. 1989 wurde die "Adolph Bermpohl" an das finnische Rettungswesen verkauft und war dort bis 2001 im Einsatz. Die vier Rettungsmänner Paul Denker, H.-J. Kratschke, Günter Kuchenbecker und Otto Schülke blieben der DGzRS als Vorbild für die aufopferungsvolle Arbeit der Seenotretter in bleibender Erinnerung. Nach ihnen wurden vier neue Rettungskreuzer benannt.

"Das Schifffahrtsmuseum Pellworm, das seit Jahren eng mit der DGzRS zusammenarbeitet, möchte mit diesem Modell das Interesse der Besucher für die Arbeit der Seenotretter wecken", betont Steppat, zudem werden auch Spenden gesammelt. Denn die Gesellschaft wird kaum staatlich unterstützt. Das Schifffahrtsmuseum hat von Mai bis Oktober täglich von 10 und 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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