Ausstellung im Treffpunkt Oldenswort : Erinnerung an Eiderstedts große Zeit

Hauke Koopmann mit einem Teil der ausgestellten Keramikartikel aus seiner Sammlung.
Hauke Koopmann mit einem Teil der ausgestellten Keramikartikel aus seiner Sammlung.

Im Treffpunkt Oldenswort ist englische Keramik aus dem 19. Jahrhundert zu sehen. Sie kam durch den Viehhandel auf die Halbinsel.

Avatar_shz von
14. Oktober 2018, 14:16 Uhr

Leuchtend glänzende Teller, Tassen und Töpfe werden gegenwärtig im Oldensworter Treffpunkt ausgestellt. Sie stammen aus dem England des 19. Jahrhunderts und waren in früheren Zeiten auch in Eiderstedter Haushalten verbreitet. Mitgebracht haben sie Seeleute, die mit ihren Schiffen seit 1846 regelmäßig Schlachtvieh von Tönning in Häfen des Inselstaates transportierten.

Der Hintergrund: England war auf diese Einfuhren angewiesen, um damit die Nachfrage nach Fleisch der stark wachsenden Bevölkerung in den Industriestädten zu befriedigen. Die neue Bahnlinie zwischen Flensburg und Tönning begünstigte das Vorhaben, denn so konnten auch dänische Rinder schnell verfrachtet werden. Rund 50.000 Rinder und 60.000 Schafe wurden jährlich über die Nordsee verschifft. Auf den Rückreisen beförderten die Dampfer die hier benötigte Steinkohle.

Die ausgestellten Exponate stammen aus einer Sammlung von Hauke Koopmann, die insgesamt mehr als 100 Teile umfasst. Einzelstücke fand er europaweit auf Märkten und bei Händlern sowie in der Türkei und in Marokko. Der Grundstock stammt aus dem Nachlass seines Urgroßvaters Henning Siemens, der in jungen Jahren zur See fuhr und 1908 in seinem Heimatdorf Oldenswort starb. Eingehend befasste sich der Initiator der Präsentation nicht nur mit dem geschichtlichen Hintergrund der besonders wertvoll erscheinenden Haushalts- und Dekorationsgegenstände, sondern auch mit deren Herstellung. Sie wurden aus Ton geformt und erhielten zwischen dem ersten und dem zweiten Brand eine Glasur auf die eine Paste aus unterschiedlichen Metalllösungen, Schwefel und Terpentin aufgetragen wurde – die Lüstrierung. Abhängig von den hierfür verwendeten Materialien haben die fertigen Produkte einen silbernen, goldenen oder kupferfarbenen Glanz. Auch rosafarbene Effekte ließen sich erzielen. Außerdem wurde das Keramikgeschirr mit zumeist floralen Motiven bemalt und mit Reliefs verziert. Aus dem gleichen Material entstanden Nachbildungen von kleinen Hunden, die auf jeden englischen Kamin gehörten.

Besonders beeindruckt hat Koopmann bei seinen Recherchen, wie flexibel Eiderstedter Landwirte damals auf die wirtschaftliche Herausforderung reagierten. „Sie gründeten in Tönning eine Reederei für die eingesetzten Dampfschiffe und eine Darlehnsbank für Zahlungsverkehr mit ihren englischen Geschäftspartnern.“ Der erfolgte bereits mit Schecks. Infolge einer Maul-und Klauenseuche kam der Viehhandel über die Nordsee im Jahr 1888 für immer zum Erliegen.

Die Lüsterkeramik wird noch bis zum 25. Oktober ausgestellt. Die Galerie und das Café sind geöffnet: montags bis sonnabends 11 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Mittwochs ist Ruhetag.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen