Geschichte : Erinnerung an die Brandnacht

Noch während des Brandes in Hamburg skizzierte Leopold Biermann, was er sah. Foto: Sarah Essing
Noch während des Brandes in Hamburg skizzierte Leopold Biermann, was er sah. Foto: Sarah Essing

Gardings Bürgermeister hat einen besonderen Bezug zum Angriff auf Hamburg vor 65 Jahren. Sein Großvater zeichnete eine Szene der Brandnacht -obwohl das als Hochverrat galt.

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24. Juli 2008, 09:19 Uhr

Garding | Heute jährt sich der verheerende Bombenangriff auf Hamburg während des Zweiten Weltkriegs zum 65. Mal. In der Nacht zum 25. Juli 1943 hatten alliierte Fliegerverbände die Stadt bombardiert. 34.000 Menschen starben in den Flammen. Im Umkreis von über 100 Kilometern verdunkelte sich der Himmel durch den Rauch.

Einer der einen ganz persönlichen Bezug zu dieser Tragödie hat, ist Gardings Bürgermeister Ranjet Biermann. Sein Großvater Leopold Biermann hatte das Bild vom brennenden Hamburg noch am Ort des Geschehens auf einem Skizzenblock festgehalten. Er war gerade auf dem Nachhauseweg von der Nachtschicht bei der Werft Blohm und Voss und wollte schnell zu seiner Familie nach Eimsbüttel, wie sein Enkelsohn erzählt. Dabei kam er an der St.-Michaelis-Kirche vorbei. Gebannt von der Szenerie blieb er stehen. Über dem Eingangsportal an der Englischen Planke kämpfte der Erzengel Michael mit dem Teufel, im Hintergrund brannte die Stadt - das Motiv für das Bild, das heute in Biermanns Elternhaus in der Lüneburger Heide hängt.
Mit dem Zeichnen begab sich Großvater Leopold in höchste Gefahr. Denn das Abbilden von Kriegsfolgen galt als Sabotage und Hochverrat und wurde strengstens bestraft. Dennoch: Aus der Skizze schuf Leopold Biermann, der in Antwerpen Malerei studiert hatte und auf Umwegen nach Hamburg gekommen war, ein Ölgemälde auf Hartfaserplatte sowie ein Aquarell. Auf der Rückseite des Ölbildes ist das Datum der Brandnacht vermerkt. Außerdem sind dort zwei Zeitungsausschnitte über den Luftangriff aufgeklebt.

"Ich habe das Bild in meiner Kindheit immer vor Augen gehabt", sagt Ranjet Biermann, der 1967 in Hamburg geboren wurde. Doch erst als das Thema in der Schule behandelt worden sei, habe er seine Schlüsse gezogen. Seinen Großvater habe er nicht mehr kennen gelernt, da er zehn Monate vor seiner Geburt als 68-Jähriger gestorben war.

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