Aus dem Kreistag Nordfriesland : Erdkabel bleibt Option

Demonstrierten vor dem Kreishaus: Alfred Jordy (links) und Jürgen Rust  von der Bürgerinitiative „Eiderstedt unter Höchstspannung“.
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Demonstrierten vor dem Kreishaus: Alfred Jordy (links) und Jürgen Rust von der Bürgerinitiative „Eiderstedt unter Höchstspannung“.

Ein Arbeitsauftrag für Schleswig-Holsteins Landesregierung und den Netzbetreiber Tennet kommt aus Nordfriesland. Denn gestern hat der Kreistag beschlossen, dass nochmals geprüft werden sollte, ob für die geplante Westküsten-Höchstspannungsleitung nicht doch eine Erdverkabelung in Frage kommen könnte.

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09. November 2013, 07:00 Uhr

Auch ein Landrat darf einen Antrag in den Kreistag einbringen. Gestern geschah dies von Dieter Harrsen zur Forderung, die geplante 380 Kilovolt-Stromtrasse mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) zu verkabeln. Für ein solches Erdkabel möglichst zwischen Niebüll und Brunsbüttel streitet die Bürgerinitiative „Eiderstedt unter Höchstspannung“. Gestern sollten sich die Abgeordneten bei ihrer Sitzung im Kreishaus in Husum zu ihrem Anliegen positionieren. Einstimmig ist dann die Vorlage des Landrates, die einen Kompromiss darstellt, verabschiedet worden. Denn es erscheint dem Gremium „nachvollziehbar“, dass negative Auswirkungen auf Mensch und Natur mittels Erdkabel in Gleichstromtechnik deutlich zu mindern oder zu vermeiden wären.

Deshalb werden jetzt Schleswig-Holsteins Landesregierung und Tennet als zuständiger Netzbetreiber von den Nordfriesen aufgefordert, eine Erdverkabelung auf der Westküstentrasse „nochmals auf ihre Realisierbarkeit hin zu überprüfen“. Zugunsten der Anregung der Bürgerinitiative könne sich der Kreistag jedoch nur dann aussprechen, wenn „die technische Realisierbarkeit bei Einhaltung der Vorgaben zur Versorgungssicherheit und Leistungsfähigkeit im Netz sowie der zwingenden Einhaltung des für die Freileitung vorgesehenen Zeitrahmens bis 2018“ nachgewiesen ist. Doch auch die Planung für eine Höchstspannungs-Freileitung in Drehstromtechnik ist „weiter zu betreiben und auf eine schnellstmögliche Realisierung zu drängen“.

Dem Vorstoß des Landrats entsprach ein Meinungsbild aus dem Ausschuss für Umwelt und Energie, das Kerstin Mock-Hofeditz zusammengefasst hatte. „Wir kommen um das Kernproblem nicht herum, dass wir eine Leitung brauchen“, betonte sie abschließend und hatte die Energiewende und die zu häufigen Abschaltungen von Westküsten-Windkraftanlagen im Blick. Der SPD-Abgeordnete Nico Hamkens verwies auf das Bedarfsplanungsgesetz, das eine 380-Kilovolt-Leitung in Drehstromtechnik vorschreibe. Für Hamkens ist HGÜ erst in 15 Jahren ausgereift. Eindeutig Partei für die Bürgerinitiative ergriff Mery Ebsen (WG-NF): „Erdkabel sind die Zukunft. Die Technik schreitet rasant voran.“ Ebsen befürchtet bei einer Freileitung ebenfalls negative Auswirkungen auf Tourismus, Zugvögel und eine historische Landschaft. Dr. Peter Schröder (Grüne) argumentierte kurz und knapp: „HGÜ ist ausgereift und wird kommen.“ Dem schloss sich SSW-Fraktionschef Ulrich Stellfeld-Petersen an: „HGÜ ist sehr wohl möglich.“

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