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Nordstrander Musiktage : Er trommelt gegen seine Krankheit an

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Musiker Willy Flindt leidet seit drei Jahren an Multiple Sklerose –dennoch tritt er weiter mit seiner Band auf. Jetzt begeisterte er bei den Nordstrander Musiktagen.

Der 53-jährige Willy Flindt ist in seinem Element. Konzentriert sitzt er an seinem Schlagzeug auf der Hauptbühne vor dem Schwimmbad im Ortsteil Norderhafen. Soundcheck heißt es vor dem großen Auftritt mit seiner Band „Willy & The Helpers“ aus Hamburg. Sie wollen im wahrsten Wortsinn am dritten Abend der 10. Nordstrander Musiktage die Bühne rocken. Dem Rock’n’Roll und Country-Rock haben sich die vier Musiker verschrieben. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Drummers mit 40-jähriger Erfahrung, zunächst als Berufsmusiker, seit drei Jahren ist er Hobby-Musiker. Alles ist stimmig. Noch einmal geht er das Programm auf seinem Spickzettel durch. Drei Stunden Pause bleiben noch bis zum abendlichen Gig.

Was niemand der wenigen Spaziergänger, die kurz innehalten, um zu lauschen, ahnt: Flindt ist seit drei Jahren an Multiple Sklerose (MS) erkrankt. Durch die schleichend eingetretene Nervenkrankheit ist er beim Gehen erheblich beeinträchtigt. Sein Rollator leistet ihm wertvolle Dienste. Der Weg auf die Bühne hat ihm schon viel Kraft abverlangt. Nur mit Hilfe seiner Frau Karin und seiner treuen Musikerkollegen Gerd Münchow (Bass), Jack Daniel Wheeler (Akkustikgitarre) und Norbert Gaschina (Leadgitarre) – fast 30 Jahre kennen sie sich und haben miteinander oder einzeln in verschiedenen Formationen gespielt – hat er die steilen Stufen bewältigen können. „Das machen wir gerne, denn ohne Willy läuft hier nichts. Gemeinsam sind wir stark. So lange wie möglich wollen wir zusammen spielen. Die Auftritte werden zwar weniger, aber dafür umso besser“, sind sich seine Mitstreiter einig.

Dass Flindt nicht nur bei den Musikern einen großen Stein im Brett hat, sondern auch bei vielen Fans, beweisen 50 von ihnen, die mit einem Reisebus eigens aus Hamburg angereist sind. „Wir mögen Willy und seine Kollegen. Wir schätzen die authentische Musik und wollen heute auf Nordstrand mitfeiern“, sagen Annette und Hans-Georg Lüdders aus der Hansestadt. Fast keinen Auftritt von Willy hätten sie in all’ den Jahren verpasst und sie bewunderten seinen Umgang mit der Krankheit.

Flindt – sein Vater war schon Musiker gewesen – hat seine Karriere mit zehn Jahren im Oldesloer Spielmannszug begonnen. Im Laufe der Jahre hat er als Profi-Musiker auf vielen Bühnen mitgewirkt und auch Unterricht gegeben. Viele Musikergrößen habe er kennengelernt. Wegen der Krankheit habe er nun Rente einreichen müssen und die Musik zum Hobby gemacht. Vielleicht werde er irgendwann ein Buch schreiben. „Ich möchte allen MS-Erkrankten Mut machen, möglichst so normal wie möglich weiterzuleben, seinen Hobbys nachzugehen und die eingeschränkte Lebensqualität auf diese Weise zu kompensieren. Für mich ist Musik die beste Therapie“, sagt Flindt. Es gebe nach dem jetzigen medizinischen Stand keine Heilungs-Chance, aber man könne die Krankheit durch Therapien und Tabletten – so wie bei ihm – in den Griff bekommen. Er selbst genieße jeden Auftritt mit der Band. Das stärke sein Selbstbewusstsein, und er fühle sich auch bei der aktiven Hilfe durch alle sicher, nicht zuletzt durch den Zuspruch der Fans. So habe er sich schon seit Wochen intensiv am Schlagzeug auf das Nordstrander Publikum vorbereitet. Dafür lohne sich alle Mühe. Und zufriedene Zuhörer, die mitmachten, sei allein das Ziel. „Ziel erreicht“ – lautet das Fazit des Veranstalters Jürgen Pöthau am Ende des Musikabends mit drei Zugaben der Band. Tatsächlich haben sich besonders viele Besucher um die Hauptbühne geschart. Sie schwelgen in alten Zeiten, und der Rock’n’Roll animiert zum Tanzen auf dem Asphalt. Fetzige Titel von Elvis Presley, Don Williams, Jerry Reed, CCR und T-Rex lassen grüßen. Aber auch die anderen Interpreten zeigen sich in Höchstform. „Tone Fish“ machen gute Laune mit Folkmusik auf der Liegewiese am Kurzentrum. „Markus B“ stellt im Kurmittelhaus seine neue CD „Paths of Love“ vor. „Ein toller Abend ist das gewesen“, so das Resümee von Regina Reuß, Leiterin der Kurverwaltung.

Am 7. August ab 20 Uhr wird im Ortsteil Süderhafen in die vierte Runde gestartet. Vor der ehemaligen Raiffeisen HaGe gibt es Irish Folkrock mit der Band „Nuthouse Flowers“. Blues-Man Frank Plagge wird auf der Bühne vor dem „Watt’n Grill“ aufspielen. Andrea von Rehm, auch als „Miss Lee“ bekannt, wird vor der Engel-Mühle Rock-Cover zum Besten geben.

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