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Experten unter sich : Er beschützt das Great Barrier Reef – und sie das Wattenmeer

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Besuch aus dem fernen Australien: Jon Day tauschte sich mit Kollegen der Tönninger Nationalparkverwaltung aus. Er ist als Direktor der Schutzgebietsverwaltung für das Great Barrier Reef zuständig. Wie das Wattenmeer trägt es den Titel „Weltnaturerbe“.

Ob Jon Day oder Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung mehr von den Gemeinsamkeiten oder von den Unterschieden ihrer Schutzgebiete beeindruckt waren, blieb offen. Der Direktor der Schutzgebietsverwaltung des australischen Great Barrier Reef berichtete seinen Tönninger Amtskollegen vom größten Korallenriff der Welt, das – ebenso wie das Wattenmeer – eines der 46 marinen Weltnaturerbegebiete der Unesco ist. Das Reef gehört außerdem zu den fünf Räumen auf der Welt, die neben der Unesco-Anerkennung von der Welt-Schifffahrtsorganisation als besonders empfindliches Meeresgebiet behandelt werden.

Das Barrier Reef trägt seit 1975 den Titel „Weltnaturerbestätte“. Mit einer Ausdehnung von 2300 Kilometern und einer Fläche von 348.000 Quadratkilometern ist es 80-fach größer als der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, der immerhin größte Nationalpark zwischen dem Nordkap und Sizilien. 1050 Inseln liegen in dem Reef-Gebiet und mehr als 3000 Korallenriffe, dazu Tiefwasserbereiche und Weichböden, Seegraswiesen und Mangroven, Algen- und Schwammgärten.

Seit der Unesco-Anerkennung kommen noch mehr Touristen; die weiße Branche hat heute einen Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro. Jon Day zeigte sich von der gemeinsamen Tourismusstrategie der drei Wattenmeer-Anrainerstaaten beeindruckt, die er bei der Trilateralen Wattenmeerkonferenz in Tønder kennengelernt hatte. „Da können wir lernen.“

Da er früher selbst Ranger war, freute sich der australische Gast über die Exkursion mit Nationalpark-Ranger Rainer Rehm zur Hamburger Hallig. „Weltweit sind die Ranger das Gesicht der Nationalparke.“

Day berichtete, dass auch am Great Barrier Reef die Ausweisung fischereifreier Zonen zunächst schwierig war, da die Fischer dies abgelehnt hatten und keine Informationen über Fanggründe liefern wollten. Dies änderte sich, als schon nach wenigen Jahren nicht nur positive Effekte in den fischereifreien Gebieten nachgewiesen wurden, sondern auch mehr und größere Fische außerhalb.

Mit ernstem Gesicht wies Jon Day auf die Probleme des Barrier Reef hin. So bleichen infolge des Klimawandels viele Korallen aus und die Häufigkeit von Zyklonen nimmt zu. An der Küste leben immer mehr Menschen – und die Wasserqualität im Binnenland nimmt ab. Alle fünf Jahre erscheint ein auf wissenschaftlichen Belegen gegründeter Zukunftsbericht. Für Kernaussagen wird eine einfache Sprache verwendet, um Politikern und Entscheidungsträgern die entscheidenden Botschaften zu vermitteln. Beim letzten Bericht in 2009 wurde der Zustand des Great Barrier Reef insgesamt als schlecht bewertet. Bei dem in diesem Jahr anstehenden Bericht wird diese Bewertung wohl erneuert werden. „Das Barrier Reef wird bleiben, aber das Ökosystem wird sich verändern. Teilweise geschieht dies schon.“

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erstellt am 19.Feb.2014 | 11:30 Uhr

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