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Aus für Tönninger Klinik : Enttäuschung über Kreistags-Beschluss

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es ist nicht genug für den Erhalt des Tönninger Krankenhauses getan worden, hieß es am Rande der entscheidenden Sitzung in Husum.

von
erstellt am 24.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Dass das Tönninger Krankenhaus noch zu retten ist, diese Illusion hatte wohl keiner der mehr als 60 Demonstranten aus Eiderstedt, die sich am Mittwochmorgen (23. März) vor dem Husumer Kreishaus versammelt hatten. Sie wollten vielmehr noch einmal ihrem Unmut darüber Luft machen, dass die stationäre Versorgung in Tönning zum 30. Juni 2017 spätestens geschlossen wird. Außerdem appellierten sie an die Kreistagsabgeordneten und Landrat Dieter Harrsen, der auch zu der Versammlung sprach, sich für die Sicherung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), einer 24-Stunden-Notfallversorgung und des Rettungsdienstes für Eiderstedt stark zu machen. Der Kreis Nordfriesland ist Träger des Klinikums Nordfriesland, zu dem der Standort Tönning gehört. Auch ein Dithmarscher war angereist, er machte auf die Bedeutung von Tönning für das nördliche Dithmarschen aufmerksam. Für Eiderstedt sprachen auf der Demo Hans Jacob Peters, Vorsitzender des Fördervereins Krankenhaus Tönning, und Egon Kring, ebenfalls im Vorstand des Vereins. Beide warben noch einmal intensiv für den Standort, wiesen auf die weiten Wege und die hohen Urlauberzahlen im Sommer hin. 8000 Unterschriften hatte der Förderverein für den Erhalt des Krankenhauses gesammelt. „Doch die zählen offensichtlich nichts“, merkte Heiner Hahn, Vorsitzender des Seniorenbeirats Tönning, an.

Doch letztlich wurde dann im Kreishaus abgestimmt wie erwartet. Allerdings nicht über den Beschlussvorschlag der Verwaltung, sondern über den von sechs der sieben Fraktionen. Darin wird für Tönning gefordert: die Einstellung der stationären Versorgung zum 30. Juni 2017, vorausgesetzt der Betrieb kann aus organisatorischen und personellen Gründen bis zu diesem Zeitpunkt gewährleistet werden. Denn, wie es in der Sitzung hieß, sind in Tönning erste Abwanderungstendenzen von Personal spürbar. Im Antrag wird weiter gefordert, dass vor der Schließung der Weiterbetrieb des MVZ zur ambulanten Versorgung dauerhaft sichergestellt sein muss, Träger soll das Klinikum NF sein. Für eine Nachnutzung des Gebäudes sind bevorzugt solche zu wählen, die der Palliativ- und der Hospizversorgung dienen. Auch soll geprüft werden, ob die Flüchtlingshilfe Räume bekommen kann. Ferner ist die Notfallversorgung für die Halbinsel sicherzustellen und alle Möglichkeiten des Strukturfonds auszuschöpfen. Außerdem wird der Landrat beauftragt, die ambulante Versorgung und den Rettungsdienst auf Eiderstedt so zu gestalten, dass die Schließung bestmöglich ausgeglichen wird, dazu gehört auch der Erhalt des Durchgangsarzt-Sitzes, die Notfallversorgung nachts, an Wochenenden und an Feiertagen in Tönning und St. Peter-Ording und die Anpassung der Kapazitäten des Rettungsdienstes.

Speziell über die Schließung von Tönning wurde auf Antrag von Nico Hamkens (SPD, Husum) extra offen abgestimmt. Er, sein Fraktionskollege Dirk Althof (Oldenswort) und Mery Ebsen (WGNF, Tönning) lehnten ab ebenso die drei Vertreter der Freien Sozialen Demokraten (FSD), die übrigen 44 Abgeordneten stimmten mit Ja. Bei der zweiten Abstimmung über den weiteren Inhalt des Vorschlags der sechs Fraktionen waren dann fünf dagegen, darunter Mery Ebsen, und der Rest dafür. Die FSD hatte übrigens einen eigenen Antrag eingebracht, der sich ausdrücklich für den Erhalt von Tönning ausspricht und Vorschläge für die Fortführung macht. Dieser wurde aber abgelehnt, lediglich Mery Ebsen, Thomas Ries (SSW) und die FSD-Fraktion stimmten dafür.

Mit diesem Beschluss war niemand der Eiderstedter zufrieden. „Das ist nur eine Beruhigungspille“, sagte Hans Jacob Peters am Rande der Sitzung. Was vorgeschlagen worden sei, werde wahrscheinlich gar nicht komplett umgesetzt. Tönnings Bürgermeisterin Dorothe Klömmer fürchtet, dass das Krankenhaus nun wegen der Personalabwanderung noch früher geschlossen wird. „Das ist der falsche Fingerzeig, das in die Vorlage zu schreiben.“ Denn es sei gar nicht abschließend geprüft worden, wie Tönning erhalten werden könnte, lediglich mit der Geriatrie habe sich das BDO-Gutachten befasst. Dabei sei noch Zeit gewesen, da Liquidität noch bis Ende 2017 gegeben sei. Diese Entscheidung hätte zurückgestellt werden müssen. „Ich sehe schon, dass sich die Abgeordneten die Entscheidung nicht leicht machen. Aber man hätte sich schon früher mit Tönning befassen müssen, die Stadt hat das schon vor Jahren angesprochen.“ Eiderstedts Amtsdirektor Herbert Lorenzen nannte den Antrag „den kleinsten gemeinsamen Nenner. Das bringt uns nicht viel weiter. Es gibt Arbeitsaufträge, aber keine Lösung“. St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier fordert nachdrücklich, dass die Notfallversorgung für Eiderstedt mit Stationen in Tönning und St. Peter-Ording sichergestellt werden müsse, angesichts von 300.000 Urlaubern und 600.000 Tagesgästen jährlich im Badeort. „Wir müssen den Bürgern und Gästen das Gefühl der Sicherheit geben.“ Heiner Hahn bemängelte, dass an der Gesundheit gespart werde, während für Tierbrücken über die Autobahn fünf Millionen ausgegeben werden. Der Beschluss für Tönning hätte aufgeschoben werden müssen, bis einige Aspekte geklärt worden wären.

Klömmer, Lorenzen und Balsmeier wünschen sich nun, dass die Verantwortlichen der Halbinsel bei der Ausgestaltung von MVZ, Rettungsdienst und Notfallversorgung vom Kreis mit ins Boot geholt werden. „Und dass wir uns dafür nicht aufdrängen müssen“, betonte Balsmeier.

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