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Aus für Standort Husum : Enttäuscht über harte Senvion-Haltung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf scharfe Kritik stößt die Senvion-Entscheidung, in Husum kein Servicezentrum für Windkraftanlagen einzurichten. Kreis Nordfriesland und Wirtschaftsförderung suchen derweil nach neuen Perspektiven für den Standort.

Auf Unverständnis, Unmut und Kritik stößt die Entscheidung des Windkraftanlagen-Herstellers Senvion, seinen Standort in Husum komplett aufzugeben. Bis zuletzt hatten viele darauf gehofft, dass dem Alternativ-Konzept der Betriebsräte zum Aufbau eines Service-, Wartungs- und Reparaturzentrums in der nordfriesischen Kreisstadt eine Chance gegeben wird. Vorgestern hatte die Konzernspitze dem jedoch eine Absage erteilt (wir berichteten). Rund 100 Arbeitnehmer verlieren dadurch endgültig ihren Job.

„Senvion zeigt null soziale Verantwortung und einen fragwürdigen wirtschaftlichen Sachverstand.“ So kommentiert die Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) SH-Nordwest, Dr. Susanne Uhl, die Entscheidung der Unternehmensleitung, die Standort-Schließung in Husum trotz ökonomisch attraktiver Alternativen durchzusetzen. Im Rahmen der Gespräche mit Betriebsräten und der IG Metall habe die Konzernleitung das Husumer „SENRepair“-Konzept zurückgewiesen, obwohl es gute Ideen beinhalte. Die schlichte Aussage: Es sei im Ausland einfach billiger zu verwirklichen.

„Das lapidare Abkanzeln eines von allen Seiten anerkannten und gelobten Alternativkonzeptes kann sich eigentlich nur jemand leisten, der in Schleswig-Holstein kein Geschäft mehr machen will. Denn natürlich spielte es bei Kaufentscheidungen in der Vergangenheit eine Rolle, dass Senvion in Nordfriesland und in Schleswig-Holstein verankert ist“, sagt Susanne Uhl dazu. Dabei sei das Alternativkonzept des Betriebsrates so überzeugend, dass sich viele in der Region dafür stark gemacht hatten – der Kreistag, der ehemalige Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), Bürgermeister, Landrat und auch viele Betreiber von Senvion-Windenergieanlagen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Jensen zieht gar in Zweifel, das die Senvion-Spitze es überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen hat, die Arbeitsplätze in Husum zu retten. „Von Anfang an hat man sich von Seiten Senvions dazu sehr bedeckt gehalten und auf Gesprächsanfragen unsererseits nicht reagiert. Das erweckt schon den Eindruck, dass möglicherweise von Anfang an feststand, das Werk vollständig zu schließen und die Überlegungen, den Servicebereich auszudehnen überhaupt nicht angestellt worden sind“, so Jensen mit Blick auf den mit großen Anstrengungen erarbeiteten Rettungsplan. Das Aus für den Senvion-Standort Husum sei „ein Unding in einer Region, die mit Fug und Recht die Wiege der Windkraft genannt werden kann“.

„Es enttäuscht mich, dass die Senvion-Zentrale in Hamburg das Alternativkonzept der Betriebsräte abgelehnt hat. Es hätte echte Chancen geboten“, betonte Landrat Dieter Harrsen. Er richtete gestern aber den Blick auch nach vorn: „Nun wird der Kreis sich dafür einsetzen, möglichst schnell zukunftsgerichtete Unternehmen anzusiedeln, die der hochqualifizierten Mitarbeiterschaft neue Perspektiven eröffnen. Da bin ich guten Mutes, denn Husum ist und bleibt ein idealer Standort für die Windkraftbranche.“

„Jetzt muss es darum gehen, neue Firmen am Husumer Hafen anzusiedeln“, betont auch Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF. Die Werkschließung in Husum sei eine unternehmerische Entscheidung von Senvion, und da habe die öffentliche Hand leider keine direkten Einflussmöglichkeiten. Deshalb schlägt Hüppauff der neuen Landesregierung vor, eine Beteiligungsgesellschaft zu gründen, wie es sie in Hamburg, Niedersachsen oder Bayern gibt. Auf diese Weise könnte das Land Anteile an wichtigen Unternehmen erwerben – fünf Prozent plus eine Aktie reiche für einen Aufsichtsrats-Sitz –, um sich Einflussmöglichkeiten bei Standortentscheidungen zu sichern. „Das ist keine Subvention, das ist Industriepolitik, und die fehlt in Schleswig-Holstein gänzlich“, sagte Matthias Hüppauff.

Welche Perspektiven sich für die Zukunft bieten, zeigt Sascha Wiesner, Leiter des Erneuerbare-Energien-Clusters (EE.SH), auf: „Husum ist einer der wenigen Standorte an der Westküste, an dem man direkt über die Kaikante verladen kann. Hier gibt es die Werften-Infrastruktur mit gut ausgebildeten Fachkräften und ein funktionierendes Logistik-Konzept mit dem Frachtschiff Maike. Das ist attraktiv für alle Firmen, die Komponenten für die Schiffs- oder Offshore-Wind-Industrie fertigen.“

Unterdessen wollen die Gewerkschaften noch einmal die Ereignisse der vergangenen Wochen aufarbeiten und beraten. Dazu laden DGB und IG  Metall zu einer Info-Veranstaltung am kommenden Montag (17.) um 19 Uhr ins Husumer Handwerkerhaus, Süderstraße 97, ein.

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erstellt am 13.Jul.2017 | 09:41 Uhr

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