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Problemfall Mühlenteich : Enten mit Speiseabfällen gefüttert

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Trotz Verbots bekommen die Tiere im und auf dem Mühlenteich in Bredstedt von Spaziergängern etwas zu fressen. Dabei sieht das Landesjagdgesetz bis zu 5000 Euro Strafe für die illegale Fütterung von Wildtieren vor.

shz.de von
erstellt am 06.Jan.2016 | 17:32 Uhr

Verschimmelte Brotlaibe, Gulasch-Reste, Bratkartoffeln, in Plastik verpackte Toastbrote oder Tortenböden: Die Liste der Lebensmittel, die Irmgard Wöhst regelmäßig im Mühlenteich findet, ist lang. Dabei ist das Entsorgen von Essensresten in dem Gewässer ebenso verboten wie das Füttern der Enten. „Die Tiere finden alles in der Natur, was sie brauchen“, sagt sie – und spricht deswegen auch regelmäßig Spaziergänger an, die den Enten etwas zu fressen geben oder ihre Abfälle in den Teich werfen wollen.

Vor knapp zwei Jahren ließ die Stadt deswegen Infotafeln aufstellen, die unter anderem darauf hinweisen, dass Wasservögel und Fische im und um den Mühlenteich nicht gefüttert werden dürfen. Bis zu 5000 Euro Strafe sieht das Landesjagdgesetz für ein Vergehen vor. Illegal entsorgter Müll wird nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ebenfalls geahndet. Dennoch lassen sich viele Passanten davon nicht abhalten.

Das größte Problem sei es, die Täter direkt vor Ort zu erwischen. „In der Regel ist es daher so, dass der Bauhof ausrückt und den illegal entsorgten Müll beseitigt“, sagt Felix Middendorf vom Amt Mittleres Nordfriesland. Wird der Verursacher erwischt, trage er in jedem Fall aber auch die Kosten für die Entsorgung.

Dass die Tiere am Mühlenteich in diesem Ausmaß gefüttert werden, sei nicht immer so gewesen, sagt Irmgard Wöhst: „Vor den 1980er Jahren hat es das kaum gegeben.“ Bis dahin hatte das Gewässer ihrem Urgroßvater, dann ihrem Großvater und zuletzt ihrem Vater gehört, der es dann schließlich an die Stadt Bredstedt verkaufte. Da ihre Vorfahren den Teich für die Karpfenzucht sowie die angrenzende Wassermühle zum Mahlen von Getreide nutzten, hatten sie auch stets ein Auge darauf, dass dort niemand die Enten zusätzlich mit Nahrung versorgt, sagt die 68-Jährige.

Inzwischen habe sich dadurch auch die Tierwelt verändert. Lediglich Stockenten, Bläss- und Teichhühner würden sich heute noch am Teich aufhalten. Dazugekommen sind Möwen, die es dort früher kaum gegeben habe. Auch ihr Verhalten ist mittlerweile an die Situation angepasst. Kommen Spaziergänger mit Plastiktüten vorbei, fliegen die Enten und Möwen erwartungsfroh auf sie zu und folgen ihnen sogar, sagt Irmgard Wöhst. „Im Sommer macht denen das vielleicht Spaß – die fressen den Leuten sogar aus der Hand. Aber ein wilder Vogel macht so etwas eigentlich nicht.“

Zusätzlich entsteht durch das Füttern die Gefahr, dass zu viele Wasservögel angelockt werden, die durch ihre Ausscheidungen wiederum die Zufuhr von Pflanzennährstoffen im Mühlenteich erhöhen. Die Folge ist übermäßiges Wachstum bestimmter Pflanzen- und Algenarten, die zu schädlichem Nährstoffreichtum führen. Dadurch kann dann Faulschlamm und giftiger Schwefelwasserstoff entstehen, der fast alle Lebewesen absterben – und das Wasser im Teich letztlich umkippen lassen kann.

Bereits seit Jahren kämpft die Stadt gegen die zunehmende Verschlammung und Verschilfung des Mühlenteichs. Fast 200.000 Euro wurden mittlerweile für Gegenmaßnahmen investiert. Zuletzt Anfang 2012 wurde ein Großteil des Wassers aus dem Teich gelassen, um ihn auszubaggern. Allerdings brachte die Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg. Um langfristig etwas zu unternehmen, müsste das Gewässer über einen längeren Zeitraum komplett trockengelegt und der Schlamm ausgebaggert werden, hieß es in einer Diskussion des Bauausschusses im vergangenen Jahr. Da es sich dabei aber um eine sehr kostenintensive Methode handle, wurden im Herbst stattdessen zunächst Teile der Röhrichtpflanzen mit Hilfe eines Mähbootes entfernt. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde sollen die Schilfgürtel dann im Frühjahr mit einem Langarmbagger entfernt werden.

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