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St. Peter-Ording : Entdeckerpfad durch die Salzwiesen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Umweltausschuss von St. Peter-Ording gibt grünes Licht für einen Naturerlebnisraum im Vorland zwischen Bad und Dorf. In den Salzwiesen gibt es auch einige seltene Tier- und Pflanzenarten.

Vor seiner „Meerestür“ und mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer hat St. Peter-Ording wahrhaftige Schätze liegen. Manche sind sofort wahrnehmbar. Das sind die Sandbänke und Dünen und vor allem der zwölf Kilometer weite Sandstrand von Böhl bis Ording und weiter nach Hungerhamm mit Blick auf den Leuchtturm Westerheversand. Nur diese natürlichen Gegebenheiten haben die Entwicklung des Kur- und Badeortes zu einem Hot-Spot des Tourismus möglich gemacht. Nach vielen Jahren der Kooperation ist St. Peter-Ording seit einem Jahr auch offiziell Nationalparkpartner.

Aber bereits 2010 hatte sich die Nationalpark-Service gGmbH, vertreten durch Dr. Gerd Meurs-Scheer, mit der Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording, der Schutzstation Wattenmeer und dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) mit dem Ziel zusammengefunden, die außergewöhnliche Naturausstattung im „Großraum der St. Peter-Ordinger Sandbank“ und die touristische Entwicklung des Ortes auch im Sinne der Nachhaltigkeit voranzubringen. Dahinter steht der Leitgedanke: „Natur schafft Kultur – Kultur prägt Natur“ und „Der Mensch ist Gast in der Natur“.

Außergewöhnlich sind vor allem die Bereiche zwischen den Stranddünen und dem Deich. Es sind vorwiegend Salzwiesen. Das Gebiet vor dem etwas niedriger gelegenen Deich zwischen der Busspur zum Südstrand und der Seebrücke im Bad genießt dabei aufgrund seines Entstehens und seiner Beschaffenheit größte Aufmerksamkeit. Geprägt ist das Gebiet durch einen Priel, zwei Salzwiesen, Strandwälle mit Dünenvegetation und Schilfröhrichten sowie Gesträuch in Deichnähe. Seine Sand-Salzwiesen sind die artenreichsten in Schleswig-Holstein. Dort finden sich auch viele seltene Pflanzen- und Tierarten wie das Strand-Tausendgüldenkraut und der Wolfsmilch-Spinner. Außerdem ist es für viele Vogelarten Brutgebiet.

Nun befasste sich der Umweltausschuss mit diesem einzigartigen Naturareal. Denn dort soll ein Naturerlebnisraum eingerichtet werden. Dazu referierte der Diplom-Biologe Andreas Schmidt von „NaturErleben Molfsee“. Er stellte das Entwicklungskonzept WNE-Naturerlebnisraum „Vorland St. Peter-Bad“ (NER) vor. Bürgermeister und Tourismus-Direktor Rainer Balsmeier hatte vorab den Zusammenhang des Entwicklungskonzeptes für diesen NER mit dem zweiten Abschnitt der Erlebnispromenade und dem geplanten Familienzentrum auf dem ehemaligen Rollschuhplatz (wir berichteten) angesprochen. Bereits seit dem Jahr 2000 ist der NER im Flächennutzungsplan der Gemeinde vorgesehen.

Der künftige Naturerlebnisraum mit einer Fläche von rund 13 Hektar reicht – durch einen Priel begrenzt – seeseitig von der Buhne entlang des Deichfußes auf einer Länge von etwa 800 Meter bis in Höhe des Fritz-Wischer-Platzes (Strand-Klinik). Dort wird der hinter dem Deich liegende Wassergraben über einen Deichdurchlass in den fünf Meter breiten ständig wasserführenden Vorlandpriel entwässert. Eine der vier Treppen führt hinunter auf einen Trampelpfad am historischen Stockenstieg vorbei bis zur Buhne. Die Gemeinde St. Peter-Ording (deichnah) und Land Schleswig-Holstein sind Flächeneigentümer. Die Flächen sind Teil der frei begehbaren Zone 2 des Nationalparkes. Die Einrichtung des NER in unmittelbarer Nähe zu Buhne und Badbrücke sei gleichzeitig Chance und Herausforderung. An keinem anderen Ort in Schleswig-Holstein kämen sich nämlich eine intensive touristische Nutzung mit geschätzten 600.000 Besuchern im Jahr und ein außergewöhnlicher Naturraum so nah, heißt es im Konzept.

Vorgesehen ist ein Naturerlebnis-Angebot in Form von vier vom Deich aus begehbaren Themeninseln am Standort der jetzigen Treppen – Einführung NER, Salzwiesen und Artenvielfalt, Nationalpark und Vögel, Küstenlandschaft und Mensch – und von neun Stationen im Vorland wie Insektenvielfalt, Flowering Five, Zonierung der Salzwiese, Gezeiten und Small Five. Mit dieser Attraktivitätssteigerung ist die Hoffnung auf mehr Besucher verbunden, zugleich aber auch deren Lenkung und dadurch Schutz der Natur durch Verminderung von Störungen. Der Kostenrahmen beläuft sich auf 250.000 Euro mit einem sehr hohen Förderanteil. Das Nationalpark-Haus ist mit Führungen fest eingebunden. Dessen Leiterin, Diplom-Biologin Sabine Gettner von der Schutzstation Wattenmeer, hat an dem Konzept mitgewirkt, ist Ansprechpartnerin vor Ort und für die inhaltliche Betreuung zuständig.

In der Aussprache ging es unter anderem um die Finanzierung, Unterhaltung und Barrierefreiheit. Reinhard Lucassen (AWG) erklärte zusammenfassend: „Wir können nichts Besseres tun, als unseren Besuchern diesen Schatz nahe zu bringen.“ Der Umweltausschuss votierte einstimmig für die Umsetzung.

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