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Sechste Veranstaltung : Entdecker einer versunkenen Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Nordstrander Rungholtpreis wurde an den Hobbyforscher Helmut Bahnsen und den Archäologen Dr. Hans Joachim Kühn verliehen. Ein weiterer Höhepunkt der Rungholttage war ein Vortrag von Dr. Walter Petersen-Andresen über die Eindeichung des Beltringharder Kooges.,

„And the winner is“ – so hätte es bei der Oscar-Verleihung geklungen. Etwas unspektakulärer ging es im Rahmen der 6. Nordstrander Rungholttage zu. Zum zweiten Mal in Folge verliehen die Ehrenamtler des Handels-, Gewerbe- und Vermietervereins (HGV) Nordstrand mit ihrem Vorsitzenden Ralph Betzgen und der Rungholtgesellschaft, voran Geoarchäologe Dr. habil. Dirk Meier, den Rungholtpreis 2013. Die Replik des Siegels der Edomsharde aus Ton ging an den Pellwormer Hobby-Forscher Helmut Bahnsen und den Archäologen Dr. Hans Joachim Kühn, Westküstendezernent des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein.

Bahnsen bezeichnete Nationalpark-Wattführerin Cornelia Mertens in ihrer Laudatio als Andreas Buschs Erben. Dieser gilt als der Entdecker der in der schweren Sturmflut von 1362 versunkenen Gemeinde. Mit dem Fund einer alten Tonscherbe im Jahre 1971 vor Pellworm war Bahnsens Forscherdrang geweckt worden. Mit Ehefrau Rita suchte er Spuren Rungholts rund um Pellworm und entdeckte die untergegangenen Orte Waldhusen, Buphever, Südersiel und Untjehörn. „Wie kein Zweiter kann Bahnsen aus den Spuren im Wattboden auf die ursprünglichen Dinge schließen. Er ist Experte im Identifizieren und Zuordnen von Keramikfunden“, so Mertens. Aus privaten Mitteln habe er 1980 sein Museum mit Relikten aus den Jahren zwischen 1100 und 1800 eingerichtet. Fast eine Million Teile seien in 39 Jahren zusammengekommen. Sie alle geben Einblick in das Leben der Menschen damals. Zur Geschichte der Insel Strand und dem untergegangenen Rungholt habe Bahnsen in der Region die meisten Kenntnisse. Die Führungen durch sein Museum mache er immer selbst. Von der alten Pellwormer Kirchenglocke besitzt er sogar ein Stück, das der Pirat Kort Wiederich verloren hatte. „Zweimal am Tag legt das Meer Geschichte frei. Was heute nicht geborgen wird, ist morgen für immer für die nachfolgenden Generationen verloren. Helmut Bahnsen kümmert sich darum“, so Mertens.

Die Laudatio auf den zweiten Preisträger hielt Dr. Meyer. Der auf Hooge geborene Archäologe habe sich um viele Ausgrabungen im Watt und adäquate Fachliteratur verdient gemacht. Dabei sei Dr. Kühn nicht um die Erkenntnisse des Hobby-Forschers Bahnsen herumgekommen. Er habe vielen jungen Studenten ermöglicht, aktiv bei Ausgrabungen mitzuarbeiten. Dank seines Einsatzes habe das von ihm bei Uelvesbüll 1994 ausgegrabene Schiff – ein Frachtensegler aus dem 17. Jahrhundert – seinen Standort im Husumer Schifffahrtsmuseum gefunden.

Nach dem feierlichen Akt zeigte Dr. Kühn Fotos der bedeutendsten Funde vom Schiffsfriedhof Süderoogsand. Dort waren alljährlich viele Schiffe gestrandet, zwischen 1600 und 1900 allein 800. „Das Gebiet unterliegt starken Strömungen“, so Dr. Kühn. Meist seien die Schiffe binnen weniger Tage von der Brandung zerschlagen worden oder im Sand versunken, darunter die Kollerup-Kogge von 1150, die Bark „Berian“ im Jahre 1869 oder 1950 die „Ormen Friske“, der Nachbau eines Wikingerschiffs. 1867 wurde auf dem Sand eine 24 Meter hohe Bake mit einem Schutzraum errichtet, in den sich Schiffbrüchige retten konnten.

Zum Jahreswechsel 2012/13 spülte die Flut drei weitere Wracks frei. Neben einem unbekannten Holzschiff um 1700 und einem Stahlschiff handelte es sich um die spanische Bark „Ulpiano“, die 1870 auf ihrer Jungfernfahrt unterging.

Weitere Höhepunkte der Rungholttage waren die Lesung des Schauspielers und Regisseurs, Professor Hans-Peter Bögel, Vorträge von Dr. Walter Petersen-Andresen über die Eindeichung des Beltringharder Kooges, Prof. Dr. Jürgen Newig zum Thema „Die Küstengestalt Nordfrieslands im Mittelalter“ und Prof. Dr. Jos Bazelmanns, Leiter der niederländischen Denkmalspflege in Amersfoort, über die holländischen Windmühlen.

Musikalischer Höhepunkt war der Auftritt der Akteure des Shanty-Chores „De Fideelen Nordstrander“ mit Liedern über Rungholt und von den sieben Weltmeeren. Gut 60 Gäste nahmen an der Exkursion auf den Spuren Rungholts zur Hallig Süderoog teil. Zufrieden zeigte sich der HGV-Vorsitzende: „Die Rungholttage sind eine Institution für Nordstrand geworden“, sagte er.

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