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Husum und der Brexit : England geht, die Freundschaft bleibt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für die Partnerschaft mit Kidderminster hat der Brexit keine Folgen – und die meisten Firmen der Region machen sich ebenfalls wenig Sorgen. Allerdings wird es wohl weniger englische Touristen geben.

Was bedeutet der Brexit für Husum? Gibt es direkte wirtschaftliche Auswirkungen oder solche auf die Städtepartnerschaft mit dem englischen Kidderminster? Letzere zumindest nicht, sind sich Rainer Maaß, der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins in Husum, und Charles Talbot, Gründer des entsprechenden Vereins auf britischer Seite einig: „Die Partnerschaft gab es schon vor der Europäischen Union und es wird sie auch danach geben“, so das frühere Stadtoberhaupt von Kidderminster. Beide zeigen sich jedoch sehr enttäuscht vom Ausgang der Abstimmung: „Ich hatte gehofft, dass die Vernunft siegt“, sagt Maaß und Talbot verspricht, dass die Einwohner von Kidderminster ihren Partnern in Deutschland beweisen wollen, „dass es auch Engländer gibt, die weiter denken, als es das Votum vermuten lässt“. Auch Bürgermeister Uwe Schmitz macht sich zumindest in dieser Hinsicht keine Sorgen: „Hier geht es um Menschen und ihre Freundschaft, das ist etwas ganz anderes als die politische Lage.“

Allerdings könnten Gäste aus England in der Storm-Stadt durchaus seltener werden, fürchtet Michael Lohmann, Geschäftsführer des Husumer Unternehmerberatungsbüros Concept Nord. „Der Anteil von Touristen aus Großbritannien ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Durch die Abwertung des Britischen Pfunds und die sinkende Wirtschaftskraft nach dem EU-Austritt haben die Briten aber nicht mehr so viel Geld in der Tasche und werden weniger reisen“, prophezeit er. Zumal auch die EU-Erleichterungen im Flugverkehr wegfallen.

„Der Brexit ist gesamtwirtschaftlich total ärgerlich und für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Peter Cohrs, der Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Für sein Modehaus C. J. Schmidt sieht er kurzfristig jedoch keine direkten Probleme: „Wenn wir englische Waren einkaufen, dann meist über deutsche Niederlassungen.“ Dennoch sei zu erwarten, dass der internationale Warenverkehr mit England in Zukunft viel umständlicher ablaufen wird. Auch Dr. Thomas Ebel, Geschäftsführer beim Kondensatoren-Hersteller F. T. Cap, sieht den Brexit derzeit „ohne große Konsequenzen“ für sein Unternehmen. „Bei international operierenden Firmen ist die Gemengelage ohnehin komplex.“ Genau abschätzen könne er die Entwicklung aber natürlich nicht: „Das erfüllt uns schon mit Sorge.“

Messechef Peter Becker möchte sich in Bezug auf die Zukunftsaussichten ebenfalls nicht festlegen. „Das Verfahren dauert ja jetzt erst einmal zwei Jahre und jede Voraussage ist spekulativ.“ Er gehe davon aus, dass der Brexit auf das Messegeschäft zunächst einmal keine Auswirkungen hat. „Aber das kann sich ändern.“

Nach einer Blitzumfrage des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste (UVUW) sieht die Mehrheit der nordfriesischen Unternehmer den Folgen ebenso gelassen entgegen. Danach erwarten 77 Prozent der Unternehmensvertreter keine negativen Auswirkungen für ihr Geschäft und nur drei Prozent der befragten Firmen unmittelbare negative Folgen. „Die Unternehmen im Kreis bedauern zwar gesellschaftspolitisch den Austritt Großbritanniens, sehen aber ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet“, so UVUW-Geschäftsführer Ken Blöcker. Immerhin glauben aber 20 Prozent der Kreis-Arbeitgeber, dass sich der Brexit indirekt nachteilig auf ihr Wirtschaften auswirken werde.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 08:00 Uhr

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