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Ehrenamtliche Hilfe : Engel für Eiderstedts Asylbewerber

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rebecca Mansel aus Tönning hilft ehrenamtlich den Flüchtlingen in der für sie fremden Umgebung zurechtzukommen. Die bislang 29 Asylsuchenden auf Eiderstedt verstehen die Sprache nicht und sind auf Hilfe angewiesen.

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erstellt am 18.Sep.2014 | 13:00 Uhr

Immer mehr Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Ländern Afrikas drängen nach Europa. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Menschen, die Asyl in einem sicheren Land suchen. Diese Betroffenen brauchen ein Dach über dem Kopf. Sie werden in den Bundesländern nach einem bestimmten Schlüssel auf die Kreise verteilt, diese übergeben eine bestimmte Anzahl wiederum an die Ämter. So hat das Amt Eiderstedt bislang für 29 Asylsuchende gesorgt. „Bis zum Jahresende werden es insgesamt 48 sein“, sagt Jochen Guhlke von der Amtsverwaltung. 2012 waren es noch 23 Menschen. Die Wohnungen muss das Amt auf dem privaten Markt finden.

Doch nur für eine Unterkunft zu sorgen, reicht allein nicht. Die Menschen, die aus anderen Kulturkreisen kommen, meist kein Deutsch sprechen, sich nicht mit dem deutschen Alltag auskennen, brauchen noch mehr Betreuung. „Doch das können die Mitarbeiter der Verwaltung gar nicht leisten“, sagt Amtsdirektor Herbert Lorenzen. „Wir können ihnen eine Einweisung geben und dann sind sie sich im Grunde selbst überlassen“, ergänzt Guhlke. Darum sind beide umso glücklicher, dass sich nun Rebecca Mansel aus Tönning bereit erklärt hat, den Asylsuchenden auf Eiderstedt zu helfen. Und das ehrenamtlich.

Die 31-jährige Diplom-Pädagogin bringt dafür beste Voraussetzungen mit. „Ich bin schon immer mit dem Thema konfrontiert worden. Ich bin in Neuss aufgewachsen, haben dann in Berlin-Neukölln gewohnt.“ In Bamberg hat sie Kunstkurse für Flüchtlingskinder geleitet. Ferner hat sie interkulturelle Pädagogik und Ethnologie studiert sowie in der psychosozialen Beratung gearbeitet. Derzeit ist sie an der Tönninger Grundschule tätig. „Sie ist viel besser qualifiziert als einer von uns in der Verwaltung“, sagt Jochen Guhlke.

„Wo das Amt aufhört, fange ich an“, sagt sie. „Ich erkläre den Menschen, wo sie einkaufen, zum Arzt gehen und Bankgeschäfte abwickeln können, wie sie ins Internet kommen. Ich beantworte ihre Fragen rund um den Alltag.“ Dazu gehört auch, Fahrräder zu besorgen oder Kontakt zu Sportvereinen aufzunehmen. Und ganz wichtig: die ersten Sprachhürden zu nehmen. „Denn Asylbewerber, die noch keine Aufenthaltsgenehmigung haben, erhalten keinen Deutschkursus.“ Sie dürfen auch keiner Arbeit nachgehen. „Es gilt auch, eine Beschäftigung für sie zu finden.“ Gerade hat sie einen Unterricht gestartet, in Sitten und Gebräuchen, Umgangsformen und Deutsch. „Sie lernen die für den Alltag wichtigsten Sätze und die Schrift. Denn in Syrien und Afghanistan ist die ja ganz anders.“ Die Arbeiterwohlfahrt in Tönning hat dafür einen Raum zur Verfügung gestellt.

„Ich bin hocherfreut, dass wir diesen Weg gehen können“, sagt Lorenzen. „Damit die Menschen wieder etwas Boden unter den Füßen bekommen und sich später besser integrieren können, wenn ihr Antrag genehmigt ist.“ Auch in den Dörfern, in denen sie untergebracht werden, werden noch Ansprechpartner gesucht, die den Asylsuchenden bei kleinen Dingen des Alltags helfen wollen. Wer Hilfe anbieten möchte, beispielsweise Deutschunterricht, der wendet sich an Inke Stuertz vom Amt Eiderstedt (Telefon 04862/10000). Über Möbel- und Kleiderspenden freut sich das Amt zwar, kann diese aber nicht lagern. Daher bezieht es diese Dinge von den karitativen Einrichtungen, die gerne Spenden annehmen.

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