Ausstieg eines Machers : Engagiert in Ehrenamt und Familie

Jeden Zeitungsausschnitt über sein Engagement hat Arno Belasus sorgfältig archiviert.
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Jeden Zeitungsausschnitt über sein Engagement hat Arno Belasus sorgfältig archiviert.

Der Oster-Ohrstedter Arno Belasus ist Ehrenvorsitzender der Deutsch-Lettischen Gesellschaft, hilft im Verein St. Johannis und spielt mit seinen Enkeln. Nachdem er einen Europa-Preis erhalten hat, steigt er aus.

shz.de von
28. Juli 2015, 12:00 Uhr

Als Arno Belasus im Dezember 2011 die vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhielt, war diese Ehrung für ihn so etwas wie die Krönung seines langjährigen ehrenamtlichen Engagements für Menschen in Not. So mancher hätte sich zur Ruhe gesetzt, doch der damals 69-Jährige machte unbeirrt weiter: Sowohl in der von ihm 1993 mitgegründeten Partnerschaft zwischen den Gemeinden Bordesholm und Kekava in Lettland (vormals Deutsch-Lettische Gesellschaft), als auch in seinem seit 2001 bestehenden Verein St. Johannis Bruderhilfe zur Selbsthilfe – Menschen in Not unter der Schirmherrschaft der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland. Den Vereinsvorsitz hat der mittlerweile fast 74-Jährige im April in jüngere Hände abgegeben, bleibt der Bruderhilfe als Ehrenvorsitzender aber eng verbunden.

Sachspenden für die vielfältigen Transporte in bedürftige Regionen nimmt er allerdings nicht mehr selbst entgegen. Das einst riesige Sammellager in seinem Haus in Oster-Ohrstedt ist Geschichte. „Ich war der große Organisator“, erinnerte sich Belasus gerne an die vielen Projekte, die er in rund 25 Jahren angestoßen und umgesetzt hat. Sachspenden im Wert von rund 100 Millionen Euro dürften es gewesen sein, die Belasus in dieser Zeit auf große Lastwagen verladen und in die ehemalige DDR, nach Lettland, Estland, Polen oder in die Türkei gebracht hat.

Angefangen hat sein soziales Engagement bereits früh in der ostpreußischen Heimat. So begleitete der junge Arno einen blinden Soldaten, der mit einem Bauchladen im Dorf von Haus zu Haus ging, und sammelte mit dem Pastor des Ortes Spenden für ein Waisenhaus. „Krieg, Vertreibung, Hunger und Elend, diese Eindrücke haben mein Leben geprägt“, sagt er.

Als sich 1989 die Grenzen nach Osten öffneten, beschlossen Arno Belasus und seine Frau Ute, überall dort aktiv zu helfen, wo sich Not und Elend abzeichneten. Zunächst zusammen in der Deutsch-Lettischen Partnerschaft, später über die eigens dafür gegründete Bruderhilfe. Nicht nur Privatpersonen brachten ihre Spenden vorbei, auch diverse Sozialeinrichtungen wie Arbeiterwohlfahrt, Missionswerk, Kirche, Schulen und Sozialstationen beteiligten sich an den zum Teil groß angelegten Sammlungen. Gut erhaltene Kleidung wurde ebenso massenhaft Richtung Osten verladen wie Gehhilfen, Rollstühle und Spezialbetten.

In Lettland wurden diverse Projekte organisiert. Unter anderem wurde eine alte Dorfkirche mit Hilfe des Oster-Ohrstedters liebevoll restauriert, für die Uni-Klinik in Riga besorgte er lebenswichtige medizinische Geräte und installierte eine Suppenküche mit gastronomischen Großgeräten. Im lettischen Kekava wurden eine Sozialstation und eine Kleiderkammer eingerichtet, eine Zahnarztpraxis wurde ebenso mit Material ausgerüstet wie eine Radio- und Fernsehwerkstatt für einen Behinderten, der damit wieder seine Familie ernähren konnte.

Die Liste der von Arno Belasus und seinen Mitstreitern realisierten Projekte und Hilfen wurde im Laufe der Zeit immer länger, und auch die sichtbare Anerkennung wuchs. Die größte Auszeichnung war die Verdienstmedaille im Jahr 2011, die er immer wieder gerne hervorholt. Ebenso gerne erzählt er von den lobenden Worten, die ihn aus Kiel erreichten, von Heide Simonis und auch vom jetzigen Ministerpräsidenten Torsten Albig. Selbst die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern sprach dem Nordfriesen mit ostpreußischen Wurzeln bereits ihren Dank aus.

Die vorerst letzte Ehrung liegt erst wenige Wochen zurück: Anfang Juli wurde die Partnerschaft Bordesholm-Lettland vom Institut für europäische Partnerschaft und internationale Zusammenarbeit (IPZ) mit dem Europa-Preis 2014 für das beste Partnerschaftsprogramm ausgezeichnet. „Es ist ein exzellentes Beispiel dafür, sich mit den Grundgedanken der Europäischen Union auseinanderzusetzen und sich zugleich gemeinsam Gedanken über die Zukunft zu machen“, hieß es in der Laudatio bei der Auszeichnung in Bordesholm. Schwer fällt ihm und seiner Frau Ute der Abschied vom jahrzehntelangen sozialen Engagement nicht. Längst haben ihre vier Kinder für Enkel gesorgt, die nun davon profitieren sollen, dass Opa mit der Spendenhilfe nicht mehr ganz so viel zu tun hat: „Ich will mit meinen Enkeln angeln und mit dem Wohnmobil auf Tour gehen“, freut sich der 74-Jährige auf ganz neuen Freizeitgenuss.

Obwohl, so ganz kann der gelernte Betriebswirt, Malermeister und Raumausstatter seine Hände nun doch nicht in den Schoß legen: In seiner kleinen Werkstatt in Oster-Ohrstedt greift er immer noch täglich zum Werkzeug, wenn alte Stühle mit neuen Polstern oder geflochtenen Sitzen versorgt werden müssen. „Ich umgebe mich eben gerne mit schönen Dingen“, begründet Arno Belasus diese Leidenschaft, die sich auch im liebevoll angelegten Garten spiegelt – ein weiteres Hobby des Ehepaares.

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