Bargum : Ende eines Dornröschenschlafes

Modern und einsatzbereit: Das 1993 entstandene Gebäude 53 diente einst für Annahme und Versand. Es hat eine Grundfläche von 1517 Quadratmetern.
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Modern und einsatzbereit: Das 1993 entstandene Gebäude 53 diente einst für Annahme und Versand. Es hat eine Grundfläche von 1517 Quadratmetern.

Für eine Nachnutzung des ehemaligen Materiallagers Bargum mit seinen 56 Gebäuden gibt es diverse Interessenten. Die Ausschreibung ist aber noch nicht veröffentlicht.

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14. Januar 2018, 16:00 Uhr

Es ist ein wenig kurios: Wer mit dem Auto durch das ehemalige Marine-Materiallager Bargum fährt, wird auf dem Navigationsgerät verzweifelt nach Gebäuden suchen. Sie sind nicht eingezeichnet. Zu sehen ist nur grüne Fläche, die auf ein Waldgebiet hindeutet.

„Es geht hier nicht darum, dass die Bundeswehr unsichtbar sein möchte“, erklärt dazu Steffen Volk, Konversionsmanager bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland. „Für die militärische Nutzung sind die Gebäude genehmigt, jedoch nicht für eine zivile gewerbliche Nutzung.“ Und das hat seinen Grund: „Es werden unterschiedliche Anforderungen an die Genehmigungen gestellt, weshalb sie für die zivile Nachnutzung neu einzuholen sind. Die Genehmigungsfähigkeit wird dabei jedoch nicht in Frage gestellt.“ Künftige Investoren wird das freuen, denn auf dem verlassenen Areal soll bald wieder Leben einkehren.

Vorgegeben durch die Bundeswehr-Strukturreform aus dem Jahre 2011 räumte die Bundeswehr im Sommer 2017 nach knapp 50 Jahren Nutzung das 55,62 Hektar große Gelände endgültig. Zuletzt waren hier von ehemals einigen hundert Bediensteten noch etwa 40 Soldaten und Angestellte beschäftigt. Auch, wenn sich das riesige Gelände seither in einem Tiefschlaf zu befinden scheint: Die Zukunft für das ehemalige Marinematerialdepot und zuletzt Materiallager hat schon begonnen. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bietet es schon jetzt vorab international auf Messen, wie beispielsweise auf der Immobilienmesse ExpoReal in München, wo auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF vertreten ist, zum Kauf an – en bloc. Der Mindestkaufpreis steht allerdings noch nicht fest. Dennoch gab es schon im vergangenen Jahr mehrere Interessenten.

„Seit vor fünf Jahren feststand, dass das Materiallager schließen wird, sind wir mit den Planungen beschäftigt“, so Steffen Volk. Ein Berliner Planungsbüro lotete inzwischen die Entwicklungsmöglichkeiten der Liegenschaft aus und erarbeitete eine Konversionsplanung. Doch ohne die Gemeinde Bargum, auf deren Gebiet das ehemalige Depot liegt, geht nichts. Sie hat die Planungshoheit. So beschlossen die Gemeindevertreter in ihrer November-Sitzung, drei der vier vorgeschlagenen Konversionsvarianten bevorzugt zu unterstützen. Welche zum Zuge kommt, entscheidet die Nachfrage. So wird empfohlen, den westlichen Teil der Liegenschaft mit der Haupteinfahrt als Gewerbeflächen auszuweisen, der östliche Teil sollte eher für den Bedarf der Agrarwirtschaft angeboten werden. Außenbereiche sind für Gewerbe tabu. Bürgermeister Bernd Wolf: „Jeder Investor muss ein schlüssiges Nutzungskonzept erarbeiten und es der Gemeinde vorlegen. Wir haben das letzte Wort darüber, was wir haben wollen – und was nicht.“

Wichtig ist es der Kommune, langfristige Arbeitsplätze zu sichern. Und die Nachnutzung müsse in die Liegenschaft passen, ergänzt Steffen Volk. So läuft das Konversionsverfahren in enger Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftseigentümer – der BImA –, begleitet von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, sowie in Abstimmung mit den Kreis- und Landesbehörden und der Nachbargemeinde Langenhorn. Geplant ist, im Kernbereich regionales Gewerbe anzusiedeln – möglichst unter Einbeziehung der vorhandenen Bunker und Straßen. Keinesfalls soll eine Nachnutzung in Konkurrenz zu bereits existierenden Gewerbegebieten stehen, sind sich Volk und Wolf einig.

Ein Novum: Die Hauptzufahrt zum Depot von der L 13 liegt auf Langenhorner Gebiet, während der Rest zu Bargum gehört. Das gelte es planungsrechtlich abzufangen, so Volk.

Der Naturschutz spielt eine große Rolle. Der Wald außerhalb des Kernbereichs wird größtenteils erhalten bleiben und für privilegierte Nutzungen bereitgestellt werden. Insgesamt beträgt der Anteil an Forst etwa 340.000 Quadratmeter – also rund die Hälfte der Gesamtfläche.

Doch das Areal besteht nicht nur aus Wald und Biotopen. 56 Gebäude, teilweise top saniert und mit Glasfaserleitungen ausgestattet, stehen für eine Weiternutzung bereit. 21 in einem guten Zustand mit keinem bis geringem Investitionsbedarf. Teilweise könnten sie sofort wieder in Betrieb genommen werden. 27 befinden sich in befriedigendem und sieben in einem schlechten Bauzustand. Nicht mehr zu retten sind ein ehemaliges Verwaltungsgebäude sowie die frühere Kantine des Depots. Letztere wird seit fünf Jahren nicht mehr genutzt und nun von der Natur zurückerobert.

Zu den Sahnestücken gehören das ehemalige Gefahrenstofflager, erbaut 1998, sowie das Gebäude 53 aus dem Jahre 1993. Hier waren einst Annahme und Versand untergebracht. Es bietet viel Platz, moderne Tore und noch nie benutzte Vorrichtungen.

Worauf Interessenten noch achten sollten, erklärt Steffen Volk: „Für die Baugenehmigung muss aus Brandschutz-technischen Gründen ein Mindest-Waldabstand – in der Regel 30 Meter – zu den Gebäuden hergestellt werden.“ Je nach Qualität des Waldes müsse im Verhältnis 1:1 bis 1:3 ausgeglichen werden. „Für einen Hektar Wald, der aufgeforstet wird, ist mit Kosten in Höhe von etwa 30.000 Euro zu rechnen.“ Auch Abrisskosten für nicht mehr betriebsbereite Gebäude kämen auf den Mindest-Kaufpreis hinzu.

„Zur Zeit erstellt das erwähnte Berliner Planungsbüro eine Machbarkeitsanalyse“, erklärt Steffen Volk. „Ermittelt werden sollen die Gesamtkosten für Investoren.“ Dazu gehört auch die Wiederherstellung der Wasserversorgung und ähnliches. „Diese Analyse ist dann Grundlage für die BImA bei der Ermittlung des Mindestkaufpreises, der in der Ausschreibung veröffentlicht wird.“ Wann sie erfolgt, steht derzeit noch nicht fest.

Ziel ist es jedoch, bis zum Sommer 2018 alle Fragen zu klären, so dass die BImA verkaufen und die Investoren kaufen können. Bernd Wolf: „Wir würden uns alle freuen, wenn das Gelände wieder zum Leben erweckt wird – so schnell wie möglich.“



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