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Storms Urenkelin : Elisabeth Dering: Malerin mit eigenem Kopf

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Sie ist eine Urenkelin von Theodor Storm und beschloss schon in ihrer Jugend, Malerin zu werden. Jetzt hat die Stadt Aschaffenburg den Nachlass von Elisabeth Dering aufgekauft.

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erstellt am 10.Jul.2017 | 11:00 Uhr

Als siebtes Kind einer Arztfamilie erblickte sie am
25. März 1921 in Husum das Licht der Welt. Und schon früh stand für Elisabeth Spethmann (spätere Dering) fest, dass sie – wie ihre ältere Schwester Angelika – Malerin werden wollte. Doch der Vater hatte Einwände: „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, sagte er und hoffte, damit sei das Thema durch. Aber Elisabeth hatte ihren eigenen Willen. Ein Jahr lang habe sie nicht mit ihm gesprochen, berichtete sie später ihrer Tochter, die ebenfalls Elisabeth heißt. Schließlich gab der Vater nach und ließ sie ziehen – nach München, wo die Schwester bereits studierte. Elisabeth wurde Schülerin von Hermann Kasper (1904-1986), der 1938 die Nachfolge des als entartet geltenden und deshalb zwangspensionierten Professors für monumentale Malerei, Karl Caspar, angetreten hatte. Kasper war bei der nationalsozialistischen Führungsspitze hoch angesehen und 1944 auf Geheiß des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, sogar auf die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ gesetzt worden. Darin wurden auf 36 Seiten Namen von 1041 Künstlern geführt, deren Werke dem Unrechtsregime als „besonders wertvoll“ dünkten.

„Es waren schwierige Zeiten damals“, sagt Derings Tochter, Elisabeth Dering-Schunk, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht nur, dass es für Frauen an sich schon eine Herausforderung darstellte, Malerei studieren zu wollen. Die Nazis und ihre rassistischen Vorstellungen von bildender Kunst machten die Sache nicht leichter. „Aber meine Mutter war eine starke Persönlichkeit, die sich nicht so leicht verbiegen ließ und ihre eigenen Ausdrucksformen suchte.“

Kuriosum am Rande: In München lernte Elisabeth ihren späteren Mann, den Arzt Dr. Karl Dering, kennen, dessen Bruder bereits ihrer älteren Schwester Angelika das Ja-Wort gegeben hatte und ebenfalls Künstler war. Elisabeth und Karl heirateten 1946 und zogen 1954 nach Aschaffenburg um, wo Karl eine Anstellung als Arzt gefunden hatte.

Ihre Geburtsstadt Husum hat Dering Zeit Lebens nicht vergessen – allem voran das große alte Haus der Spethmanns in der Ludwig-Nissen-Straße, wo sie mit Eltern und Großeltern unter einem Dach aufwuchs und das nahezu jedem Husumer unter dem Namen „Villa Spethmann“ geläufig war – nicht zuletzt wegen seines üppigen Rosengartens.

Obgleich die beiden Schwestern durchaus miteinander konkurrierten, war es ausgerechnet Angelika, die Elisabeth zugestand, über ein „absolutes Farbgefühl“ zu verfügen, erinnert sich Dering-Schunk. Ihre Mutter soll daraufhin selbstbewusst „Ja, da kann ich nicht widersprechen“ geantwortet haben. Aber auch technisch war Elisabeth Dering ganz auf der Höhe ihrer Zeit. „Bis auf Monotypien (Hinterglasmalereien) hat sie so ziemlich alles ausprobiert, was es gab“, erinnert sich die Tochter. Zudem war es ihr ein Anliegen, Wissen weiterzugeben. Deshalb eröffnete sie in der Dalbergstraße, in der Altstadt von Aschaffenburg, das erste private Ausstellungshaus der Stadt. Die Galerie Dering wurde schnell zum Treffpunkt für Kunst-, Musik- und Literaturliebhaber – auch weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und nach dem Tod der Mutter von ihrer Tochter weiterbetrieben.

Obgleich ihre eigenen Bilder immer wieder in Ausstellungen zu sehen waren und auch für öffentliche Sammlungen angekauft wurden, war sich Elisabeth Dering nicht zu schade, Kinderbild-Ausstellungen zu organisieren oder in der Volkshochschule und im Altenheim Malkurse zu geben. Und sie verstand es, ihr Leben zu leben. „Manchmal saß sie bis 3 Uhr nachts in der Kneipe“, berichtet die Tochter, „und ging dann danach ins Atelier“. Dering hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Ihr Nachlass soll ins Archiv der Stadt Aschaffenburg aufgenommen werden. Die Urenkelin Theodor Storms starb am
5. Dezember 1997 in ihrer Wahlheimatstadt.

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