Umweltschutz : Elektro-Autos: Nordfriesen haben Hamburger überholt

Die Stromtankstelle am Husumer Kreishaus ist eine von mittlerweile 68 Ladestationen in Nordfriesland.
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Die Stromtankstelle am Husumer Kreishaus ist eine von mittlerweile 68 Ladestationen in Nordfriesland.

Der Kreis Nordfriesland will bis 2020 klimafreundlichste Region Deutschlands werden – und drückt schon jetzt aufs Tempo.

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20. Juli 2015, 16:00 Uhr

„Eine Million Elektro-Autos auf deutschen Straßen“ wünscht sich die Bundeskanzlerin. Das wäre eines je 80 Einwohner. Bis 2030 sollen es sogar sechs Millionen Elektro-Fahrzeuge sein. Davon ist Deutschland im Durchschnitt jedoch noch weit entfernt: Bisher fährt nur jeder 4220ste Einwohner elektrisch. In Nordfriesland dagegen nennt immerhin jeder 1120ste ein E-Auto sein Eigen.

Nach einer kürzlich veröffentlichten Statistik des Kraftfahrtbundesamtes waren am Jahresanfang 160 E-Autos im Kreisgebiet angemeldet. „Wir sind also fast viermal so umweltfreundlich unterwegs wie der Durchschnittsdeutsche“, erklärt Landrat Dieter Harrsen.

Auch wenn selbst diese Zahl weit von Angela Merkels Ziel entfernt ist, stellt Harrsen fest: „Ohne fossile Treibstoffe zu fahren ist im Alltag angekommen.“ Das gilt zumindest für den Kreis Nordfriesland, der sich bis 2020 zum klimafreundlichsten Kreis Deutschlands entwickeln will. In ganz Schleswig-Holstein kommt ein E-Auto auf 5600 Einwohner, nur ein Fünftel der Quote Nordfrieslands.

Selbst die Metropole Hamburg – laut Werbung der Fahrzeughersteller eigentlich der ideale Einsatzort für elektrische Fahrzeuge – liegt mit einem Fahrzeug je 2680 Einwohner 2,4-fach hinter den Nordfriesen. „Fürs Klima wäre es nur gut, wenn die anderen Regionen jetzt mal eine Aufholjagd starten würden. Aber momentan sind wir Nordfriesen, wie damals beim Aufbau von Solaranlagen und Bürgerwindparks, nun auch in der umweltfreundlichen Mobilität weit vorne“, sagt Dieter Harrsen.

Autofahrer können mittlerweile an 2000 Ladesäulen in Europa Strom tanken. Etwa bei einem Drittel der insgesamt 68 Ladestationen in Nordfriesland wird bisher noch ein unentgeltlicher Service angeboten. Und selbst wenn Fahrzeughalter von E-Mobilen für den Strom bezahlen müssen, geben sie immerhin noch bis zu 50 Prozent weniger aus als für Benzin. Aus den meisten Ladesäulen fließt Strom aus erneuerbaren Energien.

Besitzer von Elektroautos laden sich eine App auf ihr Smartphone und schalten damit die Tankstelle frei. Die getankten Kilowattstunden werden elektronisch erfasst und später abgerechnet. Für 100 Kilometer werden etwa 20 Kilowattstunden inklusive Ladeverlust benötigt. Die Verträge für den mobilen Strom gibt es bei den Stadt- und Gemeindewerken.

Das Verzeichnis der Strom-Tankstellen in Nordfriesland ist unter http://lemnet.org/ zu finden.

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