Zwei Partner - ein Projekt : Elektrisch über den Hindenburgdamm

Mit der Diesellok durch den Nationalpark Wattenmeer: Geht es nach der Insel- und Halligkonferenz und der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft in Niebüll könnte im Norden Nordfrieslands in Zukunft auf elektrischen Bahnbetrieb umgestellt werden. Der Antrag beim Land ist gestellt.
Mit der Diesellok durch den Nationalpark Wattenmeer: Geht es nach der Insel- und Halligkonferenz und der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft in Niebüll könnte im Norden Nordfrieslands in Zukunft auf elektrischen Bahnbetrieb umgestellt werden. Der Antrag beim Land ist gestellt.

Die Marschbahn könnte zwischen Westerland und Niebüll auf E-Betrieb umgestellt werden. Mittel für die Planung sind beantragt.

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27. November 2017, 07:00 Uhr

Die Situation auf der Marschbahn zwischen Westerland und Husum ist nach wie vor prekär. Tausende Pendler leiden beinahe täglich unter Zug-Verspätungen und -Ausfällen. Wenn Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz heute zum „Gespräch“ mit den Abgeordneten des nordfriesischen Kreistages über die desolate Verkehrssituation an der Westküste nach Husum kommt, dann erwarten diese vor allem klare Antworten auf die Frage, wie die drängenden Probleme endlich gelöst werden sollen. Dies gilt nun auch für eine gemeinsame Initiative der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG) und der Insel- und Halligkonferenz. Sie möchten die Marschbahn zwischen Niebüll und Klanxbüll durchgängig zweigleisig ausbauen und zwischen Westerland und Niebüll auf elektrischen Betrieb umstellen. Um die konkreten Planungen vorantreiben zu können, haben die beiden Kooperationspartner vor wenigen Tagen einen formlosen Antrag an Minister Buchholz und den Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Landtages gerichtet. Beantragt ist ein Zuschuss in Höhe von einer Million Euro.

Ziel der innovativen Initiative ist es, auf diesem Weg „binnen kürzest möglicher Frist“ zu Akzeptanz für die Umsetzung des Projektes und Baurecht gemäß Allgemeinem Eisenbahngesetz (AEG) zu kommen. „Es gibt dabei nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen! Wir setzen daher auf Ihre Unterstützung“, appellieren der Vorsitzende der Insel- und Halligkonferenz, Manfred Uekermann, sein Stellvertreter Paul Raffelhüschen und NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald in ihrem Vorstoß Richtung Kiel. Und an Minister Buchholz direkt gewandt: „Für ihren Besuch in Husum raten wir daher an, dass Sie kurz und knapp die Aufnahme von Planungen verkünden.“

Diese sollten nach Vorstellungen der beiden nordfriesischen Partner so aussehen: Neben einer vollständig zweigleisigen Strecke zwischen Niebüll und Klanxbüll soll zwischen Westerland und Niebüll eine Oberleitung für den elektrischen Bahnbetrieb geplant werden. Um die Autoverladung und den Reisezugverkehr auf Sylt zu entzerren, ist auf Sylt ein Autoverlade-Terminal im Bereich des NEG-Güterbahnhofs Tinnum angedacht. Untersucht und mit entsprechenden Umweltplanungen und Öffentlichkeits-Beteiligungen umgesetzt werden soll parallel dazu die Frage, wie die Elektrifizierung via Oberleitung ab Niebüll auf dem Festland fortgeführt werden kann. Da in diesem Punkt noch einige Fragen offen sind, soll zunächst eine verkehrswirtschaftliche Untersuchung vorgeschaltet werden, wenn die entsprechenden Gelder aus dem Sondervermögen zur Förderung von Mobilität und Innovation des Schienenpersonennahverkehrs (MOIN.SH) fließen.

Denn es könnte durchaus Konfliktstoff geben: „Strittig“, das räumen die Antragsteller selbst ein, ist der Aspekt, wie der elektrische Bahnbetrieb an der Westküste Richtung Süden fortgeführt werden könnte. „Rechtlich steht die Aufhebung einer eisenbahntechnischen Anbindung des Mittelzentrums Husum als vollkommen unrealistisch außer Frage, bleibt aber als politische Befürchtung“, heißt es dazu in der Antragsbegründung. Offen sei ferner, welche Effekte es hätte, zum Beispiel Unterzentren wie Risum-Lindholm oder Hattstedt in den Fahrplan einzubinden.

Würde ihr angestoßenes Projekt am Ende auch tatsächlich realisiert, dann hätte das nach Ansicht von NEG und Insel- und Halligkonferenz handfeste Vorteile für die gesamte Region: Wird das Elektrifizierungs-Konzept umgesetzt, würden sich schlagartig die Verkehrsverhältnisse verbessern, es ließen sich für den öffentlichen Nahverkehr auf Schiene und Straße neue Fahrgast-Potenziale erschließen und langfristig lasse sich der Zuschussbedarf des Landes durch einen effizienteren Bahnverkehr um zirka zehn Millionen Euro senken. Der weitere Clou dabei: Durch den elektrischen Bahnbetrieb würde der CO2-Ausstoß in Nordfriesland um zirka 60 Prozent sinken und lokal erzeugter Strom wie aus Windkraftanlagen könnte gleich vor Ort verbraucht werden.

Öffentlicher Kreistag

Die heutige Sondersitzung des Kreistages Nordfriesland beginnt um 10 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses, Marktstraße 6 in Husum. Die rund zweistündige Tagung ist öffentlich. Eingangs erhält die Pendlerinitiative Husum-Westerland Gelegenheit, zu den Problemen auf der Marschbahn und mit dem Autozug Sylt Stellung zu nehmen. Anschließend gibt es das Gespräch mit dem Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, Dr. Bernd Buchholz, zu folgenden Themen: Probleme auf der Marschbahn und deren Lösung , Autozug Sylt, Ausbau B 5 , Ortsumgehung Tating und Industrieförderung Erneuerbare Energien. Erst danach steht die Einwohnerfragestunde an sowie die Beratung und etwaige Beschlussfassung des Kreistages.
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