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Schadhafter Schrägstoß : Eisenbahnbrücke in Husum: Es klappt nicht mehr

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein fehlender Schrägstoß bringt Schiffsverkehr zwischen Husumer Binnen- und Außenhafen zum Erliegen. Vom 18. April an wird auch die Straßenbrücke gewartet. Motorboot-Besitzer weichen in den Außenhafen aus.

„Hier kann zurzeit niemand rein und raus“, sagt Wolfgang Loy, ehrenamtlicher Hafenmeister der Interessengemeinschaft Husumer Hafen (IGHH). Schon seit Anfang März geht zwischen Binnen- und Außenhafen wasserseitig nichts mehr. Grund ist die Eisenbahnbrücke – und das nicht zum ersten Mal. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Probleme mit der Klappbrücke, die zwar die Eisenbahnlinie Hamburg-Westerland verbindet, aber – wenn sie nicht richtig funktioniert –, den Boots- und Schiffsverkehr zwischen Binnen- und Außenhafen zum Erliegen bringt. Und genau das ist jetzt wieder der Fall. „Die Stimmung im Binnenhafen ist demzufolge ziemlich gedrückt“, weiß Loy zu berichten.

Das aktuelle Problem: Ein sogenannter Schrägstoß an den Schienen muss erneuert werden. Ohne ihn kann die Eisenbahnbrücke nicht bewegt werden. „Wir durften auf dem Stoß nicht mehr fahren, deshalb haben wir ihn vorläufig durch eine normale Schiene ersetzt“, erklärt Lars Kölle von der Deutschen Bahn auf Anfrage der „Husumer Nachrichten“. Leidiger Nebeneffekt: „Die Brücke ist nicht mehr klappbar.“ Ursprünglich sollten die Gleisarbeiten gestern abgeschlossen sein. Aber nun werden wohl noch ein paar Tage oder Wochen mehr ins Land gehen. „Wir warten auf eine Materiallieferung“, sagt Kölle. Das Oberbau-Werk in Witten habe die Lieferung bis zum 11. April zugesagt. Anfang der Woche habe es dann geheißen, dass gerade erst eine entsprechende Zeichnung erstellt worden sei, ärgert sich Kölle. In der kommenden Woche will das Oberbau-Werk nun einen neuen Liefertermin nennen.

Hintergrund: Schienenstoß

Ein Schienenstoß ist der Bereich der aneinander stoßenden Schienenenden im Gleisbau. Aus fertigungs- und transporttechnischen Gründen ist die Länge einer einzelnen Schiene begrenzt. Heute sind es bis zu 250 Meter, in den Anfängen der Eisenbahngeschichte waren es maximal 15 Meter, später 30 Meter. Um die Schienenenden zu verbinden gibt es verschiedene Verfahren, wie das Schraub- oder Schweißverfahren. Letzteres ist heutzutage weltweit meistgenutzt. Um die Belastung am Stoß zu vermeiden, wurden Versuche mit anderen Bauweisen gemacht. Bei einem sogenannten Schrägstoß sind die Enden abgeschrägt, sodass die Räder nicht in die Stoßlücke fallen. Er hat sich jedoch nicht bewährt. Die verfügten Enden müssen trotz geringerer Stärke die maximale Belastung tragen und neigen daher zu Brüchen.

 

Das Problem ist – wie bereits erwähnt – leider nicht neu. „Wenn es wärmer wird, fangen die Brücken manchmal an zu klemmen“, berichtet Loy. Das gelte auch für die Fußgängerbrücke über den Binnenhafen und die blaue Straßenbrücke, die die Nord- und Südseite der Stadt verbindet. Für die Wartung dieser Brücken ist die Stadt zuständig. Und die bemühe sich auch redlich, den Verkehr schnellstmöglich wieder fließen zu lassen. Bei der Eisenbahnbrücke liegt die Sache allerdings etwas anders. Sie nennt Loy daher auch „die Problembrücke“. Bei ausgeprägtem Hochwasser komme selbst ich mit meiner kleinen ,Möwe Willi‘ nicht darunter durch“, berichtet der Hafenmeister. Bei Westwind sei dann auch schon mal die Hafenrundfahrt gefährdet oder müsse womöglich sogar ausfallen.

Mitglieder der Sportbootvereinigung, die ihre Schiffe im Binnenhafen liegen haben, können ebenfalls nicht auslaufen, wenn sich die Brücken nicht klappen lassen. „Wir haben dieses Jahr drei Liegeplätze weniger vergeben“, erläutert Loy. Er befürchtet, dass der Hafen verwaisen könnte. Die drei Bootsbesitzer haben aufgrund dieser Umstände einen Liegeplatz beim Seglerverein erhalten.

„Das Vertrauen, dass das Problem zeitnah gelöst wird, ist nicht besonders groß“, erklärt der Vorsitzende der Sportbootvereinigung, Martin Wittstock. Die Steganlage des Vereins soll daher „temporär“ in den Außenhafen verlegt werden. Dort gehen zehn Boote am 23. April ins Wasser. „Im Binnenhafen herrscht dagegen weiter gähnende Leere“, gibt Wittstock zu bedenken und tut sich schwer, das alles zu verstehen. „In Holland gibt es viel mehr Brücken – und dort funktionieren sie auch.“ In den Niederlanden würden die Brücken aber auch mindestens zweimal am Tag geöffnet, um die Funktionsfähigkeit zu testen – selbst im Winter.

Dass Husums Brücken als unzuverlässig gelten, hat sich inzwischen herumgesprochen. Auch unter Traditionsseglern, die in den Sommermonaten gern im Binnenhafen liegen, wird das inzwischen diskutiert. „Aber gerade sie locken viele Schaulustige an“, weiß Loy. Die Hafenrundfahrten mit „Möwe Willi“ sollen ab Mai wieder aufgenommen werden – vorausgesetzt die Eisenbahnbrücke funktioniert bis dahin wieder – und die Straßenbrücke auch. Deren Wartung steht in der kommenden Woche an.

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