Annäherung in Uelvesbüll : Einwohner verschaffen sich Gehör

Ein vorliegendes altes Gutachten belegt, dass bei mindestens neun Häusern in Uelvesbüll der Immissionsschutz nicht gewährleistet sei.
Ein vorliegendes altes Gutachten belegt, dass bei mindestens neun Häusern in Uelvesbüll der Immissionsschutz nicht gewährleistet sei.

Der Gemeinderat legt das Vorgehen für neue Windkraftanlagen fest: Ein Schallgutachten soll den Nachtbetrieb untersuchen. Bei mindestens neun Häusern in Uelvesbüll ist laut älterem Gutachten der Immissionsschutz nicht gewährleistet.

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20. März 2014, 13:30 Uhr

Dass die Meinungen der Bürger und Mitglieder des Gemeinderates in Uelvesbüll in Sachen Windkraftplanung gespalten sind, ist durch die jüngsten Berichterstattungen unserer Zeitung bekannt geworden. Amtsvorsteher Ralf Heßmann appellierte daher auf der Einwohnerversammlung: „Ich erwarte von Ihnen das Gebot der Fairnis und Redebeiträge frei von persönlichen Angriffen.“ Dennoch brodelte es schon nach wenigen Minuten im vollbesetzten Saal des Gemeindezentrums. Es folgte ein Schlagabtausch mit bereits bekannten Argumenten zum Thema 12. Änderung des F-Planes. Schon seit vier Jahren ist die Erweiterung der bisherigen Fläche Gegenstand vieler Sitzungen. Ins Spiel gebracht wurde die Beeinträchtigung im Bereich Tourismus, Naturschutzbelange und Schlagschatten, der sich durch die Nähe der künftigen Mühlen von möglicherweise 400 Meter zu einigen Häusern ergeben wird sowie ein hoher Geräuschpegel – alles Argumente, die eine Wertminderung der Häuser nach sic ziehe. Besonders im Wohngebiet Barneckermoor ist offen, ob es sich um eine Splittersiedlung oder einen Ortsteil handelt. Bisher zählt es als Splittersiedlung, daher gilt ein Abstand von 400 Metern. Andernfalls gibt es Hoffnung auf 800 Meter Abstand.

„Was ist der Nutzen für das Dorf?“ – war eine sich wie ein roter Faden hindurchziehende Frage. Bürgermeisterin Christel Zumach beantwortete sie mit dem Hinweis, dass der Haushalt zwar im Moment ausgeglichen sei, doch man wisse nicht, wie sich die Kostenspirale für gesetzlich vorgegebene Auflagen entwickeln werde. Die Bürger würden es sicher nicht witzig finden, wenn beispielsweise die Hundesteuer deswegen erhöht werden müsste. Windkraft biete der Kommune und damit den Bürgern sichere Einnahmen. Sie sei als Bürgermeisterin lediglich verpflichtet, einen schon längst mehrheitlich gefassten Beschluss des Gemeindeparlamentes umzusetzen. Umso wichtiger sei das, weil inzwischen ein Repowering-Antrag hinsichtlich der laufenden vier Mühlen eingegangen sei. Vier neue seien in Planung.

Immer wieder musste der Amtsvorsteher, der sich als unparteiischer Moderator zur Verfügung gestellt hatte, die Wogen glätten. Überraschend für alle brachten zwei Anträge des Einwohners Berndt Mumm sowohl den Moderator als auch den Leitenden Verwaltungsbeamten Claus Röhe kurzfristig ins Grübeln. Zunächst musste nämlich geprüft werden, ob sie überhaupt zulässig waren und die Bürger, wie ebenfalls beantragt, darüber auch abstimmen durften. Tatsächlich war das laut Hauptsatzung der Kommune möglich. Mumm hatte beantragt, dass die Gemeindevertretung vor erneuter Aufstellung und Auslegung eines F-Plans ein Gesamtkonzept inklusive Repowering unter strikter Einhaltung des Immissionsschutzes erstellen soll. Bei mindestens neun Häusern sei der Schutz nicht gewährleistet. Das beweise schon das vorliegende alte Gutachten. Außerdem sollte vorher ein neues Schallgutachten zu Rate gezogen werden. Dabei sei besonders der Nachtbetrieb zu untersuchen. Die Einwohner votierten in offener Abstimmung mehrheitlich dafür, so dass der Leitende Verwaltungsbeamte den Punkt von der Tagesordnung der sich anschließenden Gemeinderatssitzung mit Einverständnis des Gremiums streichen ließ. „Wir werden in der nächsten Sitzung umfassend beraten“, so die Bürgermeisterin. Einwohner Manfred Aberle sprach vielen aus dem Herzen: „Die Fronten sind schon lange verhärtet. Der Gemeinderat sollte das Votum mitnehmen. Wir sind keine Windkraftgegner, nur Mitbewohner“.







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