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An der Grenze zu Syrien : Einsatz in einem kalten Land: Husumer Soldaten kehren aus Türkei zurück

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Minusgrade und schlechtes Wetter: Das sechste Kontingent des Flugabwehrraketengeschwaders 1 ist aus der Türkei zurück. Vier Monate dauerte der Einsatz, der dem Schutz der Stadt Kahramanmaras vor Luftangriffen dient.

Der heiße türkische Sommer steht vor der Tür – und die Angehörigen des nunmehr siebten Kontingents von Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1, das die Stadt Kahramanmaras im Grenzgebiet zu Syrien im Rahmen des Einsatzes „Active Fence Turkey“ vor Attacken aus der Luft schützen soll, tragen jetzt den Wüstentarnanzug. Von hohen Temperaturen konnten ihre Vorgänger des sechsten Kontingents, die jetzt nach Husum zurückgekehrt sind, allerdings nur träumen: „Wir hatten extrem schlechtes Wetter“, erzählt Oberstabsfeldwebel Timo Lemsky. „Das war dort der kälteste Winter seit Jahren, mit bis zu zehn Grad minus und richtig viel Schnee. Teilweise kamen wir nur noch mit geländegängigen Fahrzeugen durch.“

Vier Monate waren Lemsky und 75 weitere Soldaten der dem Geschwader unterstellten und in Husum stationierten Flugabwehrraketengruppe 26 im Türkei-Einsatz. Der Rest des insgesamt 250 Mann starken Kontingents kam aus anderen Standorten. „Wir haben die Stärke gegenüber den ersten Kontingenten schon erheblich reduziert und Führungs- und Funktionspersonal eingespart“, sagt Major Björn Klarl, der als Chef der Einsatzstaffel fungierte. Die ersten Kontingente, die ab Januar 2013 in die Türkei verlegten, waren noch 420 Köpfe stark. Da war der Einsatz aber nur für einen Zwölf-Monats-Zeitraum geplant. Mittlerweile ist er zum zweiten Mal um ein Jahr verlängert worden – mit den entsprechenden Belastungen für das Husumer Geschwader und die angegliederten Verbände.

Rund um die Uhr besetzen die Soldaten der Einsatzstaffel die beiden Feuerleitstände mit ihren zusammen fünf Startgeräten, in den die Patriot-Lenkflugkörper für den Abschuss bereitstehen. Der Blick ihrer Radargeräte geht weit nach Syrien hinein und verrät so einiges über die Lage in dem instabilen, von Bürgerkrieg geschüttelten Land. „Die Aktivitäten der syrischen Raketentruppen sind zurückgegangen“, sagt Klarl. Dafür habe man auf den Schirmen deutlich den Verlauf der alliierten Luftangriffe gegen die Terroristen des Islamischen Staates in Kobane und Aleppo beobachten können. „Aber die diffuse Bedrohung für Kahramanmaras bleibt natürlich.“

62 Leute hatte Klarl in der Einsatzstaffel unter seinem Kommando. Die arbeiteten gut ausgelastet im Schichtsystem – zwölf Stunden im Feuerleitstand, 24 Stunden frei –, während Klarl sozusagen freischwebend unterwegs war, aber als Verantwortlicher natürlich nicht weniger ausgelastet. Und nicht nur mit dem täglichen Dienstbetrieb, sondern auch mit allerlei – zum Teil hochkarätigen – Besuchern, die sich vor Ort über den Türkei-Einsatz informierten. „Der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Generalleutnant Peter Schelzig, war da und der Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant Dieter Naskrent“, zählt Klarl auf, „und von der zivilen Seite der parlamentarische Staatssekretär Ralf Brauksiepe und die Bundestagsabgeordnete Karin Strenz, die Mitglied im Verteidigungsausschuss ist.“

Für den Major sind solche Besuche sehr wichtig: „Einmal um Materialwünsche und ähnliches an hoher Stelle zu äußern – und zudem, um das Bild unseres Einsatzes in den Köpfen zu ändern.“ Das würde nämlich immer noch von den Provisorien beherrscht, die den Aufenthalt des ersten und zweiten Kontingents in der Türkei prägten. „Es hat sich aber komplett geändert, das ist kein Leben im Schlamm hier.“

Besprechung: Oberstabsfeldwebel Timo Lemsky (M.) im Kreise der Staffelfeldwebel.
Besprechung: Oberstabsfeldwebel Timo Lemsky (M.) im Kreise der Staffelfeldwebel. Foto: HN

Das kann auch Timo Lemsky bestätigen. „Die aus Nato-Mitteln finanzierte neue Sporthalle zum Beispiel ist richtig klasse, und wir sind die Hauptnutzer“, schwärmt der Oberstabsfeldwebel, der als Spieß des Gesamtkontingents sozusagen „Mädchen für alles“ und ebenfalls ständig beschäftigt war: „Morgens um sechs kam meist der erste Anruf, dass irgendwo die Klospülung nicht funktionierte oder die Seife fehlte oder irgendetwas anderes nicht richtig klappte“, sagt er lachend. Mit seinem Gehilfen habe er sich dann darum gekümmert, dass in den Angelegenheiten des täglichen Lebens alles wieder rund lief. Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite sei dabei ohne Probleme gewesen: „Wir hatten hauptsächlich mit der Küche und der privaten Reinigungsfirma zu tun und das funktionierte tadellos.“

Auch Klarl lobt die internationale Kooperation im Einsatzland, nicht nur mit den türkischen Gastgebern, sondern auch mit den US-Streitkräften, die sich ebenfalls an „Active Fence“ beteiligen: „Das war ein sehr angenehmes Miteinander.“ Beide, Klarl und Lemsky, waren übrigens das erste Mal im Rahmen dieses Einsatzes in der Türkei. Wobei Lemsky zumindest nicht völlig getrennt war von seiner Familie, denn Sohn Philipp, seines Zeichens Hauptgefreiter und Startgerätebediener in der Einsatzstaffel, war ebenfalls Angehöriger des sechsten Kontingents. „Das war für meine Mutter dann eher nicht so toll“, erzählt der 19-Jährige. Aber sowohl er als sein Vater hätten regelmäßigen Kontakt mit ihr gehabt. Und so war denn auch die Freude in dieser Familie gleich doppelt groß, als die Husumer Soldaten aus dem Einsatz zurückkehrten.

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erstellt am 09.Apr.2015 | 13:00 Uhr

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