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Im Auftrag des Kreises : Einsatz für Menschen mit Handicap

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Manfred Steffens ist der Behindertenbeauftragte des Kreises Nordfriesland. Sein großer Wunsch für die Zukunft: mehr Hilfsbereitschaft von Seiten der Gesunden für Betroffene.

von
erstellt am 12.Mär.2015 | 17:30 Uhr

Seit fast zwei Jahren ist Manfred Steffens als Kreis-Behindertenbeauftrager in Nordfriesland unterwegs. Der 65-jährige Niebüller setzt sich seitdem zwischen dänischer Grenze und Eider mit viel Engagement für die Interessen von Menschen mit Behinderungen ein.

 

Provokante Frage: Wieso braucht Nordfriesland überhaupt einen solchen Beauftragten?

Zehn Prozent der Bevölkerung hat eine Behinderung, nur ein Drittel davon seit der Geburt. Diese Menschen benötigen unabhängige Ansprechpartner vor Ort, die in Politik und Verwaltung gehört werden. Der Kreis war und ist diesbezüglich Vorreiter im Norden Schleswig-Holsteins.

 

Wie bekommt man diesen Job?

Dieses Ehrenamt wird vom Kreis Nordfriesland öffentlich ausgeschrieben, darauf kann man sich bewerben und wird vom Kreistag gewählt.

 

Welche Fähigkeiten sollte ein Bewerber haben?

Man muss zuhören und sich in die Situation und Probleme von Behinderten hineindenken können, gleichgültig, welcher Art die Behinderung ist. Man muss regional sehr gut vernetzt sein, um jedem Ratsuchenden den Zugang zu passender Beratung, Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen.

 

Sie selbst engagieren sich seit mehr als 25 Jahren für Behinderte. Was gab den Ausschlag?

Die Geburt unserer Tochter mit geistiger Behinderung vor rund 33 Jahren war ein tiefer Einschnitt in unserem Familienleben. Vieles mussten wir damals in kleinen und schmerzhaften Schritten erfahren und erlernen. Davon möchte ich etwas weitergeben in der heutigen Zeit.

 

Hat sich seitdem etwas verändert?

Die Gesellschaft hat sich größtenteils gewandelt. Die Präsenz von Behinderten in der Öffentlichkeit und bei Veranstaltungen aller Art ist heute eine eher eine Selbstverständlichkeit.

Eine Selbstverständlichkeit? Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist mittlerweile gesetzlich geregelt, aber auch bei allen anderen Neu- und Umbauten – egal, ob gewerblich oder privat – ist dies heute ein wesentlicher Aspekt.

 

Dann ist ja alles in Ordnung . . .

In der Theorie vielleicht. Es gibt immer wieder Dinge die mich ärgern, zum Beispiel die Gleichgültigkeit und mangelnde Hilfsbereitschaft gegenüber Behinderten.

 

Wie würden Sie den nicht ganz einfachen Begriff „Inklusion“ übersetzen?

Jeder wird, so wie er ist, ob mit oder ohne Einschränkungen, als gleichwertig in dieser Gesellschaft akzeptiert. Inklusion ist die einzig logische Fortsetzung von gesellschaftlichen Wandlungen, die wir hinter uns haben: Exklusion, Separation, Integration. Inklusion ist nichts Kurzfristiges, sondern ein jahrzehntelanger Prozess, der alle in unserer Gesellschaft fordert.

Werden Menschen mit Behinderungen unterschätzt?

Sehr häufig sogar. Beispielsweise können Sehbehinderte mit ihren anderen Sinnen sehr viel mehr wahrnehmen. Contergan-Geschädigte entwickeln mit Händen und Füßen ungeahnte Geschicklichkeiten. Und geistig Behinderte sind ehrlich, denn sie können sich nicht verstellen.

 

Was wünschen Sie sich vor allem als Kreisbehindertenbeauftragter?

In den Köpfen von allen Menschen in Nordfriesland sollten wir die Barrieren einreißen, die uns am ganz normalen Umgang mit Behinderten hindern.

 

Sachkundiger Rat

Die nächste Sprechstunde von Manfred Steffens findet am Donnerstag (19. März), von 16 bis 18 Uhr, statt. Er steht allen Bürgerinnen und Bürgern im Raum 26 im Erdgeschoss des Husumer Kreishauses zur Verfügung. Der Raum ist barrierefrei erreichbar, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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