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Tag der Offenen Tür : Einmal selbst Feuerwehrmann sein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aus Anlass ihres 140. Geburtstages lädt die Feuerwehr Husum zu einem Tag der offenen Tür in den Marienhofweg ein. Neben Informationen sowie Spiel und Spaß – auch für Kinder – dürfen die Besucher vieles ausprobieren.

Peter Post kommt schnell zur Sache: „Wir sind seit 140 Jahren rund um die Uhr für den Bürger da“, sagt der stellvertretende Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Husum. „Aber wir wollen uns nicht selbst feiern, sondern zeigen, was wir tun.“ Deshalb wird es am Sonntag, 13. September, auf dem Gelände der Feuerwache im Marienhofweg erstmals nach 2011 wieder einen Tag der offenen Tür geben – „Feuerwehr zum Anfassen und Ausprobieren“.

Löschwagen und Drehleiter kenne jeder. Aber wie es sich anfühle, in Einsatz-Klamotten einen Spreizer oder eine schwere Schere in die Hand zu nehmen, das wüssten wohl die wenigsten. „Deshalb haben wir uns für diesen Weg entschieden“, erklärt Wehrführer Jürgen Jensen (siehe auch Interview unten). Mit „wir“ meint er die Husumer und die mit der Eingemeindung Schobülls 2007 fusionierte Schobüller Wehr. Von 11 bis 17 Uhr wollen sie ebenso anschaulich wie umfassend demonstrieren, was in ihnen steckt. Dazu wurde ein Programm ausgearbeitet, dass in Theorie und Praxis über sämtliche Bereiche des Brandschutzes informiert. Und das sei auch schon das entscheidende Stichwort, erläutern Post und Jensen, „denn wenn wir ausrücken müssen, ist ja meist schon etwas passiert.“ Deshalb soll die Prävention, also die Frage, was getan werden kann, damit es gar nicht zu einem Feuerwehr-Einsatz kommt, an diesem Tag im Mittelpunkt stehen.

Das beginnt bereits bei den Kleinsten. Ein Grund, warum am 13. September auch die Feuerwehr-Handpuppenbühne aus Fassendorf im Marienhofweg zu Gast sein wird. Außerdem hat die Jugendfeuerwehr ein eigenes Kinderprogramm für „angehende Feuerwehrfrauen und -männer“ auf die Beine gestellt“, erläutert Post lächelnd. Dazu gehört auch ein Rätselspiel „mit lösbaren Aufgaben und tollen Preisen“, verspricht er. Und dann ist da ja noch der schon erwähnte „Praxisteil“. Wie funktioniert ein Feuerlöscher oder eine Wärmebildkamera, und warum sind Rauchwarnmelder mehr als eine Decken-Dekoration? All das und vieles mehr – bis hin zu technischen Hilfeleistungen im Einsatzfall – können die Besucher unter fachkundiger Anleitung ausprobieren. Darüber hinaus gibt es Informationen, Vorführungen und anderes aus dem Feuerwehr-Alltag. Und in einem eigens dafür präparierten Container wird ein Brandraum simuliert. „Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie sich auch im Brandfall in ihrer Wohnung zurechtfinden und unterschätzen, dass Rauch nicht durchsichtig ist“, erläutert Jensen. „Da zeigt sich dann sehr anschaulich, dass das eine oder andere nicht passieren würde, wenn Wohnung oder Haus an der richtigen Stelle mit einem funktionstüchtigen Rauchmelder ausgestattet wären“, ergänzt Post. Ein weiteres anschauliches Thema der Feuerwehr-Arbeit wird die Absicherung aus Höhen und Tiefen sein. Und das sind nur einige von vielen Programmpunkten.

Die Flaming-Stars („Flammende Sterne“), eine Gruppe motorradbegeisterter Feuerwehr-Botschafter aus dem Land, sowie Darbietungen des Feuerwehrmusikzuges Viöl und des Spielmannszuges Hattstedt runden den Tag ab. Ach ja, Feuer gibt es natürlich auch – ganz sicher: am wehreigenen Grill.

 

 

Wehrführer Jensen: Der feste Wille zählt


Viele Wehren im Land klagen über Nachwuchssorgen. Wollen Sie mit dem Tag der offenen Tür auch neue Mitglieder werben?

Natürlich sind wir froh, wenn neue engagierte Leute zu uns kommen, aber akute Nachwuchssorgen haben wir derzeit nicht. Mit 30 Mädchen und Jungen in der Jugendabteilung, 110 Mitgliedern in der Einsatzabteilung und 29 Ehrenmitgliedern sind wir zurzeit ganz gut ausgestellt.

 

Wie ist das Verhältnis von Mädchen und Jungen in der Jugendabteilung?

Fünf Mädchen und 25 Jungen – also eins zu fünf.

 

Ab welchem Alter kann man in die Feuerwehr eintreten?

Das Eintrittsalter ist vor ein paar Jahren von zwölf auf zehn Jahre heruntergesetzt worden.

 

Was macht eine gute Feuerwehrfrau oder einen guten Feuerwehrmann und was die Wehr als Ganzes aus?

Der feste Wille, in Notsituationen helfen zu wollen und natürlich eine möglichst große Verfügbarkeit. Wir sorgen dann für eine solide Ausbildung. Die Leistungsfähigkeit der Mannschaft ist die Summe guter Ausbildung und Erfahrung. Daher achten wir sehr darauf, dass unsere Züge aus gut ausgebildeten jungen Leuten und alten Hasen zusammengesetzt sind.

 

Im vergangenen Jahr mussten Sie zu 250 Einsätzen ausrücken. In diesem Jahr werden es womöglich noch mehr. Welche Gründe hat die Steigerung?

Es gibt immer mal Jahre, in denen die Einsatzzahlen ansteigen, ohne dass dafür konkrete Ursachen feststellbar sind. Unsere Statistik zeigt jedoch einen deutlichen Anstieg Unwetter-bedingter Einsätze durch Sturm und Regen.

 

Im Gegensatz zu anderen Wehren liegt Ihre Wache mitten in der Stadt. Warum?

Zum einen, weil es um die Feuerwache herum Wohnraum für unsere Einsatzkräfte gibt. Zum anderen können wir durch die gute Verkehrsanbindung des Marienhofweges schnell alle Stadtteile und das Umland erreichen. Eine kurze Eintreffzeit am Unglücksort ist für die Feuerwehr natürlich ungemein wichtig.

 

Feuerwehrleute führen sicher ein unsteteres Leben als andere.

Ist das manchmal eine Belastung?

Nein. Das haben wir uns ja so ausgesucht. Aber es gibt schon seltsame Situationen, wenn man zum Beispiel mit halbfertigem Schnitt aus dem Friseursalon gerufen wird oder den Zahnarzt mit dem Bohrer in der Hand stehen lassen muss. Und manchmal leert sich auf Schlag auch ein ganzer Saal, denn die meisten Bekannten von Feuerwehrleuten sind selbst auch Feuerwehrleute. Aber es gibt Schlimmeres, als zum Einsatz gerufen zu werden.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 14:00 Uhr

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