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Traditioneller Kutterkorso : Einmal das Leben an Bord spüren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kutterkorso gehört zu den beliebtesten Hafentage-Ereignissen. Es ist eine Fahrt, die sich auch Angehörige der Fischer nicht entgehen lassen. Bei Fangfahrten dürfen sie aus Versicherungs-Gründen nicht an Bord.

Olaf Millers ist seit vier Jahren Krabbenfischer. Der Kutter, auf dem er arbeitet, liegt in Schlüttsiel. Doch beim traditionellen Kutterkorso der Hafentage hilft Miller auf der „Delphin“ von Eigner Maik Jannsen aus.

Sogar Freundin Madelaine Petersen ist mit an Bord – und Mutter Jutta Wendt, die extra aus Olaf Millers Geburtsstadt Bremen angereist ist, um bei diesem Ereignis dabei zu sein und einen Einblick in die Arbeit ihres Sohnes zu bekommen. Das ist nicht selbstverständlich, denn im Berufsalltag ist ein Besuch auf einem Kutter aus versicherungstechnischen Gründen nicht erlaubt. So ist der traditionelle Kutterkorso auch für Familienmitglieder die einzige Möglichkeit, einmal Wind und See nahe bei ihren Liebsten zu erleben. Sechs Kutter fuhren gestern hinaus – begleitet von den Schiffen „Eiswette“ und „Hannes Glogner“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – und tanzten dort ein „Ballett“, bevor es nach gut einer Stunde wieder in den Hafen zurückging.

Nebenbei erfuhren die Gäste etwas über die Schifffahrt im Allgemeinen und die Krabbenfischerei im Besonderen. So ist klares blaues oder grünes Wasser, das jeder Fotograf liebt, für die Krabbenfischer nur ein Zeichen, das es nichts zu fangen gibt und sich die Krabben im Sand eingegraben haben. „Dickes Wasser“ müsse es sein, das trüb und sedimentreich dafür sorgt, dass sich die Fangfahrt auch lohnt. Im Sommer sei das schwierig, erklärt Olaf Millers. Derzeit fahren die Fischer zwei bis drei Stunden hinaus; die Erträge sind jahreszeitlich bedingt geringer und die Krabben kleiner. „Die guten Zeiten sind im Frühjahr und im Herbst. Aber dieses Frühjahr war nicht so erfolgreich“, berichtet Fischwirtschaftsmeister und Kapitän Maik Jannsen. „Wir hoffen darauf, dass der Herbst bessere Ergebnisse bringt – und die Preise entsprechend gut sind.“

Auch wenn die Gäste einen geringen Obolus leisten, die Kosten für den Korso fahren Maik Jannsen und seine Kollegen nicht ein. Sie tun es aus Verbundenheit zu den Hafentagen und auch für Hans Gerd Rohde vom Fischereiverein. „Wenn er anfragt, sagt man nicht Nein“, ist für Maik Jannsen klar. Dass mittlerweile mehr Fahrgäste in den Genuss einer Korso-Fahrt kommen, ist allerdings Jannsen zu verdanken. „Wir durften in jedem Jahr immer weniger Leute mitnehmen. Als meine ‚Delphin‘ 2009 noch einmal um zwei Meter verlängert wurde, habe ich eine statische Neuberechnung in Bezug auf die mögliche Anzahl der Personen an Bord in Auftrag gegeben. Die Kollegen folgten dann meinem Beispiel.“ Die Wasserschutzpolizei achtet akribisch darauf, dass die Vorgaben eingehalten werden. Auch andere Sicherheitsbestimmungen sind mit viel Aufwand für die Besatzungen verbunden: Unter anderem muss das komplette Fanggeschirr abgebaut werden.

Zum ersten Mal beim Kutterkorso ist auch Familie David dabei. Hendrik David ist gebürtiger Husumer, lebt aber mit Ehefrau Andrea und dem fast vierjährigen Sohn Niclas schon lange in Hamburg. „Es ist schön, den Hafen auch mal von der anderen Seite aus zu sehen. Das ist selbst für einen alten Husumer etwas Besonderes.“ Und was sagt Madelaine Petersen zum Abschluss der Tour? „Es ist einfach der Hammer. Ich bin so stolz auf meinen Freund und seinen Beruf!“ Denn was für Maik Jannsen, Olaf Millers und all die anderen Krabbenfischer bald wieder Alltag ist, um das Gold des Meeres zu fangen, war für die mitfahrenden Gäste ein ganz besonderes Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen werden.

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