Wester-Ohrstedt : Einkaufen ohne Hindernislauf

Engagiertes Team: Inge und Maik Schultze (l.) sowie Sohn Björn (r.) freuen sich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Ilse Purwins (M.) und der treuen Kundin Lotta Clausen auf die Auszeichnung.
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Engagiertes Team: Inge und Maik Schultze (l.) sowie Sohn Björn (r.) freuen sich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Ilse Purwins (M.) und der treuen Kundin Lotta Clausen auf die Auszeichnung.

Der MarktTreff in Wester-Ohrstedt wird wiederholt für Generationsfreundlichkeit ausgezeichnet – dazu haben auch die Kunden beigetragen.

shz.de von
16. April 2018, 08:00 Uhr

„Wir haben es geschafft, dass nicht mehr nur die älteren Mitbürger, sondern inzwischen auch viele junge Familien aus der Umgebung gerne ihre Einkäufe hier bei uns erledigen“, freut sich Maik Schultze. Die hohe Akzeptanz des MarktTreffs versteht der Wester-Ohrstedter auch als Indiz dafür, dass seine Bemühungen, Menschen aller Generationen ein positives Einkaufserlebnis zu vermitteln, erfolgreich sind. 2015 wurde er dafür vom Einzelhandelsverband ausgezeichnet. Seitdem weist an der Eingangstür ein Qualitätszertifikat – eine rollende Einkaufstasche auf orangefarbenem Grund – auf die Generationenfreundlichkeit des hiesigen MarktTreffs hin.

Doch die Auszeichnung gilt nicht für alle Ewigkeit: „Alle drei Jahre muss sich der Betrieb einer Re-Zertifizierung stellen. Das heißt, dass jemand in unserem Auftrag inkognito in den Laden geht und prüft, ob die Kriterien nach wie vor erfüllt werden“, sagt Mareike Petersen vom Handelsverband Nord. Der Kriterienkatalog, der dabei abgearbeitet werden muss, umfasst mehr als 60 Punkte, von denen mindestens 70 Prozent erfüllt sein müssen. Dass Maik Schultze das Soll mit 92 Prozent wieder mehr als erfüllt hat, ist für sie keine Überraschung: „Er ist unglaublich engagiert, wenn es darum geht, insbesondere für Kinder, Behinderte und Senioren ein angenehmes Einkaufsumfeld zu schaffen.“

Und tatsächlich ziehen in Wester-Ohrstedt alle mit ihm an einem Strang: „Es war die Idee einiger junger Mütter, dass wir in unserem Bistro eine Kinderecke einrichten, wo die Kleinen spielen können, während die Eltern in Ruhe ihre Einkäufe erledigen“, sagt der Chef und verweist auch auf die kleinen Einkaufswagen speziell für Kinder. Auch die stilvoll eingerichtete Ecke mit Geschenken und Blumengestecken entstand auf Anregung einer Kundin, ebenso das vielfältige Angebot an vegetarischen und veganen sowie Bio-Produkten. Für Rollstuhlfahrer wurde erst vor kurzem ein spezieller Einkaufswagen angeschafft, mit dem sie nun auch ohne fremde Hilfe durch den Markt rollen können – wobei das Personal trotzdem bei Bedarf immer sofort zur Stelle ist.

Lotta Clausen aus Oster-Ohrstedt nutzt regelmäßig die Einkaufshilfe des Marktes. „Ich bin so dankbar, dass man mir die Einkäufe zum Auto bringt, seit ich selbst nicht mehr so schwer heben darf“, sagt sie. Auch dass man an der Kasse Briefmarken bekommt und sich nach dem Einkauf mit Bargeld bevorraten kann, stößt auf Zuspruch. Auch den Weg zum Amt nimmt der MarktTreff seinen Kunden ab, in dem er Sperrmüllkarten und Anträge zum Mitnehmen zur Verfügung stellt.

Jeden Freitag beliefert der Junior Björn Schultze durchschnittlich 17 Kunden mit Einkäufen, die sie zuvor telefonisch bestellt haben. „Ab 20 Euro Warenwert ist dieser Service kostenlos“, betont er und nutzt für die Lieferfahrten das Firmenauto, das zu 100 Prozent mit Öko-Strom fährt. Weil ihm und seinem Vater die Förderung der Elektromobilität sehr am Herzen liegt, gibt es eine Stromtankstelle auf dem Kundenparkplatz.

Aber auch sonst verfügt das Geschäft über alles, was nötig ist, um das Qualitätszeichen führen zu dürfen. So kann sich jeder Kunde darauf verlassen, dass er sicher, bequem und barrierefrei einkaufen kann, dass der Laden gut ausgeleuchtet und die Gänge breit und nicht verstellt sind und dass die Preise und Auszeichnungen gut lesbar sind. „Wir wollen gerne der Mittelpunkt des Ortes sein, wo man sich trifft und gegenseitig hilft, wann immer es möglich ist“, sagt Maik Schultze, der auch die Vereine und Einrichtungen vor Ort unterstützt.

Etwa ein Dutzend der 140 Märkte, die vom Handelsverband Nord in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern inzwischen als „generationenfreundlich“ ausgezeichnet wurden, befinden sich in Nordfriesland und sind fast alle in der Hand größerer Handelsketten. Wenn Schultze am 20. April die Urkunde zum zweiten Mal erhält, kann er sagen, dass sein Geschäft der einzige ausgezeichnete MarktTreff ist.

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