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Eine Gedenkstätte und die Politik : Einig in der Sache – nicht beim Geld

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine wissenschaftlich versierte Ausstellung soll ein erster Schritt sein hin zu mehr Professionalität, um Besucher der KZ-Gedenkstätte in Husum-Schwesing zu informieren. Darin sind sich Nordfrieslands Kreispolitiker einig – keineswegs aber darin, beim Bund nicht bewilligte Projektgelder für die „Neulandhalle“ in Dithmarschen für Schwesing zu beantragen.

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erstellt am 07.Apr.2014 | 11:00 Uhr

Die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing soll eine wissenschaftlich fundierte Außenausstellung bekommen. Darin sind sich die nordfriesischen Kreistagsabgeordneten und auch die Mitglieder der Kulturstiftung Nordfriesland einig. Denn die Gedenkstätte soll auf Anregung des Landesrechnungshofes und laut entsprechendem Kreistagsbeschluss vom Dezember 2013 in das Eigentum der Stiftung übergehen. Die hierfür notwendige Satzungsänderung bedarf allerdings noch der Genehmigung durch die Stiftungsaufsicht des Landes Schleswig-Holstein. Das Kuratorium hat sich jedoch verpflichtet, zu konzeptionellen Veränderungen die Zustimmung des Kreistages einzuholen. Dies ist in Sachen Ausstellung nun geschehen.

Gab es hierzu einstimmig grünes Licht von Seiten der Politik, wurde dagegen ein Vorstoß der SPD, sich schnellstmöglichst um Fördermittel beim Land Schleswig-Holstein für die KZ-Gedenkstätte zu bewerben, mit 20:18 Stimmen abgelehnt. Die Sozialdemokraten hatten es so eilig gemacht, da beim Bund für das Projekt „Neulandhalle“ keine Gedenkstätten-Mittel zur Verfügung gestellt werden, sodass diese Gelder für andere Vorhaben frei sind. Die Neulandhalle im Dieksanderkoog befindet sich im Eigentum des Kirchenkreises Dithmarschen. Das Gebäude wurde 1935 im damaligen „Adolf-Hitler-Koog“ gegründet und gilt als eine der wenigen architektonischen Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein.

Einen positiven Bescheid aus Berlin hat es dagegen für die Gedenkstätte in Ladelund gegeben: Für deren Ausstellungsmodernisierung, für die 500.000 Euro veranschlagt werden, überweist der Bund 250.000 Euro – und auch das Land zeigt sich mit nochmal 250.000 Euro großzügig.

Der SPD-Abgeordnete Carsten-F. Sörensen hatte eindringlich um Unterstützung für den Förderantrag geworben. „Wir müssen Nägel mit Köpfen machen – und so schnell wie möglich an Geld kommen.“ Dem hielt die Kollegin von den Grünen, Angelika Strenge, entgegen, dass es ohne eine wissenschaftliche Ausstellung gar keine Bundesmittel gäbe. Außerdem würden Folgekosten in sechsstelliger Höhe verursacht, die der Kreis nicht finanzieren könnte. Strenge hält es im Moment für entscheidender, dass es endlich zu einer Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte in Ladelund kommt. „Beide Lager hatten einen gemeinsamen Kommandanten – viele Opfer waren sowohl in Ladelund als auch in Schwesing.“ Die Grünen-Politikerin möchte auf Synergie-Effekte setzen.

Diese Auffassung teilt das Kuratorium der Stiftung Nordfriesland. Und so soll bei der wissenschaftlichen Erarbeitung der Außenausstellung durch einen Historiker eng mit Ladelund zusammengearbeitet werden. Rund 100.000 Euro stehen durch zugesagte Spenden sowie aus Mitteln der Bürgerstiftung „Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten“ für dieses Projekt zur Verfügung.

Einhellig hat der Kreistag dem Plan des Kuratoriums zugestimmt, „vorbehaltlich der Förderung durch das Land Schleswig-Holstein“, ein pädagogisch-didaktisches Konzept für Husum-Schwesing in Auftrag zu geben. Fachleute erachten es als wichtig, so heißt es in dem Beschlussvorschlag, dass es Anregungen für einen Besuch der Gedenkstätte gibt und Materialien bereitliegen, mit denen eine Vor- und Nachbereitung möglich ist. Zudem sei das Angebot an Führungen für Zielgruppen nicht genügend ausgebaut.

Deshalb ist von Seiten der Kulturstiftung NF beabsichtigt, im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung eine Lehrkraft mit der Aufgabe zu betrauen, das pädagogische Konzept in enger Abstimmung mit dem Wissenschaftler zu erarbeiten, der für die Außenausstellung verantwortlich zeichnet.

Ein erstes Schülerprojekt – ein Fotoworkshop – wird im September in den Gedenkstätten Schwesing und Ladelund stattfinden. Die dort entstandenen Motive sollen 2015 begleitend zu der Ausstellung „Generationen. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen“ gezeigt werden. Die Kosten für die beiden Maßnahmen betragen rund 10.000 Euro. Nun hoffen die Nordfriesen, dass Kiel die Mittel freigibt.

Für Carsten F. Sörensen und den SSW-Fraktionschef Ulrich Stellfeld-Petersen ist das Thema „Gelder der Neulandhalle“ noch nicht vom Tisch. Sie kündigten jetzt an: „Wir werden uns mit unserer jeweiligen Landesebene von SPD und SSW in Verbindung setzen, um das Kreistags-Konzept umzusetzen. Wir werden es nicht zulassen, dass sich Jamaika in dieser Sache aus der geschichtlichen Verantwortung herausstiehlt.“ Stellfeld-Petersen: „Mit diesen Fördermitteln wäre es möglich, das soeben bestätigte Gesamtkonzept für Schwesing auf den aktuellen Stand zu bringen und schrittweise umzusetzen.“

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