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Matthäus-Passion in Husum und Wesselburen : Einfühlsam und dramatisch zugleich

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Aufführungen der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach begeisterten das Publikum in Husum und in Wesselburen. Mit zwei Chören und 90 Sängerinnen und Sängern wurde das Werk dargeboten.

shz.de von
erstellt am 24.Mär.2015 | 07:00 Uhr

„Höchst vergnügt schlummern da die Augen ein.“

So tröstlich, ja sogar „vergnügt“ tröstlich, besingt der Schlusschor der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach die Leidensgeschichte Jesu. In zwei Aufführungen in Wesselburen in St. Bartholomäus und in Husum in der Marienkirche brachten Theodor Storms Chor von 1843 und die Kantorei St. Peter-Ording zusammen mit Solisten und dem Hamburger Barockorchester dieses bedeutende Werk der Musikliteratur am Wochenende zu Gehör.

Trauer und Trost, so nah beieinander – da löste sich der Zuhörer nur schwer aus seinen eigenen Gedanken und Erinnerungen an den Tod, an liebe Verstorbene, an seinen Glauben. Und als der Schlussakkord verklang, war es ganz still in den beiden Kirchen. Doch dann besannen sich die Gäste auf das Werk und die Darbietung der Ausführenden: Beifall brandete auf und es schien, als befreiten sich viele durch einen langen Applaus aus ihrer tiefen Konzentration.

Kirchenmusikdirektor Christoph Jensen ist es gelungen, das große Passionswerk mit zwei Chören und 90 Sängerinnen und Sängern aufzuführen. Im Eingangschor der Passion wirkte sogar noch ein Cantus-Firmus-Chor mit. Diesen Part hatte der Unterstufenchor des Nordseegymnasiums und der Kinderchor St. Peter übernommen. Mit ihren klaren Stimmen und ihrem engagierten Singen begeisterten die Kinder unter der Leitung von Christine Melzer das Auditorium. Die Ausdruckskraft der Chöre wirkte in den wunderbar einfühlsam gesungenen Chorälen beruhigend und zuversichtlich, während sie gleichzeitig effektvoll dramatisch zur Geltung kam, wenn im biblischen Erzähltext Personengruppen auftraten (Turba-Chöre) – dies gelang eindrucksvoll. Effektvoll dramatisch waren auch die Rezitative: Hier setzte vor allem Tenor Stephan Zelck als Evangelist herausragende Akzente im Zusammenwirken mit der versierten Continuo-Gruppe.

Die Zuhörer konnten nicht nur dank der erfahrenen Solisten das Geschehen verfolgen, sondern es auch in dem gut aufgemachten Programmheft mitlesen, was viele konzentriert taten. Mit klaren Stimmen trugen Stefan Zelck, Johannes Wilhelmi (Bass) Andreas Kruppa (Bass, Jesus), Manuela Mach (Alt) und Claudia Bertz (Sopran) die Bibel- und Arientexte in einer Weise vor, die das Publikum tief berührten, besonders im Zusammenklang mit den Musikern des Hamburger Barockorchesters. Der weiche, harmonische Klang der Streicher und Bläser passte sich den Stimmen der Sänger und dem Geschehen an und wirkte authentisch – eine Freude, zuhören zu dürfen. Besondere Erwähnung verdient der Bremer Bassist Ulrich Maier, der in der Husumer Aufführung den Part des kurzfristig erkrankten Johannes Wilhelmi mit Bravour übernommen hatte.

Nach dreieinhalb Stunden – eine Pause, die früher zur Predigt genutzt wurde, gab es nach dem ersten Teil – erhoben sich die Besucher applaudierend von den Bänken und zollten damit Respekt für diese große gemeinsame Leistung.




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