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Alles ist Musik : Eine Welt voller ungewohnter Klänge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Am 19. und 20. Mai wird Husum abermals zum Mekka der Neuen Musik – dazu werden Musiker aus aller Herren Länder erwartet.

von
erstellt am 07.Mai.2017 | 08:00 Uhr

„Alles ist Musik“: So lautet der Titel eines Schulbuchs, das Kinder zum Experimentieren mit Klang und Rhythmus anhalten soll. In der Neuen Musik werden die Grenzen bestehender Formen neu ausgelotet und bisweilen auch kreativ überschritten. Da kann, wie es das Trio Catch vor zwei Jahren bei einem Konzert im Tönninger Multimar-Wattforum demonstrierte, ein einfaches Holzbrett aus dem Baumarkt auch schon mal zum „Tonträger“ werden. Und weil der Welt des Klanges (nahezu) keine Grenzen gesetzt sind, soll auch das zweite Husumer Festival für Neue Musik am 19. und 20. Mai ein Leuchtfeuer für Hörgenüsse der besonderen Art werden.

Passend zum Ort des Geschehens beginnt der Reigen mit einer musikalischen „Brise“, die ausnahmsweise mal nicht in die Verantwortung des alten Petrus fällt. Vielmehr handelt es sich um eine „flüchtige Aktion für 111 Radfahrer“. Großes Orchester also, aber ohne den dazugehörigen Graben. Und sollten sich nicht genügend Freiwillige finden, die Spaß an außergewöhnlichen Aktionen haben und gern mit dem Fahrrad unterwegs sind, dann bleibt das Ganze ohnehin ein laues Lüftchen. „Aber so weit wird es nicht kommen“, ist sich der Initiator des Festivals, Dr. Matthias Schenke, sicher.

Der 2008 verstorbene Komponist der „Brise“, Mauricio Kagel, hat deren Instrumentierung übrigens gleich mitgeliefert: Es darf geklingelt, gepfiffen, gesungen und ausdrücklich alles unternommen werden, was den Mitwirkenden als geeignet erscheint, „Flattertöne und Windböen“ zu imitieren. Wer den Korso von A bis Z erleben möchte, ist gut beraten mitzufahren; alle anderen können an festgelegten Punkten musikalisch Spalier stehen. Zweimal sollen die 111 Mitwirkenden (Freiwillige vor) durch die Innenstadt radeln. Die Route führt vom Schlosshof, wo sie sich am 20. Mai um 13.30 Uhr treffen, über Asmussenstraße, Schulstraße, Herzog-Adolf-, Ludwig-Nissen-Straße, Schiffbrücke, Hohle Gasse, Neustadt und Schlossstraße zurück zum Schloss. Der Startschuss für die erste Runde fällt um 14 Uhr.

Kagel war so etwas wie ein Avantgardist der Neuen Musik. Wie kaum ein anderer nutzte er das multimediale Repertoire seiner Zeit, um neue Werke zu schaffen. Musik gehöre nicht in die Schmuckschatullen der Konzert-Palästen, sondern unter die Leute, als Teil ihres Lebensalltags, so Kagels Credo. Diese Überzeugung ist wohl auch seiner Biografie geschuldet. Aus einer deutsch-russisch-jüdischen Familie stammend, wurde Kagel in Buenos Aires geboren und blieb Zeit seines Lebens ein musikalischer Weltbürger.

Das weitere Programm: Am Freitag, 19. Mai, gibt es ab 16.30 Uhr im Rittersaal des Schlosses was aufs Trommelfell. Dann sind dort die Percussionistinnen Seorim Lee und Terumi Oishibashi zu Gast. Weiter geht’s am Abend an gleicher Stelle mit dem Saxofon und Posaunen-Duo Ruth Velten und Florian Juncker, das unter anderem Werke von Silke Eberhard und Steve Reich spielen wird (Beginn: 19 Uhr).

Der Sonnabend beginnt im Südflügel des Schlosses mit einem weiteren Percussionisten-Duo: Jonathan Shapiro, den viele noch von seiner letztjährigen Performance im Rathaus in Erinnerung haben werden, und seinem Kollegen André Wittmann (Beginn: 16 Uhr). Ein Wiedersehen mit Susanne Fröhlich, die das Publikum im vergangenen Jahr unter anderem mit Fausto Romitellis Seascape (1994) für Solo-Subbassblockflöte verzauberte, gibt es am Abend ab 19.30 Uhr im Rittersaal. An ihrer Seite: der Kontrabassist Meinard Kneer. Und den Schlusspunkt setzen – ebenfalls am Sonnabend – ab 20.45 Uhr Paul Hübner (Trompete) und Daniel Lorenzo (Klavier).

>Karten gibt es im Vorverkauf bei der Schlossbuchhandlung, Schlossgang 10, Telefon 04841/89214, sowie an der Abendkasse. Unterstützt wird das Festival Neue Musik vom Rotary-Club Husum, der Rotary-Foundation und der Böttcher-Stiftung.

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